Interview mit Katja Angenent: Die Autorin vom Veitner Moor

Eben noch am Tatort im Veitner Moor, jetzt schon am virtuellen Interview-Tisch: Der Schelm hat sich passend zur frisch erschienenen Rezension des Romans "Die Elfe vom Veitner Moor" die Autorin Katja Angenent geschnappt und über den Roman ausgefragt. Lest hier, warum ein grüner Klecks auf der Landkarte zu einem Moor wurde, welche Vorgeschichte hinter den Protagonisten steckt, und wie der Roman zu seinem Verlag kam.
Auch in Zeiten von herum-marodierenden Coronaviren und Zwangs-Homeoffice-Kinderbetreuungs-Isolations-Marathons wollte der Schelm seine heiß geliebten Interviewreihe nicht vollkommen brach liegen lassen. Und so darf er heute freudig das neueste Ergebnis der virtuellen Autoren-Plauderstunde präsentieren. Katja Angenent heißt die derartig Befragte, ist u.a. Autorin und Dozentin für kreatives Schreiben, und hat im Februar (wir erinnern uns: Damals, vor der heißen Corona-Phase!) ihren ersten vollständigen Roman veröffentlicht, der auf den schönen Namen Die Elfe vom Veitner Moor hört. Was der Schelm von diesem neuesten Zuwachs des riesigen DSA-Literatur-Berges hält, könnt Ihr in der passenden Rezension nachlesen (Spoiler: Viel!). Wie es zur Entstehung des Werkes kam, und wer die Frau hinter den Zeilen ist, erfahrt Ihr hier.

Wer mag wohl hinter diesem Buch stecken?

Das Interview

Hallo Katja! Vielen Dank, dass Du Dir so bereitwillig Zeit für ein Interview genommen und so lange gewartet hast, bis ich endlich Zeit zum Fertiglesen des Romans gefunden habe. Da "Die Elfe vom Veitner Moor" Dein Debütroman ist, sind wohl erstmal ein paar einleitende Worte zu Deiner Person angebracht: Wer ist diese Katja Angenent, wo kommt sie her und wann hat sie zum ersten Mal zur Schreibfeder gegriffen?
Tja, wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine sehr gute Frage, die sich standardmäßig so beantworten ließe: Ich bin eine Autorin aus Münster, aufgewachsen im Ruhrgebiet, wo ich mich auch heute noch sehr gerne aufhalte. Mittlerweile bin ich älter als früher und habe mich vor einigen Jahren als freie Journalistin, Autorin und Dozentin für Kreatives Schreiben selbstständig gemacht. Davor habe ich lange Jahre als Redakteurin in den verschiedensten Zusammenhängen gearbeitet und zum Beispiel die Redaktion der Mittelalterzeitschrift Miroque geleitet, woher mein Name dem einen oder der anderen vielleicht noch bekannt vorkommt. Das ist aber mittlerweile auch schon richtig lange her ...

Auch wenn dies Dein erster Roman ist, bist Du doch schon lange schriftstellerisch tätig: Du arbeitest als Dozentin für kreatives Schreiben, bist Mitglied der münsterschen Autorengruppe Sem;kolon und hast 2018 Deinen ersten Kurzgeschichten-Band Die alte Freundin Dunkelheit beim Berliner Verlag edition subkultur herausgebracht. Nebenbei schreibst Du für Alles Münster, für NRW Alternativ, für T-Arts… Wie schafft man es bei all diesen Aktivitäten noch "nebenbei" einen 316-seitigen Roman zu schreiben?
Schreiben ist eine Frage der Prioritätensetzung. Wenn ich an einem Roman schreibe, müssen andere Dinge schon mal zurückstehen, sonst klappt das nicht. Gerade bei einem Roman, aber auch beim Schreiben generell gilt: Ich muss es tun. Es mir nur vorzunehmen reicht nicht. Dafür brauche ich Zeit neben den ganzen anderen Jobs, denn die eigentliche Schreibzeit vergütet mir ja keiner, auch wenn ich hinterher vielleicht ein bißchen Geld für das Ergebnis bekomme. Das ist auch ein Tipp, den ich in Schreibkursen immer wieder gerne gebe: Einfach anfangen. Schreiben lernt man nur durch schreiben. Und ja, dafür darf man dann auch schon mal darauf verzichten, abends seine Lieblingsserie zu schauen oder sich mit Freunden zum Bierchen zu treffen, sonst wird das nämlich nie was. Hat bei mir übrigens auch Jahre gedauert, bis ich das gecheckt habe.

Die stolze Autorin mit ihrem Werk

Du und Dein Mann, Ihr seid beide aktive DSA-Spieler. Wann hast Du das erste mal zu Heldendokument und W20 gegriffen, und wie oft und wo kann man Dich heute in Dere antreffen?
Wieder so eine gute Frage! Lass mich nachdenken: Ich weiß, dass ich ungefähr seit der Oberstufe Rollenspiele spiele, also seit rund 20 Jahren, aber ich kann dir nicht mehr sagen, ob das damals DSA oder ein anderes High-Fantasy-System war. Gehookt wurde ich übrigens durch die Soloabenteuer, die ich als Leseratte irgendwann in der Bücherei fand. Jemand erzählte mir dann, dass man diese Abenteuer auch mit anderen zusammen am Spieltisch erleben könnte, und ich war sofort Feuer und Flamme. Ich dachte mir: Das muss wundervoll sein! Es dauerte aber noch ein paar Jährchen, bis ich dann auch tatsächlich Leute fand, die da schon Erfahrung in dieser Art von Spiel hatten und tatsächlich auch mit mir spielten. Das war ja in der Steinzeit respektive den Anfangstagen des Internets, da ging das mit der Spielersuche nicht so einfach wie heute. 

Heute spielen wir etwa alle zwei Wochen und befinden uns aktuell in der Borbaradkampagne auf halber Strecke. Außerdem haben wir noch eine DSA 5-Runde, die sich unregelmäßig trifft.

Auch wenn Du bereits im Anhang des Romans und in einem Werkstatt-Artikel beim Blitz-Verlag recht ausführlich über die Entstehung des Romans berichtet hast, so kann es ja nicht schaden die schöne Geschichte ein drittes Mal zu erzählen: Wie kamst Du auf die Grundidee des Romans, und wie ist sie im Laufe der Entwicklung gewachsen?
Vor vielen Jahren ging ich mit meinem Mann in einem kleinen Naturschutzgebiet bei Münster spazieren. Nebel zog auf, bunte Blätter lagen auf den Wegen. Außer uns war niemand unterwegs. Ich so: "Das ist genau die richtige Atmosphäre für einen Krimi. Da drüben, im Wasser, da könnte eine Leiche liegen. Der Titel könnte lauten: "Die Tote vom Venner Moor."" Aber mein Mann, ein phantasievoller Mensch und Freund von allen möglichen Geschichten, schüttelte den Kopf. "Das gab es doch schon hundertmal", erwiderte er. Ich musste schließlich zugeben, dass er recht hatte und ein solcher Titel noch nicht mal das Texterteam vom Sonntagabend-Tatort umgehauen hätte. Dennoch war ich von der Atmosphäre, die uns umgab, so angetan, dass ich es plötzlich für eine gute Idee hielt, einen Kriminalroman zu schreiben. Gerne einen klassischen, im Stil von biederen Fernsehkrimis. "Mach doch was Neues draus", schlug mein Mann nach einer Weile vor. Weil wir am Abend zuvor wie so oft mit Freunden eine Runde Das Schwarze Auge gespielt hatten, überlegte ich nicht lange. "Okay ... Dann also: "Die tote Elfe vom Venner Moor."" Das gefiel ihm schon besser. Wir sponnen noch eine Weile herum, wie wir ein öffentlich-rechtliches Tatort-Drama nach Aventurien verlegen würden, und dabei gab ein Wort das andere.

Das Venner Moor, Inspiration und Vorbild für das aventurische Veitner Moor (Quelle: Wikipedia)

Für die eigentliche Geschichte stellten wir uns die klassische Frage des was wäre wenn: Was wäre, wenn klassische DSA-Helden in einem Abenteuer einmal auf totaler Linie scheiterten? Wenn sie beim Versuch sterben würden, schlimme Dinge zu verhindern? Die Bösewichte würden sicher weiter an ihren schurkischen Plänen arbeiten und sie schließlich umsetzen. Die Spuren des Scheiterns, wie zum Beispiel die Leichen der toten Helden, wären jedoch vorhanden und könnten wiederum von anderen Helden entdeckt werden ... Das war der Ausgangspunkt für das Verbrechen in "Die Elfe vom Veitner Moor". Vom Solo-Abenteuer Die Schwarze Eiche haben wir uns übrigens zu dem Element mit der Ork-Verschwörung auf einer Burg inspirieren lassen. 

Die Idee, den bekannten Sonntags-Tatort nach Aventurien zu verlegen, klingt erstmal ziemlich innovativ. Andererseits gibt es bereits zahlreiche DSA-Romane mit Krimi-Charakter (mir fallen da spontan Das Gesicht am Fenster, Mörderlied oder die beiden Teile von Khunchomer Pfeffer ein). Was würdest Du sagen was das Besondere an Die Elfe vom Veitner Moor ist?
Genau, Krimiplots sind in Fantasyromanen generell häufig anzutreffen. Ich finde ja, dass das auch wunderbar zusammenpasst und freue mich immer, wenn ich gute Fantasy-Krimis lesen darf. "Die Elfe vom Veitner Moor" ist für mich etwas besonderes, weil es in dem Buch eigentlich nicht nur um den Krimiplot geht, sondern um die Entwicklung der Protagonistin. Dazu kommt die melancholische Atmosphäre in Albernia.

Ist das jetzt das Veitner oder das Venner Moor?

Die Elfe Saliniome war ursprünglich ein DSA-Charakter von Dir. Offenbar hat sie, bevor sie mit Ayla auf Verbrecherjagd zieht, schon viel erlebt und scheint einigermaßen traumatisiert. Kannst Du uns etwas aus ihrem Heldenleben erzählen? Und verraten, wie sie dazu kam bei den Bauersleuten zu leben? Warum zieht sie ihr Bein nach? Und wird ihre Geschichte noch weitergehen?
Also, ich weiß ja, dass Internetseiten generell unendlich viel Platz bieten. Aber wenn ich jetzt detailliert auf Saliniomes Hintergrund eingehe, sprengt das definitiv den Rahmen dieses ohnehin schon echt langen Interviews :) Warum sie bei den Bauersleuten lebt und ihr Bein nachzieht, wird auch im Roman erklärt, und zwar in der Szene, in der sie abends mit Ayla in der Schankstube sitzt und redet. Da heult sich nicht nur Ayla, sondern auch Saliniome aus. Und ja, sie macht auch da nicht viele Worte ;)

Als Elfe ist Saliniome schon was älter und hat entsprechend viel erlebt. Sie ist unter anderem viele Jahre mit einer Heldengruppe umhergezogen. Ersten Kontakt zu Menschen und zum Abenteurerdasein bekam sie durch eine Halbelfe, mit der sie zuvor durch die Lande gezogen war. Zu der Truppe gesellten sich ab und an noch weitere (Halb-)Elfen, mit denen sie eine sehr innige Freundschaft verband. Sie kuschelt sich im Roman unter anderem deshalb so schnell an Ayla, weil sie das von ihren damaligen Reisegefährten auch so gewohnt ist. Und genau diese innigen Reisegefährten sind dann in einer Schlacht getötet worden, was Saliniome verletzt, traumatisiert und einsam zurückgelassen hat. Die Elfe ist nach diesem einschneidenden Ereignis eine ganze Weile ziellos auf Aventurien umhergeirrt. Die Bauern aus dem Roman haben sie irgendwann gefunden und gepflegt, und sie hat versucht, ihnen im Gegenzug so viel wie möglich zu helfen. Tja, und dann hat sie nachts den Reiter auf dem Weg ins Moor beobachtet … 

Am Ende des recht provinziell beginnenden Buchs (Achtung: leichte Spoiler!) wird eindrucksvoll die Epik-Keule geschwungen: Eine sinistere Verschwörung mit einem spannenden Endkampf, bei dem potentiell das Schicksal Albernias auf dem Spiel steht, erwartet unsere Protagonistinnen. Die Hintermänner und ihre Motive werden aber nur angedeutet. Gibt es ausgearbeitete Hintergrundgeschichten für die Bösewichte, oder hast Du sie bewusst offen und vage angelegt?  Wird man ihnen in einem späteren Werk vielleicht noch einmal wieder begegnen?
Ja, natürlich steckt noch mehr hinter der Geschichte. Da aber Ayla und Saliniome die Gesamtheit der Verschwörung auch nur noch von Dritten erzählt bekommen, und ich die Geschichte ja aus ihrer Sicht schildere, gehe ich im Buch nicht noch näher darauf ein. Es wäre natürlich möglich, da noch mehr zu erzählen. Nehmen wir zum Beispiel die Vorgeschichte, in dem eine Abenteuergruppe die Verschwörung entdeckt, aber ihrerseits auffliegt. Alle werden getötet, nur die Elfe kann fliehen. Erst fühlt sie sich sicher der Burg entkommen, aber dann muss sie feststellen, dass sie verfolgt wird … da wäre schon Stoff für ein Drama drin :)

Als das Buch ziemlich überraschend angekündigt wurde, haben viele DSA-Kenner verwirrt im Wiki Aventurica oder in alten Albernia-Spielhilfen gesucht. Aber vergeblich: Das Veitner Moor ist Deine Erfindung und taucht bisher in keiner anderen Publikation auf. Ist es schwer sich im engen Korsett der hohen Beschreibungsdichte des aventurischen Kontinents kreativ zu bewegen, oder empfindest Du die zahlreichen Vorgaben als befreiend? Welche Hintergrund-Texte hast Du als Referenz verwendet?
Die Quellenbände "Am großen Fluss" für DSA 4 und "Die Siebenwindküste" für DSA 5 waren mir eine große Hilfe bei der Ausarbeitung des Settings. Ich habe für Kleinigkeiten darüber hinaus auch immer wieder im Wiki Aventurica nachgeschaut und es sehr zu schätzen gelernt. Vielen Dank an all die fleißigen Spielerinnen und Spieler, die da so unermüdlich Wissen zusammentragen!

Ich hätte für meine Geschichte sehr gerne ein offizielles Moor verwendet, aber gerade die kleineren Moore um Abilacht sind auf den Karten der Region nicht namentlich eingezeichnet. Und ich fand es beim Schreiben sehr unbefriedigend, einfach nur von "einem Moor" zu reden, gerade weil es da ja verschiedene gibt. Die Einheimischen würde wohl kaum sagen: "Ich gehe jetzt mal ins Moor, das nordöstlich von Abilacht liegt." Diese Orte haben Namen! Ich sah keine andere Möglichkeit, als die, mir selbst eine Bezeichnung auszudenken. Ich habe auch im Vorfeld schon vermutet, dass das Fragen aufwerfen wird. 

Dein Buch ist nicht in der offiziellen Ulisses-Romanreihe erschienen, sondern stattdessen in der 2018 wiederbelebten Fanpro-Buchreihe, die keinen Anspruch auf Kanonizität erhebt. Wie bist Du auf diesen Verlag gekommen? Hast Du auch versucht, das Buch bei Ulisses zu pitchen?
Ja, das war ungefähr der Weg. Auf einer Con habe ich Markus Plötz einfach mal gefragt, was ich mit einem DSA-Romanmanuskript tun solle, das bei mir in der Schublade liege. Daraufhin hat er mich gefragt, ob es an die offizielle aktuelle DSA-Geschichtsschreibung anknüpfe - dann wäre es interessant für Ulisses - oder ob, Zitat: "unwichtige Leute unwichtige Dinge tun", was ich bejahte. Er meinte, dann würde Werner Fuchs sich sehr über das Manuskript freuen. Eine Internetrecherche später hatte der das Exposé und eine Leseprobe im E-Mail-Postfach. Das lief also ganz klassisch. 
Wenn Rocket Books das Buch nicht genommen hätte, wäre ja auch immer noch der Weg ins Skriptorium offen gewesen. Oder ich hätte es umschreiben können, weg von DSA, und es bei anderen Fantasy-Verlagen einreichen können.

Die tote Elfe mit dem Titelbild von Tristan Denecke

Wie läuft die Entstehung eines DSA-Romans ab? Wie viel Aufwand ist in Lektorat, Redaktion, Illustration geflossen? Wie lange hat es vom ersten niedergeschriebenen Wort bis zum epischen Unboxing des fertigen Buches gedauert? Hattest Du zwischendurch die Angst, dass das Buch gar nicht mehr erscheinen würde?
Wow, du hast das (epische? wirklich? :)) Video gesehen und meinen Kommentaren zugehört. Du bist wirklich ein aufmerksamer Schelm! ;) Das Buch wurde vom Verlag lektoriert und korrigiert und abschließend noch mal von einer langjährigen DSA-Autorin auf Konsistenz geprüft. Der Aufwand war also schon nicht unerheblich. Und auch das Cover wurde eigens für den Roman angefertigt. Und ja, ursprünglich war die Veröffentlichung von "Die Elfe vom Veitner Moor" für den Sommer 2019 geplant, musste dann aber immer wieder verschoben werden. Nach dem vierten neuen Termin wird man dann als Autorin doch auch ein wenig nervös … Ich weiß aber von anderen Autorinnen und Autoren, dass das ganz normal ist und ständig passiert. Wer Bücher veröffentlichen möchte, braucht nicht nur in dieser Hinsicht ein dickes Fell ;)



Bei der 35-Jahre-DSA-Feier auf der letztjährigen Spielemesse in Essen erzählte Werner Fuchs, dass die Verkaufszahlen des ersten Romans Da’Jin’Zat eher ernüchternd ausfielen. Wie zufrieden sind Verlage und Autorin bisher mit dem Absatz der Elfe? Siehst Du als Zielgruppe eher eingefleischte DSA-Fans oder rollenspielerisch unbedarfte Krimileser? Bist Du der Elfe schon einmal auf dem Verkaufstisch einer Buchhandlung begegnet?
Da ich durch Corona gerade nicht viel rauskomme, hatte ich noch nicht das Vergnügen, meinem Buch in einer Buchhandlung zu begegnen. Mir haben aber Leute erzählt, dass es in kleineren Spezialbuchhandlungen durchaus ausliegt, und darüber freue ich mich sehr. Die Nachfrage nach "Die Elfe vom Veitner Moor" ist gut, soweit ich weiß, wesentlich besser als bei "Da’Jin’Zat". Ich habe gehört, dass das Interesse an der Elfe dazu geführt hat, dass von "Da’Jin’Zat" jetzt auch noch mal ein ordentlicher Stapel bestellt wurde. Das ist natürlich super und bestätigt, dass das Konzept einer Reihe durchaus aufgeht. Dabei reden wir wohlgemerkt von Mini-Auflagen eines Mini-Verlages. Wir, das Verlagsteam und ich, freuen uns über jedes verkaufte Buch. Anhaltendes Interesse stellt auch sicher, dass weitere Bände der Reihe gedruckt werden. Wer die Vielfalt der DSA-Welt unterstützen möchte, der darf diese Bücher sehr, sehr gerne kaufen. Er hilft damit unabhängigen Verlagen, aufstrebenden Nachwuchsautoren und einer Branche voller Solo-Selbstständigen, die aus Liebe zum Wort viel von ihrer Freizeit opfern. Werner Fuchs und sein Team sind da ein tolles Beispiel. Aber auch die Menschen, die bei Ulisses arbeiten, werden mit Sicherheit nicht reich von dem, was sie tun, auch wenn ein erfolgreiches Crowdfunding schon mal dazu führt, bestehende Pläne sicher fortführen zu können. Geld ist immer noch die schönste Form eines Kompliments. Denn sie führt dazu, dass wir alle am Ende unsere Mieten und Ausgaben zahlen können - und das ist in der Branche wirklich nicht selbstverständlich. 

Zu der Frage der Zielgruppe: Da habe ich mir beim Schreiben weniger Gedanken zu gemacht. Eigentlich ging es ja erstmal nur darum, meinem Mann eine unterhaltsame Geschichte zu kredenzen. Aber es sollte von Anfang an ein vollständiger und inhaltlich richtiger DSA-Roman werden. Für alle, die die DSA-Welt (noch) nicht kennen, eignet sich der Roman aber auch, denn der Hintergrund baut ja nicht wie in einer epischen Kampagne auf jahrelang angesammeltem DSA-Hintergrundwissen auf. Ich bezeichne den Roman durchaus als Fantasykrimi, sehe seine Stärke aber, wie oben schon erwähnt, eher in der Charakterentwicklung und der damit verbundenen Stimmung. Die von dir erwähnten "rollenspielerisch unbedarften Krimileser" haben mit am meisten Spaß daran, weil sie neben der Handlung noch eine ganz neue Welt entdecken - das sagen zumindest viele der Rückmeldungen, die ich erhalte. Und wenn Werke wie meines dazu führen, DSA als Ganzes noch bekannter zu machen, dann freut mich das natürlich sehr. Es ist eine so schöne, vielfältige Welt! 

Seitdem Du Anfang Februar stolz die ersten Exemplare des druckfrischen Buches auspacken durftest, hat sich unsere Welt plötzlich auf radikale Weise geändert: Plötzlich sitzen viele von uns eingesperrt zu Hause und müssen uns in einem völlig umgekrempelten Alltag zurechtfinden. Für Dich als Dozentin fallen damit plötzlich viele Seminare und Lesungen weg. Wie kommst Du mit den Veränderungen klar, und wie sieht Dein Alltag in Corona-Zeiten aus? Hast Du Angst um die Literatur- und Kulturszene?
Die Coronakrise ist für uns Autorinnen und Autoren ein echtes Desaster: Lesungen finden nicht mehr statt, Werbung auf Cons, Messen und Veranstaltungen entfällt, Neuerscheinungen werden auf das nächste Jahr verschoben. Und das zieht ja einen Rattenschwanz hinter sich her: Schon jetzt nehmen Verlage teilweise keine Titel mehr ins Programm für 2021 auf, weil das mit den verschobenen Titeln von diesem Frühjahr schon voll ist. Aber wer jetzt nichts veröffentlicht, das gilt für Autoren und Verlage, der kann auch nichts verdienen. Natürlich bin ich angesichts dieser Lage verunsichert. aber Angst habe ich nicht. 

Ja, du hast recht, ich weiß auch sechs Wochen nach Einführung der Corona-Beschränkungen nicht, wie es mit meinen Seminaren, Lesungen und Kursen - meiner Haupt-Einnahmequelle - weitergeht, ja, ob es in diesem oder nächstem Jahr überhaupt weitergeht. Das ist natürlich nicht einfach. Aber das geht ganz, ganz vielen gerade so, nicht nur selbstständigen Autorinnen und Künstlerinnen, sondern auch Beschäftigten in der Gastronomie, Event-Managern und Messebauern, um nur mal einige Beispiele zu nennen. 

Ich werde sehen, was die Zukunft bringt und mich dann neu positionieren. Natürlich hoffe ich, möglichst schnell mit dem weitermachen zu können, was ich liebe: Dem Schreiben und dem Unterrichten. 

Wenn alle Stricke reissen, muss ich mir wohl einen neuen Job suchen. Aber auch hier: Das müssen gerade ganz, ganz viele Menschen. Wir sind nicht alleine mit dem Problem. Der Staat hat schon sehr umfangreich reagiert und wird auch weiterhin reagieren. Wohin jeden einzelnen die Krise führt, kann heute noch niemand sagen. Was bleibt uns also, außer abzuwarten? Keep calm and carry on, würden die Engländer sagen.



Nehmen wir an, morgen stünde ein Produzent des ARD-Tatorts mit einem Koffer voll Geld vor Deiner Tür, um einen eigenen "Tatort Abilacht" mit dem Ermittler-Duo Ayla saba Nasreddin und Saliniome Morgenröte in Auftrag zu geben. Würde so etwas in Deinen Augen im deutschen Fernsehen funktionieren? Wen würdest Du in den Hauptrollen sehen? Hättest Du Ideen für weitere Fälle der beiden? Oder für andere Schauplätze und Hauptcharaktere?
Was ist das denn für eine super Frage, bitte?! Ich bin gerade echt baff, dass du dir so viele Gedanken um meinen Roman machst, die mir selbst nie in den Sinn kämen …

Und jetzt muss ich mich outen: Den letzten Tatort habe ich vielleicht vor zehn Jahren geschaut, Fernsehen gucke ich so gut wie gar nicht. Bei der Frage nach Schauspielern und Schauplätzen muss ich also leider passen. Auch, ob das im deutschen Fernsehen funktionieren würde, weiß ich nicht. Vermutlich müsste man es sehr umschreiben, so Rosamunde-Pilcher-like ... Aber die Idee finde ich super! Das würde endlich mal ein bißchen Wind in die angestaubten Fernsehformate bringen. Mehr Fantasy im Abendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen - ja bitte! Dann würde ich auch wieder Fernsehen gucken!

Und ich bin übrigens auch Schauspielerin. Ich würde zumindest versuchen, mich ins Casting für die Hauptrolle zu schmuggeln ;)

Die Autorin über neue Geschichten sinnierend

Hast Du für all die unsicheren Autoren da draußen, die von einem eigenen Roman träumen, ein paar Tipps, wie es mit dem Schreiben und Veröffentlichen eines eigenen Buches klappen könnte?
Oh ja. Tonnenweise!

Aber auch hier wieder der Hinweis, dass ich dieses ohnehin schon lange Interview wirklich nicht auf zwei Stunden Lesezeit ausdehnen möchte. Von meiner Dozentinnentätigkeit her weiß ich: Die Geschichten der Autorinnen und Autoren da draußen sind so vielfältig wie ihre Lebenserfahrungen, Genre-Vorlieben und Schreibstile. Da pauschale Empfehlungen zu geben, ist schwierig. Mir persönlich hat es sehr geholfen, entsprechende Ratgeber zu lesen (eine erste Übersicht findet man zum Beispiel auf meiner Webseite), Kurse zu besuchen (gibt es zum Beispiel von Literaturbüros, über die lokale VHS oder von netten Selbstständigen wie mir) und mich mit anderen Schreibenden auszutauschen - zuerst in einem Internet-Forum, später auch persönlich über Schreibgruppen und Autorenstammtische. Wie ich oben schon schrieb: Schreiben ist eine Frage des Tuns. Wer ein Buch geschrieben und überarbeitet hat, der kann es auch veröffentlichen. Aber das sind zwei völlig unterschiedliche Schritte. 

Nun da Dein Debütroman erschienen und insgesamt durchaus positiv aufgenommen wurde, gibt es sicherlich so manchen Leser da draußen, der sich schon auf den nächsten Roman von Katja Angenent freut. Wird es wieder dazu kommen, oder wird die Elfe ein einmaliges Herzensprojekt bleiben? Wird es uns literarisch wieder nach Aventurien verschlagen, oder zieht es Dich mehr in irdische Gegenden und Zeitalter?
Noch eine sehr gute Frage ... Aktuell kann ich aufgrund von Corona leider wirklich nicht viel dazu sagen. Fest steht jedenfalls noch nichts, obwohl ich natürlich noch jede Menge Geschichten in der Schublade liegen habe … Positiv ausgedrückt: Alles ist möglich :)

Und ich würde mich natürlich freuen, wenn "Die Elfe vom Veitner Moor" dazu führt, dass Menschen auch meine anderen Geschichten lesen.

Wer mehr von Katja Angenent lesen möchte, greife zu diesem Kurzgeschichten-Band

Katja, vielen lieben Dank für Deine Zeit und Deine Antworten. Ich drücke Dir die Daumen, dass noch viele Leser mit Ayla und Saliniome das Geheimnis der Elfe vom Veitner Moor lüften werden, und hoffe, schon bald wieder etwas aus Deiner Feder lesen zu dürfen. Bleib gesund!
Lieber Schelm, besten Dank für deine Neugier! Möge sie dir noch lange erhalten bleiben und mögest du noch viele weitere Leser*innen für deinen Blog und für DSA begeistern! Falls es mir gestattet ist, habe ich jetzt auch noch eine Frage: Wie bist du denn darauf gekommen, einen solchen Blog ins Leben zu rufen? Und in Anbetracht deiner ausführlichen Fragen: Wie viel Zeit steckst du pro Woche ungefähr hinein?

Das Gegeninterview

Wow, ein Gegeninterview im Interview! Das ist auch für mich eine Premiere! Aber wohl nur fair nach all den langen Fragen!
Also: Der Blog entstand aus verschiedenen Gründen. Zum einen war mir mit Schrecken aufgefallen, dass der 20. Todestag des von mir (und hoffentlich noch vielen anderen) verehrten DSA-Haupterfinders Ulrich Kiesow vor der Tür stand und nahezu niemand ihn würdig begehen zu wollen schien. Also wurde ich selbst aktiv und schrieb einen kurzen Würdigungsartikel. Außerdem bastele ich gerne an eigenen Ideen, die ich im Blog einer größeren Öffentlichkeit präsentieren wollte. Und schließlich hatte ich die verrückte Idee, dass ich, wenn ich Rezensionen von neuen DSA-Produkten verfasse, dazu gezwungen werde, sie auch endlich mal zu lesen und nicht nur zum Verstauben ins Regal zu stellen. Ach ja: Und als Vater einer damals kleinen Tochter, die ziemlich viel meiner Freizeit aufsog, brauchte ich einen kreativen Ausgleich zur Kinderbetreuung!

Mittlerweile hat sich meine Kinderzahl verdoppelt (der Kleine ist gerade zwei geworden, die Große nähert sich dem fünften Geburtstag), und so bleibt mir nicht wahnsinnig viel Freizeit. Wenn ich aber nicht gerade DSA spiele oder meinen monatlichen Brettspiel-Stammtisch habe, stecke ich praktisch meine gesamte Freizeit in den Blog. Leider haben Corona-Quarantäne, Home-Office und geschlossene Kindergärten dafür gesorgt, dass ich praktisch kaum noch Zeit zum Schreiben finde, was auch die derzeitige Artikelflaute erklärt. Ich hoffe aber, dass es bald wieder etwas Neues zu lesen gibt!

Wem diese Antworten nicht reichen, der kann auch gerne noch einen Blick auf das etwas ausführlichere Nandurion-Interview werfen, wo der Schelm schon einmal aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

Dir, Katja, danke ich vielmals für das tolle Interview, das mir gerade beim nochmaligen Durchlesen echt viel Freude bereitet hat. Ich wünsche Dir und Deinem Mann, dass Ihr die kommenden Monate gesund und sorgenfrei übersteht, und freue mich darauf, irgendwann bald wieder etwas von Dir lesen zu dürfen!

Der Roman "Die Elfe im Veitner Moor" von Katja Angenent ist in der Reihe Rocket Books erschienen und sowohl beim Blitz-Verlag, bei Fanpro als auch in allen Buchhandlungen und bei einschlägigen Online-Händern für 14,95 € erhältlich. Unsere Rezension kann hier nachgelesen werden.

Kommentare

  1. Kompliment für das interessante Interview - an beide Gesprächspartner. Zu lang geworden ist es (zumindest für mich) nicht, man hat momentan abends ja wenig anderes zu tun.

    Mir hat insbesondere gefallen, dass die Autorin den Einstieg auf die klassische Art mit Manuskript einsenden geschafft hat, hätte nicht gedacht, dass das heute noch so läuft. Hätte gedacht, dass sich die Verlage heute vor Angeboten kaum retten können.

    PS: mein persönlicher Favourit ist natürlich: "unwichtige Leute, die unwichtige Dinge tun" :-)

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    1. Besten Dank für die freundlichen Worte, mir hat das Interview auch viel Spaß gemacht. Und auch wenn es eine Textwüste (mit hoffentlich vielen Oasen) geworden ist, hätte ich gerne noch mehr Fragen gestellt. Aber irgendwann muss ja auch mal gut sein...! :-)

      Bei der Anmerkung mit der Manuskript-Einsendung hast Du mich auf die Idee gebracht, mal ein Interview mit Werner und/oder Markus/Niko zum Thema DSA-Romane und ihre Entstehung zu machen. Kommt auf meine Liste der Idee, die ich irgendwann in den kommenden 50 Jahren umsetzen möchte...

      Ab jetzt wissen wir also, dass in allen Ulisses-DSA-Romanen nur noch "wichtige Leute wichtige Dinge tun"! ;-)

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    2. Oft hat man sich im Vorfeld ja schon jede Menge Gedanken gemacht, einige Fragen aufgeschrieben, und dann ergeben sich im Laufe des Gesprächs so viele weitere Anknüpfungspunkte. Da kann man sich leicht drin verlieren, insbesondere, wenn man vorher so gründlich recherchiert hat wie Du.

      Das Interview zu den Roman-Entstehungen fände ich in der Tat interessant, da sind sicher einige lustige Anekdoten mit verbunden. Spätestens zum Goldenen Jubiläum Deines Blogs sollte es dann ja erscheinen. :-)

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    3. Tatsächlich sind meine "Interviews" keine echten Gespräche, sondern nur das gemeinsame Bearbeiten eines Google Docs Dokuments. Ich schreibe die Fragen rein, die Interviewten schreiben ihre Antworten dazu. Fast immer nur in einem Durchgang. Von daher lässt sich auch erklären, warum meine Fragen meist nicht auf den vorherigen Antworten aufbauen. Theoretisch könnte man so auch mehrere Interationen hin- und herschreiben, hier noch eine Frage ergänzen, da noch eine Antwort umschreiben. Aber das ist mir und vermutlich auch den Interviewten zu aufwendig. Merke: Die Interviews vom Schelm sind alle vorgescriptet! Auf die Antworten geht der gar nicht ein! Skandal!!!1!!elf!!!

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    4. WAAAAAAS?
      Ein Leser weniger.

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    5. Verdammt... dann habe ich jetzt nur noch drei Leser! ;-)

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