RatCon 2018 - Tag 1

Noch vor etwas mehr als einem Jahr hätte der Schelm noch nicht einmal gewusst, wo dieses ominöse Limburg an der Lahn zu finden wäre. Warum auch? Gab es doch bis dahin keinerlei Grund, sich auf die beschwerliche Reise ins fremdsprachige Nachbarbundesland zu machen. Doch nun war wieder RatCon. Und der Schelm war gewillt, Leute zu treffen, Geld auszugeben und DSA zu huldigen. Begleitet ihn auf das Abenteuer RatCon 2018!

Die Anreise

Endlich ging es los: Schon lange waren das Hotelzimmer gebucht, der Sitzplatz bei der Deutschen Bahn reserviert, familiäre Unterstützung für meine mit den beiden Kindern allein zu Hause bleibende Gattin organisiert. Die Tasche vom Kaiser-Raul-Konvent war mit diversen gebastelten DSA-Paraphenalia gefüllt, die ich stolz auf der Con herumzeigen wollte. Dass ich nicht zum Spielen kommen würde, war klar, da dafür das Programm viel zu voll war, ich mit zu vielen Leuten quatschen wollte und ich leider bereits am Samstag Abend zu Frau und Kindern zurückkehren musste. Also machte ich mich ohne Heldendokument, aber mit viel guter Laune auf nach Limburg an der Lahn.

Bei der Anreise war ich auf Nummer sicher gegangen, um so ausgeruht wie möglich auf der RatCon anzukommen: Ich hatte diesmal (nach dem etwas langwierigen Reisebus vom letzten Jahr) die Bahn gewählt und mir ein erster Klasse Upgrade gegönnt. Dank meines Urlaubstages hatte ich eine frühe Abfahrtszeit gebucht, um bereits ein paar Stunden eher in Limburg anzukommen, mein Hotelzimmer zu beziehen, in der Stadt in Ruhe zu essen und dann ganz entspannt zur Convention zu schlendern. So die Theorie!

In der Praxis hatte die Deutsche Bahn etwas Anderes für mich vorgesehen: Irgendein obskures Unwetter sorgte für eine Verspätung meines Regionalexpresses von 20 Minuten. Da ich in Köln aber nur 10 Minuten Umsteigezeit hatte, konnte ich meinen Anschluss-ICE mit der erstklassigen Sitzplatzreservierung bereits knicken. Ein freundlicher Bahn-Service-Mitarbeiter gab mir daraufhin aber netterweise ein Blanko-Ticket zur Nutzung anderer Fern- und Nahverkehrszüge, was mir völlig neue Möglichkeiten eröffnete. So begann eine Odyssee mit dem Regionalexpresses nach Düsseldorf, wo angeblich ein Intercity nach Koblenz auf mich warten würde, der aber natürlich ausfiel und 20 Minuten später durch einen Ersatzzug vertreten wurde. Leider merkte unterwegs irgendein schlauer Bahnmitarbeiter, dass der ursprüngliche IC wohl doch nicht so aufgefallen war wie gedacht, weshalb in Köln alle Passagiere wieder in den ursprünglichen Zug umsteigen mussten. Mit erneuten 20 Minuten Verspätung ging es endlich weiter nach Koblenz, wo ich schließlich eine beschauliche Regionalbahn nach Limburg erwischte. Mit lockeren zwei Stunden Verspätung und nach sechs Stunden Bahnfahrt erreichte ich endlich das beschauliche Limburg. Zehn Minuten vor Öffnung der RatCon!

Glücklicherweise kannte ich mich seit letztem Jahr etwas aus, und so ging es zielstrebig Richtung Stadthalle. Plötzlich brüllte mir aus einen vorbeifahrenden Auto jemand ein “Nice Shirt!” zu (ich trug mein dunkelblaues Kaiser-Raul-Konvent T-Shirt). Ich blickte mich schnell um und sah ein Ulisses-Auto an mir vorbeifahren, auf dessen Beifahrersitz Robert Cousland (der größte amerikanische DSA-Fan) saß. Ich war leider zu perplex, um schlagfertig mit einem “Hi, Robert” zu antworten, brummelte stattdessen ein kurzes “Thanks!”, und nahm mir vor Robert später nochmal persönlich auf der Convention anzuquatschen. Kurz darauf kam von hinten ein weiterer Con-Gänger angeschnaut, dem wohl seine Orientierungsprobe misslungen war und den ich, als alter Hase, nun zur nur noch wenige Meter entfernten Stadthalle geleiten konnte.

Der Beginn

Zwei Menschensschlangen warteten dort ungeduldig auf den Einlass, und ich hatte kaum Gelegenheit mich umzusehen, als mich auch schon mein Bochumer Kumpel Marcel begrüßte, den ich auf dem diesjährigen KRK kennengelernt und der mich zur RPC begleitet hatte. Als einer der vier Meister des morgigen MPAs stand er natürlich in der sehr viel kürzeren Schlange für VIPs und Barzahler, und so stellte ich mich einfach dazu und kaufte eine weitere Eintrittskarte, um mit Marcel zu quatschen und mich nicht in die andere Schlange einreihen zu müssen. Tipp für's nächste Jahr: Barzahler müssen weniger lange warten als Vorbesteller!
Warten auf den Einlass

Endlich, um kurz nach 18 Uhr, ergriff Markus Plötz das Wort, und erklärte nach kurzer Rede die diesjährige RatCon für eröffnet! Sogleich ergossen sich (oder besser: tröpfelten) die Massen in die Halle. Am Eingang gab es noch ein Armbändchen, ein Programmheft, das Abenteuer “Drei Farben Schnee” sowie einen sehr coolen Kunststoff-Fächer (wer in der letztjährigen Sauna-Keynote gesessen hat, weiß wieso) mit Ulisses-Logo auf der einen und Aventurisches Kompendium 2 Titelbild auf der anderen Seite.

Der erste Gang führte mich natürlich direkt zum Verkaufsstand, schließlich sind die Neuheiten einer der wichtigsten Gründe für einen Con-Besuch. Anders als im letzten Jahr hatte sich diesmal neben den Eingang der Godicon-Stand breitgemacht. Im ersten Stock fehlte traurigerweise sowohl der Uhrwerk-Verlag als auch Truant-Spiele - die RatCon ist nun eine reine Ulisses-Hausmesse. Der Verkaufsstand wurde dieses Jahr auf die, beim letzten Mal weitgehend ungenutzte, Bühne im großen Saal gelegt, und so erklomm ich die Stufen, um die wenigen Neuheiten zu erstehen: Das Aventurische Kompendium 2, den diesjährigen RatCon-Würfel sowie die neue Ulisses-Tasche mit blutrotem Heshtoth-Logo. Gerne hätte ich auch schon das geheimnisvolle Mystery-Produkt erworben, das es aber leider erst morgen nach der Keynote geben wird.

Meine Errungenschaften des ersten Tages

Die neue PVC-Aventurien-Karte lockte mich zum Künstler-Stand, wo ich Karten-Maestro Steffen Brand persönlich die 40 Eure entgegen warf, um mir eine der 110x80 cm großen Rollen zu sichern. Grafik-Göttin und Havena-YouTube-Star Nadine Schäkel hatte ich natürlich vergessen, die seit der RPC auf meinen Schreibtisch liegende vergessene Schraube für ihre Zwölfgötter-Uhr mitzubringen, weshalb ich sie ihr nun per Post nach Hause schicken darf.
Würfeln für das blaue Aventurische Kompendium 2

Konversationen

Dann wurde erstmal gequatscht: Marcel und Thorsten Most begutachteten erstmal die neue Karte und befanden sie für nett, aber insgesamt etwas zu dunkel und schwer lesbar. Ich überreichte Thorsten eine Tüte Zwölfgötter-Nudeln als Dank für seine schönen Nandurion-Schriften, die ich oft und gerne einsetze. Mit Dennis Jantoss wurde kurz durch das Aventurische Kompendium 2 geblättert, dann konnte ich kurz den vorbeieilenden Philipp Neitzel begrüßen, der uns bei DSANews immer ein guter Presseattaché ist. Mit Julian Härtl wurde kurz über die DSA5-Neuauflage von Silvanas Befreiung sinniert, und dass es schade ist, dass meine Gruppe das Abenteuer noch zu gut kennt, um es jemals wieder spielen zu können. Bernd Ochs, der ebenfalls gerade eine PVC-Aventurien-Karte erworben hatte, versuchte sogleich meine Idee einer Aventurien-Tischdecke an Chefredakteur Niko Hoch zu pitchen. Später führte Niko den Stargast Robert Cousland durch die große Halle, den ich auch sogleich begrüßte und ihm für seine fleißigen Retweets meiner Blog-Beiträge dankte. Kurz und gut: Bereits die erste Stunde der diesjährigen RatCon war für mich wie ein großes Klassentreffen.

Neben der Bühne im großen Saal, dort wo letztes Jahr noch Werner Fuchs alte Bücher, Abenteuer und Anekdoten unter’s Volk brachte, hatte sich diesmal der B-Ware-Stand breit gemacht. Ich versuchte Steff Tannert und seinen Kollegen vergeblich dazu zu bewegen, mir etwas über das bevorstehende Mystery-Produkt zu erzählen, das ich leichtsinnigerweise als Gewinnspiel-Preis ausgelobt hatte. Nachdem ich aber mit den eher zweifelhaften Informationen abgespeist würde, dass das Paket “groß wie ein Auto” sein und einen Aufkleber “Achtung, lebende Tiere!” tragen würde, begnügte ich mich damit, eine leicht angestossene Box mit “Der Fluch des Blutsteins” für My Little Pony zu erwerben. Natürlich für meine Nichte und überhaupt gar nicht gut mich!!! Kurz wurde mit Steff über den Preis verhandelt, bis mir die Spendenbox zu Gunsten der Familie von André Wiesler einfiel, und ich den Rest des 50€-Scheins spendete. Immerhin hatte ich das Glück, André noch letztes Jahr auf der RatCon sehen und ein paar wenige Worte mit ihm wechseln zu können, bevor er so plötzlich und überraschend von Golgari geholt wurde. So tragisch das ist, ist es tröstlich, dass die Community und Ulisses etwas für die Hinterbliebenen tun und Andrés Werk nicht vergessen ist.

Neben dem Eingang zum großen Saal hatte sich Melina Wachendorf niedergelassen, die letztes Jahr auf Facebook viele Leser für ihren DSA-Zwölfgötter-Fotokalender begeistern konnte. Aktuell arbeitet sie an einem Halbgötter-Kalender, für den noch zwei Foto-Shootings ausstehen, und der hoffentlich ab Oktober vorbestellbar sein wird. Leider gab es vom letztjährigen Kalender keine Exemplare mehr zu erwerben, da diese bekanntlich nur für Vorbesteller gedruckt wurden. Schade, schönes Projekt. Hoffen wir, dass Facebook keine weiteren Fotos sperren wird, wie zuletzt lachhafterweise bei dem sehr harmlosen Levthan-Bild geschehen.
Melina Wachendorf mit Zwölfgötter-Postkarten

An der Info-Theke holte ich mir für einen Euro ein Exemplar der diesjährigen, erneut von Jeanette Marsteller entworfenen Rätselqueste ab, mit dem unguten Gefühl, dass ich diesmal auch nicht besser abschneiden würde als letztes Jahr. Dafür hatte ich Gelegenheit, einen ersten Blick auf die Belegexemplare der frisch angekündigten Würfelarenen und Rolltaschen von All Rolled Up zu werfen, die in Kooperation mit Ulisses produziert werden. Insbesondere die Rolltasche mit ihrer Aventurien-Karte gefiel mir sehr. Eine Würfelarena habe ich mir bereits selbst herstellen lassen - sollte endlich mal einen Artikel darüber verfassen.

Am Würfelmeister-Tisch fand ich diesmal keine Schnäppchen, und auch bei Godicon kaufte ich nichts, nachdem ich vor Kurzem bereits ein paar Sachen per F-Shop erstanden hatte. In Mirhibans Lehrstube hatte inzwischen die Veranstaltung mit dem schönen Namen Blut für den Blutmingers begonnen, bei der sich mutige Teilnehmer aus dem Publikum für 5€ als Goblins von Michael Mingers per Würfel verprügeln lassen konnten. Schön war der Jubel im Publikum, als der erste Spieler mit einer Doppel-Eins (die entgegen der Publikumserwartung natürlich ein spektakulärer Patzer war) instantan geplättet wurde.

Der Abend

Bestimmt könnte ich noch viel berichten, doch will mir in meinem übermüdenten Hirn nur noch einfallen, dass ich den Rest des Abends gemütlich mit Marcel, Thorsten, seiner Frau Heike (?) und einen mir ebenfalls seit dem KRK vage bekannten Flo herumsaß, über Nandurion, Penis-Aale, Shitstorms, die G7 und unzählige andere lustige Themen philosophierte, als kombiniertes Mittags- und Abendessen eine Tüte Gummibärchen und eine Flasche Cola verzehrte, zwei kurzen Orkenspalter-TV-Interviews beiwohnte und schließlich gegen halb zwölf müde, aber glücklich Richtung Hotel aufbrach.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist der zweite Tag der RatCon bereits in vollem Gange, die Keynote steht bevor, und ich sollte mal etwas anderes tun als auf mein Handy-Display zu starren. Der heutige zweite Tag ist leider schon mein Abreisetag. Aber ich bin mir sicher, dass ich bis zum Abschied heute Abend noch eine Menge tolle Dinge erleben werde. Ich werde berichten!

Kommentare

  1. Hi! Nochmal vielen lueben Dank für die Nudeln und auch für den schönen Bericht! War wieder sehr schön mit dir zu schnacken.

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    1. Guten Appetit! Wer wissen will, von welchen Nudeln die Rede ist, wird das bald in einem Artikel nachlesen können. Und ja, der Freitag Abend war sehr gemütlich! Vielleicht sieht man sich ja mal irgendwo im schönen Ruhrgebiet!

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  2. Vielen Dank für die tolle Berichterstattung! :)

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