Schelmgeflüster 012: RatCons, Herbarien und Machtschattenspiele

Preiset die Zwölfgötter, denn in ihrer Zahl erscheint diese Woche das neue, das zwölfte Schelmgeflüster. Diesmal erzählen wir über die wundersame RatCon-Vermehrung, über fast rein pflanzliche Publikationen, tote Elfinnen in literarischen Mooren, einer rietholzschen Flut von Aventuria-Neuheiten und über schattige Machtspiele. Viel Spaß dabei! 

Die Conventions

Wer schon im letzten Jahr meinen Blog verfolgt hat (oder den Jahresrückblick gelesen hat), wird wissen, dass 2019 für mich vor allem das Jahr der Cons war! Gleich sieben Conventions durfte ich besuchen, und damit alle persönlichen Rekorde brechen. Nun kann sich Ulisses natürlich nicht bieten lassen, dass es dieses Jahr wieder nur sieben Conventionbesuche werden, und so wurde prompt eine dritte RatCon angekündigt! Neben der alteingesessenen Veranstaltung in Limburg (die aus den gleichnamigen Cons in Ratingen, Dortmund und später Unna hervorging), und der im letzten Jahr erstmalig stattfindenden RatCon Berlin (in Kooperation mit der BerlinBrettspielCon),  wird es in diesem Jahr zusätzlich noch eine Veranstaltung für unsere eher südländischen DSA-Freunde geben: Die RatCon München wird bereits am 02. und 03. Mai in den Eisbach-Studios veranstaltet!



Die Freude in den sozialen Medien darüber war verständlicherweise bei allen DSA-Fans aus dem Süden der Republik groß - für mich hingegen stellt sich natürlich sofort die Frage, ob ich in diesem Jahr tatsächlich noch eine RatCon mitnehmen kann und möchte. Immerhin werde ich im Mai vermutlich weder Zeit noch Geld haben, da am 01. Mai offizielle Schlüsselübergabe für unser frisch erworbenes Eigenheim sein wird. Insofern sehe ich leider etwas schwarz was meine Teilnahme angeht. Aber man soll niemals nie sagen. Vielleicht findet sich ja noch ein Weg.

Als wäre mein Dilemma nicht schon groß genug, hat Ulisses bereits angekündigt, noch in dieser Woche eine weitere Veranstaltung bekanntzugeben. Eine vierte RatCon? Diesmal vielleicht in Norddeutschland? Oder wie früher im Ruhrgebiet? Ich bin sehr gespannt. Vor allem, ob sich eine Teilnahme für mich lohnen könnte. Warum müssen Freizeit und Geld bloß immer so knapp bemessen sein?

Immer näher rückt der diesjährige Kaiser-Raul-Konvent, der bereits in 5 Wochen seine Tore öffnet. Wer wie ich einen Platz im Ulmenkabinett ergattern konnte, hat heute bereits die Themen der angebotenen Abenteuer zugeschickt bekommen, und auch wenn ich vermutlich nichts verraten darf, kann ich zumindest sagen, dass es a) wahnsinnig viele Spielrunden geben wird, b) die Themen alle wahnsinnig spannend klingen, und ich c) schreckliche Schwierigkeiten habe, mich aus diesem tollen Angebot für eine oder zwei Spielrunden entscheiden zu können. Fest steht nur eins: Es wird mal wieder episch!

Das Aventurische Herbarium

Letzte Woche noch angekündigt, nun bereits erschienen und auf eine ausführliche Rezension wartend, ist das Aventurische Herbarium. Der erste Eindruck ist bei mir bisher sehr positiv: 64 Pflanzen werden auf ebenso vielen Seiten mit langen Stimmungstexten, ausführlichen Wertekästen und realistischen, wenn auch eher klein gehaltenen Illustrationen präsentiert. Dabei sind natürlich die üblichen Verdächtigen wie Wirselkraut, Kajubo, Rattenpilz oder Orkland-Bovist, aber auch zahlreiche Neuschöpfungen wie Blauschirmpilz, Eiterfarn, Fünffingerkraut, Jacopo-Kraut oder Wolchrauke werden vorgestellt. Ich muss gestehen, dass ich mich in der aventurischen Pflanzenwelt viel zu schlecht auskenne, um mir ein fundiertes Urteil über die Änderungen, Erweiterungen oder Neuerfindungen bilden zu können. Anhand der bisher überflogenen stichprobenartigen Texte gefällt mir das gesehene aber ähnlich gut wie das ähnlich aufgebaute Aventurische Pandämonium: Sowohl die Fluff-Texte als auch die Wertekästen geben jede Menge Ideen für eine Einbettung in eigene Abenteuer, und auch wenn Pflanzen vermutlich weniger Abenteuer-Aufhänger bieten als Dämonen dies tun, sollte doch eigentlich für jeden eine schöne Anregung dabei sein.



Was bei dem Band auffällt, ist dass die Pflanzen nur einen relativ geringen Teil des Buches ausmachen: So endet bereits nach 74 Seiten des 160 Seiten starken Bandes die Beschreibung der Pflanzen. Stattdessen folgen nun unzählige Rezepte für pflanzliche Gifte, alchemistische Elixiere, Rauschmittel oder Hilfsmittel. Insgesamt 65 Rezepte kommen so zusammen, die früher eher im Alchimie-Band zu suchen gewesen wären.

Ein vielbeworbenes Feature des Buches, in das insbesondere Band-Redakteurin Zoe Adamietz offenkundig viel Zeit und Liebe gesteckt hat, ist der alraunige Homunculus, ein kleines Wurzelmännchen, das als Vertrauter für Spielerhelden ins Spiel eingebaut werden kann. Eine witzige Idee, die sicherlich in manchen Gruppen für viel Spaß sorgen kann. In einschlägigen Kreisen wurde bereits der Ruf nach einem Homunculus-Plüschi laut, was aber in Anbetracht der wohl nicht sehr begehrten bisherigen DSA-Plüschis eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Wer schon immer wissen wollte, wo alle zuvor beschriebenen Pflanzen vorkommen und wie man sie findet, der darf sich ab Seite 100 auf eine spannende Reise kreuz und quer durch Aventurien freuen: In sehr ausführlichen Texten wird beschrieben, in welchen Regionen man primär auf welche Pflanzen treffen kann. Ausführliche Tabelle runden diese Übersicht ab. Es folgen Abschnitte über Haltbarmachung, Arzneien und Nebenwirkungen, Alchimie, Sucht, Sonderfertigkeiten, .... Sprich: Ein buntes Potpourri an spannenden Inhalten für alle, die gerne auf Kräutersuche gehen, Tränke einkaufen gehen oder sich im dunklen Alchimistenlabor einschließen.

Wem die Veröffentlichungsstrategie von DSA5 nicht zusagt, wird sich vom Herbarium mal wieder bestätigt sehen: Pflanzen, Alchimie, Suchtregeln, dämonische Kampfsonderfertigkeiten - nicht alles davon vermutet man automatisch in einem Herbarium, und so werde ich spätestens einem Monat nicht mehr wissen, in welchem Regelband denn nochmal die Regeln für Süchte zu finden sind. Aber sei's drum: Insgesamt wirkt der Band sehr durchdacht und auf den Einsatz am Spieltisch optimiert. Für jeden, der auch nur im entferntesten mit aventurischen Pflanzen in Kontakt kommt, dürfte es im Herbarium mehr als genug Stoff geben. Mir hat das Buch (wie man merkt) sehr gefallen, und ich hoffe es schon bald in einer Spielsituation einsetzen zu können.

Übrigens dürften DSA-Veteranen verwundert die Augen reiben, denn tatsächlich fehlt im Herbarium die klassische vierblättrige Einbeere. Doch keine Sorge: Das Aventurische Herbarium 2 ist bereits in der Mache, so mancher Text schon fertiggestellt, und Redakteurin Zoe ist bereits fleißig am korrigieren (wie ich soeben aus zuverlässiger Quelle erfahren habe). Insofern steht einer baldigen Veröffentlichung des zweiten Bandes hoffentlich nichts im Wege!

Die Elfe vom Veitner Moor

Sehr gefreut habe ich mich, als letzte Woche überraschend das frisch erschienene neue Buch aus der bei FanPro bzw. im Blitz-Verlag erscheinenden DSA-Reihe bei mir eintrudelte. Die Elfe vom Veitner Moor ist ein Kriminal-Roman, der in und um Abilacht spielt, wo die widerwillige Obristin Ayla dem mutmaßlichen Mord an einer unbekannten Elfe nachgehen muss, Das Buch der Roman-Debütantin (aber erfahrenen Autorin von Kurzgeschichten) Katja Angenend kommt mit einem, wie ich finde, sehr schönen Cover daher, und auch Prämisse und Schreibstil gefallen mir bisher recht gut. Ich werde berichten, wenn ich mit dem Band durch bin.



Wer Lust bekommen hat, selbst hinter das Geheimnis der toten Elfe zu kommen, hat noch bis zum 15. Februar die Chance, ein Exemplar in unserem Gewinnspiel zu gewinnen.

Die neuen Aventuria-Neuheiten

Moment mal! Hatte ich nicht schon letzte Woche über neue Aventuria-Produkte berichtet? Es kann doch nur ein Versehen sein, dass neben den bisher angekündigten drei Neuheiten noch weitere Mini-Boxen auf den Markt geworfen werden, oder?

Nein, keineswegs: Tatsächlich konnte auf dem Facebook-Account von Das Schwarze Auge schon die neue Erweiterung Kommando Rietholz, die eine Team-Herausforderung im Kampf gegen Kapitän Rietholz und seine Dämonenarche bietet. Da ich schon auf dem letzten KRK das Vergnügen hatte, den epischen Kampf probezuspielen, kann ich sagen, dass der Kampf tatsächlich sehr fordernd und anders als andere Aventuria-Kämpfe ausfällt. Dass ich mich damals nicht sonderlich geschickt anstellte, meine Angriffstruppe dank Regelunkenntnis und falschen Kartendecks ziemlich platt gemacht wurden und wir nur durch die Kampfkraft des Grolms gerettet wurden, soll hier mal geflissentlich unerwähnt bleiben!



Brandneu ist ebenfalls das Schatzjäger-Heldenset, das neben dem Festumer Entdecker "Meridiana" Bornski das Abenteuer Perlenräuber beinhaltet, bei die Helden es im Auftrag einer al'anfanischen Grandessa gegen eine Horde perlenraubender Untoter aufnehmen müssen.



Wie immer gilt auch hier: Vermutlich werde ich all die Erweiterungen und Abenteuer niemals spielen können - aber allein von den Themen und der Aufmachung der vergleichsweise kleinen Kartensets bin ich schon extrem angetan, und werde vermutlich den ein oder anderen Euro in Richtung des nächste Woche anstehenden Crowdfundings rollen lassen.

Der Spielbericht zu Schatten der Macht

Letzte Woche ist es tatsächlich passiert: Es gelang mir, durch geschicktes Früherkommen und Überrumpeln der Mitspieler das Brettspiel Schatten der Macht endlich probezuspielen, das seit dem Abschluss des Crowdfundings im letzten Jahr im viel zu vollen Spieleregal vor sich hinstaubte.



Wir haben uns natürlich am Einstiegsszenario entlanggehangelt, dass nach und nach in jeder Runde neue Regelelemente auf vergleichsweise schonenden Art ins Spiel gebracht hat. So fiel es, trotz der zahlreichen Handlungsmöglichkeiten, ziemlich leicht, sich in das umfangreiche Spiel einzuarbeiten. Was eher negativ auffiel, war die hohe Spieldauer: Nach über zwei Stunden mussten wir das Probespiel aus Zeitgründen vor der letzten Spielrunde abbrechen. Ich bin sicher, dass es bei erfahrenen Spielern problemlos machbar ist, das Spiel in der kurzen Variante in etwas mehr als einer Stunde über die Bühne zu bringen. Wer sich aber erst einarbeiten muss, sollte deutlich mehr Zeit mitbringen.

Mir persönlich hat das Spiel (da ich ja bekanntlich total unkritisch bin) sehr gut gefallen: Die Einbettung in die aventurische Spielwelt fühlte sich sehr gut an, die Handlungsmöglichkeiten wirkten logisch und nach der ersten Runde leicht erlernbar. Die auf den ersten Blick eher simpel wirkenden Kämpfe stellten sich bei komplexeren Konstellationen als erstaunlich vielschichtig heraus (soll ich Maraskan nochfreiziehen, um mir Aranien zu sichern, oder mich lieber zurückziehen, damit die Borbaradianer nicht das Missionsziel eine Insel zu erobern erhalten?).

Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass das Spiel sicherlich nicht für jeden etwas ist: Insgesamt wirkt es aufgrund der vergleichsweise seltenen Kämpfe und komplexeren Entscheidungen deutlich weniger leichtgängig als das auf den ersten Blick ähnlich wirkende Risiko. Auch besteht die Gefahr, dass sich mehrere Spieler gegen einen Mitspieler verbünden und diesem so keine Chance zu lassen. Auch kann das Spiel mit grüblerisch veranlagten Spielern zu einer echten Hängepartie werden, da sehr viele Zugmöglichkeiten abgewogen werden wollen.



Wer aber bereits ist, sich in die auf den ersten Blick umfangreiche, auf den zweiten Blick aber recht logische Spielanleitung einzuarbeiten, und dem Spiel eine oder zwei Kennenlernrunden gönnt, wird als Fan von Strategiespielen mit Aventurienbezug voll auf seine Kosten kommen. Mir persönlich hat Schatten der Macht viel Freude bereitet (muss ich erwähnen, dass ich total souverän gewonnen habe?), und ich bin jederzeit für eine weitere Partie zu haben!

Der Spielbericht zu Der Ruf der Bahalyr

Letzten Donnerstag haben wir es - zum dritten Mal in Folge - tatsächlich geschafft, schon wieder an der Sternenträger-Kampagne weiterzuspielen. Dank des kontintaldriftartigen Tempos unseres Meisters (also mir) treibt sich unsere Heldentruppe noch immer in Thunata und dem angrenzenden Hillhaus herum, um Hinweise auf den lange totgeglaubten Thantor zu erhalten. Schön an dieser Sitzung war, dass wir wunderbar das klassische DSA2-Abenteuer Elfenblut besuchen durften, dessen Abenteuerhandlung sich wunderbar in das neue Abenteuer integrieren lässt. Auch wenn wir der Bahalyr nicht sonderlich viel näher gekommen sind, fand ich die Atmosphäre und das Rätseln um den mysteriösen Thantor sehr schön, und freue mich auf die morgige Fortsetzung des Abenteuers.



Nebenbei sei noch erwähnt, dass besagter Donnerstag, der 30. Januar, gleichzeitig auch der 23. Todestag des DSA-Mitbegründers Ulrich Kiesow war, und ich sehr froh war, diesen Tag im Sinne Ullis mit Rollenspiel verbringen zu können. Leider habe ich es dieses Jahr nicht an das Grab in Erkrath geschafft, um Ulli einen Schelmenwürfel auf's Grab zu legen - aber vergessen habe ich Ulli wenigstens auch nicht.

Bestimmt habe ich nun noch viele Themen vergessen, und zum wiederholten Male bin ich erstaunt, wie viele DSA-bezogene Dinge in einer kurzen Alltagswoche an uns vorbeirauschen können. Daher hoffe ich, dass Ihr alle die letzte Woche gesund und munter genießen konnte, und auch Gelegenheit gefunden habt, den einen oder anderen W20 rollen zu lassen. Ich hoffe Euch nächste Woche im namenlosen dreizehnten Schelmgeflüster wiederzusehen!

Kommentare

  1. Das Aventurische Bestiarium 2 --> Herbarium ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Verdammt, ich dachte ich hätte diesmal alle falschen -arien erwischt. Natürlich habe ich aus dem letzten Herbarium dann doch noch ein Bestiarium gemacht. Danke! Ist korrigiert. Grrr!

      Löschen
  2. Danke für deine Erwähnung meines Romanes, Kai! :)
    Auch doll gefreut habe ich mich über die zwei Links und deine bisherige Meinung. Ich bin schon auf deine Rezi gespannt. Wenn du noch Fragen oder so hast - meine Kontaktdaten hast du offensichtlich schon gefunden ;)

    Viel Spaß beim Lesen,
    Katja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Katja,

      cool dass Du hier mitliest! Ja, ich hätte schon gerne eine Rezension zur Elfe verfasst, aber wer hier regelmäßig mitliest, weiß dass ich a) nie Zeit zum Lesen und b) nie Zeit zum Rezensieren finde, seitdem zwei Kinder mich auf Trapp halten. Aber die wenigen Seiten, die ich pro Woche zu lesen schaffe, gefallen mir ausgesprochen gut. Ein schöner, direkter Schreibstil, sympathische Charaktere und eine interessante Ausgangssituation haben mich sofort abgeholt.

      Von daher: Hab Geduld mit mir, ich versuche mein Bestes das Buch noch in diesem Jahrtausend zu lesen und zu rezensieren. Denn ich finde es toll, dass die DSA-Romane weitergeführt werden - sei es bei FanPro oder bei Ulisses. Man kann nie genug DSA-Romane haben! Selbst wenn einem die Zeit zum Lesen fehlt!

      Und natürlich: Herzlichen Glückwunsch zum ersten kompletten Roman! Ich wünsche Dir tolle Verkaufszahlen (in jedem Fall bessere als die sehr bescheidenen von Da'Jin'Zat) und freue mich auf weitere Werke!

      Löschen
  3. Lieber Kai,

    danke für die Glückwünsche! Ob noch weitere Bände aus meiner Feder folgen, hängt auch davon ab, wie die Elfe jetzt so läuft ...

    Und das mit der Zeit geht uns allen so - also nur keinen Stress :) Papier ist ja bekanntlich geduldig ;)
    Ich wiederum finde es bewundernswert, einen Blog in der eigenen Freizeit so regelmäßig zu bestücken und freue mich meinerseits über Hinweise oder Anmerkungen aus der weiten DSA-Welt, die ich sonst vielleicht übersehen hätte.

    Herzliche Grüße,
    Katja

    AntwortenLöschen

Kommentar posten