Bastel-Marathon 07: Flaschenöffner

Der Schelm überlegte: Abenteuer und Knabberkram lagen bereit, Gläser und Untersetzer standen auf dem Tisch, die Getränke waren gekühlt. Aber irgendwas fehlte noch für den perfekten Rollenspiel-Abend... Richtig, mit irgendwas musste man die Bierflaschen ja aufbekommen! Der Schelm wollte gerade den alten Flaschenöffner aus der Küche holen... und hielt inne. Für den heutigen Abend sollte es etwas Besonderes sein! Zum Öffnen der Flaschen brauchte es... etwas göttliche Hilfe!
Dies ist Teil 7 einer 24-teiligen Reihe von Bastel-Artikeln, die vom 01. bis 24. November 2018 erscheinen. Dieser ungewöhnliche Adventskalender kommt einen Monat zu früh, um allen Bastelwilligen noch genug Zeit zu lassen, um ihre Ideen bis Weihnachten in die Tat umzusetzen. Eine Übersicht über alle Artikel findet sich hier.

Der normale Öffner

Eigentlich war es ja eine naheliegende Idee: So ziemlich alles auf dem Spieltisch unserer Gruppe trug in irgendeiner Form ein DSA-Branding: Rollenspielbücher von Ulisses, Würfel mit schwarzen Augen und KRK-Füchsen, Aventurien-Untersetzer und Zwölfgötter-Kekse. Von daher war es irgendwann keine große Überraschung, als mir der Gedanke kam, auch noch den klassischen Flaschenöffner mit einem DSA-Logo zu versehen. Dankenswerterweise hatte einer der zahllosen Internet-Druckdienste, bei denen ich schon einmal Kunde war, einen individuell bedruckten Flaschenöffner im Sortiment.

Ein Edelstahl-Öffner mit aufgedrucktem Logo

Prompt wurde total unkreativ ein DSA-Logo hochgeladen, der Bestellen-Knopf gedrückt, und zwei Wochen später konnte ich die ersten Flaschen stilvoll per DSA-Öffner dazu bewegen, ihr kühlendes Nass in unsere Kehlen rinnen zu lassen. Ende der Bastelidee, fertig!

Als ich mich aber daran setzte, einen Artikel für diesen Bastelmarathon zu schreiben, kam mir diese Öffner-Idee viel zu banal, zu offensichtlich, zu unkreativ vor. Und ich begann zu überlegen, wie denn ein wirklich ungewöhnlicher Flaschenöffner mit Aventurien-Bezug aussehen könnte. Und so kam mir die Idee...

Der Greifenöffner

Meine ersten Idee waren aventurisch, aber unpraktisch: Eine Schicksalsklinge oder ein Kaiserschwert Silpion eignet sich schon aufgrund der schmalen Form eher nicht um Flaschen aufzuhebeln. Auch sonst fiel mir nicht viel ein, das jeder DSA-Spieler kennt, und das gleichzeitig als Flaschenöffner dienen können. Doch dann kam mir der Gedanke, dass es ja nicht nur Gegenstände sein müssen, sondern auch Kreaturen sein könnten.

Und so kam die bescheuerte Idee zum Greifenöffner (nicht zu vewechseln mit dem ähnlich klingenden Roman von Thomas Finn)! Die Greifen als heilige Tiere des Götterfürsten Praios boten sich natürlich mit ihrer majestätischen Eleganz geradezu an, so etwas profanes wie eine Bierflasche zu öffnen. Außerdem gab es auf der Keynote der RatCon ein schönes Bild eines Greifen in Vorder-, Rück- und Seitenansicht als Vorlage für die bald erscheinenden Greifen-Plüschis. Und wie es der Zufall wollte, hat der Greif auf diesem Bild die rechte Kralle erhoben - so als könnte man einen Kronkorken darin einklemmen!

Dies war meine unscharfe Vorlage

Nun gab es nur leider ein Problem: Ich konnte hier von meiner tollen Idee schreiben. Aber besonders anschaulich wäre das nicht. Viel cooler wäre es natürlich, direkt einen fertigen Flaschenöffner oder wenigstens ein 3D-Modell zeigen zu können. Aber woher nehmen und nicht stehlen?

So wird die bald bei Ulisses erscheinende fertige Plüschi-Version des Greifen aus

Ich beschloss, endlich meine Wissenslücken zu schließen, und mir das Gestalten von 3D-Modellen in Blender beizubringen. Ich schaute zwei Tutorial-Videos auf YouTube an, und machte mich dann voller Größenwahn an die Arbeit.

Gute zwei Stunden später hatte ich etwas auf dem Bildschirm, das bei ungenauer Betrachtung als 3D-Modell eines Greifen durchgehen könnte. Zugegeben, ich bin kein großer Künstler, hatte noch etwas mit den Tücken der Technik zu kämpfen (die überlappenden Flächen im UV-Mapping führen zu unschönen Textur-Artefakten), und hatte auch nicht viel Zeit zur Verfügung (immerhin muss ich momentan jeden Tag einen Artikel fertigstellen). Aber ich habe etwas fertiggestellt, und bin mit dem Ergebnis zufrieden genug, um es bereits als kleines 3D-Modell bei i.materialise in Auftrag gegeben zu haben.

Der Greifenöffner freut sich auf die erste Flasche!

Zugegebenermaßen ist das Modell nicht hübsch, und die dünnen Kunststofffüße werden vermutlich beim ersten Öffnen einer Flasche abbrechen. Aber darum geht es hier ja nicht! Dies ist ein Bastel-Marathon, und am Ende eines Bastelabends möchte man schließlich stolz auf sein Werk sein. Und da ich das bin, darf nun jeder einen Blick auf einen sich drehenden Greifenöffner werfen. Praios vult!


Kommentare

  1. Kann man die Form nicht auch aus Edelstahl herstellen lassen? Dann müsste der Flaschenöffner doch eigentlich halten. Anmalen geht dann ja auch noch.

    Btw. ich stelle mir gerade meine Schwarzmagierin vor, wie sie mit so einem Ding eine Bierflasche vor den Augen eines Praios-Geweihten öffnet - auch wenn es Kronkorken in Aventurien ja wohl noch nicht gibt.

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    1. Klar, kann man auch aus Stahl herstellen lassen. Kostenpunkt für einen 10 cm langen, 7.5 cm hohen und 5 cm breiten Greifen: 344 € plus Mehrwertsteuer und Versand. Bei 15 cm Länge ist man schon bei 1149 €. Ist mir persönlich etwas zu teuer...

      Die Reaktion des Praios-Geweihten wäre es schon alleine wert, den Kronkorken von einem findigen Zwergen-Bastler erfinden zu lassen. Kann man das wohl noch in die Flusslande einbauen (...lieb-in-Richtung-Ulisses-zwinker...)?

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    2. Äh ja... ich seh mir gerade meinen Kapselheber an, das Stück für 0,99 €. Das ist definitiv eine andere Preisklasse. Und ja, ich habe auch noch ein paar Flaschenöffner/Kapselheber, die ein paar € mehr gekostet haben. Aber 3-stellig ist mir dann doch etwas zu happig, auch wenn ein Greif natürlich schon etwas besonderes ist. Vielleicht würde aber die Kralle und ein Steg zur Stabilisierung ausreichen, der im Rumpf "verschwindet" und dann wird der Rest quasi als Kunststoffgehäuse drum herumgebaut. Denn die Kralle ist ja wohl das Stück, das am stärksten belastet wird und demnach auch die meiste Stabilität benötigt. Aber wie lange man an diesem Design arbeiten will, und ob das tatsächlich viel günstiger ist? Ich habe keine Ahnung.

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    3. Es geht ja gar nicht darum, eine Flasche aufzubekommen. Das kann man schließlich auch mit einer anderen Flasche, der Tischkante, einem DSA-Regelwerk, dem Reißverschluss, den Zähnen oder der Augenhöhle machen. Es geht darum, diesen seltsamen Greifen auf dem Couchtisch stehen zu haben, und das Gesicht des Gegenübers zu sehen, der auf die Frage "Was soll das denn sein?" die Antwort "Ein DSA-Flaschenöffner!" bekommt...

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  2. Tischkante oder DSA-Regelwerk? Da bekomme ich schon beim Gedanken Herzbluten. Von den Zähnen oder der Augenhöhle (eines Mitspielers) will ich gar nicht erst anfangen. ;-)

    Nein, ich habe es schon verstanden, was die Idee dahinter ist, und würde diesen Öffner natürlich auch deshalb auf den Tisch stellen. Dann allerdings sollte (und würde) er auch ausgibig benutzt werden, vielleicht noch kommentiert mit einem "Praios vult" beim Anstoßen (klingt ja fast wie "Prost"). Blöd nur, wenn der Greif sich schon nach der dritten Flasche (oder vielleicht auch erst am dritten Abend) die Krallen zieht. Daher sollte es etwas Stabiles sein, das man auch guten Gewissens verschenken kann - bei vertretbaren Kosten :-)

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    1. Schon klar - ich fände es auch cool, wenn das Ding funktionieren würde. Immerhin habe ich gerademal zwei Stunden in das Modell investiert - es wäre ein Praios-Wunder, wenn es trotzdem klappen sollte ohne zu zerbrechen. Vermutlich ist schon die Form des Kapselhebers ungeeignet, von der Dünne des Materials ganz zu schweigen. Ich werde berichten, sobald mein Exemplar da ist!

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