Rezension: Print on Demand von Ulisses

Wer einen alten DSA-Roman oder ein längst vergriffenes Abenteuer oder Regelwerk sein Eigen nennen möchte, hatte bisher oft nur die Möglichkeit, auf dem Second-Hand-Markt danach zu suchen. Dank der Wunder moderner Drucktechnik bietet Ulisses Spiele einige alte Roman-Klassiker nun als Print on Demand Bücher an. Die Vier Helden und der Schelm haben sofort einige Exemplare geordert, um die Qualität zu testen und mit dem Originalen zu vergleichen.

Print on Demand

Es war auf der RPC 2017 in Köln, als ich mich nach langer Überwindung erstmals traute, mit einem DSA-Schaffenden zu sprechen. Ich hatte diese fixe Idee was den Nachdruck vergriffener Bücher anging, und so nahm ich meinen Mut zusammen und quatschte Firmenchef Markus Plötz an, der gerade auf dem Ulisses-Stand Dienst tat. Nach dem Überreichen der legendären DSA-Logo-Bestechungs-Schokolade zeigte ich ihm ein Exemplar des längst vergriffenen Romans Der Scharlatan von DSA-Legende Ulrich Kiesow, von mir mit einem auf Basis der DSA5-Romane gestalteten Umschlag und bei einem Print On Demand Anbieter im Netz für relativ kleines Geld in Druck gegeben. Damals versicherte mir Markus, dass die Idee nicht neu wäre, sie selbst das Thema schon lange verfolgen, und es vielleicht schon Ende des Jahres (also Ende 2017) erste DSA-Print-on-Demand-Romane zu erwerben gäbe.

Oben die Originalausgaben, unten die Neuauflagen

Seitdem ist viel Zeit vergangen, und auch wenn ich zugeben muss, die Hoffnung auf offizielle DSA-Nachdrucke inzwischen aufgegeben zu haben, überraschte mich Michael Mingers im letztjährigen Juli-Videoblog mit der Ankündigung, dass die ersten Print-on-Demand-Romane schon in den kommenden Monaten verfügbar sein würden. Dies ist nun offiziell seit dem vergangenen Freitag der Fall, als Ulisses stolz im Verlags-Blog die Verfügbarkeit verkündete. Grund genug für uns, uns ein paar Exemplare dieser lang erwarteten Bücher zu sichern.

Die Bücher

Der Bestellprozess könnte einfacher kaum sein: Die neu aufgelegten Romane können einfach via Amazon bestellt werden, so als wären sie regulär erschienene Bücher. Der Kunde merkt auf den ersten Blick gar nicht, dass diese Bücher nicht in normaler großer Auflage gedruckt wurden, sondern als Einzelexemplare aus einem Drucker gefallen sind. Ein Hinweis auf die Print-on-Demand-Herkunft der Bücher konnte ich auf der Amazon-Seite jedenfalls nicht entdecken.

Bisher sind lediglich sechs Roman-Klassiker aus den Anfangstagen der DSA-Roman-Reihe neu aufgelegt worden: Von Ulrich Kiesow die beiden Romane Die Gabe der Amazone und Der Scharlatan, von Hadmar von Wieser die beiden Raidri Conchobair Romane Der Schwertkönig und Der Dämonenmeister sowie die Elementare Gewalten Reihe, bestehend aus Der Lichtvogel und Erde und Eis. Weitere Romane sind angeblich in Vorbereitung, im Video war zumindest noch von Romanen von Ina Kramer und Hans Joachim Alpers die Rede.

Von den eigentlich verfügbaren 6 Büchern haben wir bisher nur vier genauer unter die Lupe nehmen können, da Der Scharlatan aus unerfindlichen Gründen aktuell bei Amazon als nicht verfügbar gekennzeichnet ist, und Der Lichtvogel länger zum Druck braucht und frühestens in einer oder zwei Wochen bei mir eintreffen soll. Ansonsten kann man mit den Lieferzeiten ausgesprochen zufrieden sein: Ulisses gab die Verfügbarkeit der Romane am letzten Freitag bekannt, noch am selben Tag habe ich die Bestellung aufgegeben. Heute, am Montag Nachmittag, konnte ich die vier Druckexemplare bereits in Händen halten. Die Lieferung erfolgte also unproblematisch und schnell wie bei normalen Druckerzeugnissen.

Wer seinen lokalen Buchhändler unterstützen möchte, kann die Bücher natürlich auch per ISBN-Nummer über den Händler bestellen, die Romane sollten in jeder deutschen Buchhandlung problemlos geordert werden können. Man sollte dabei aber bedenken, dass die Bücher in jedem Fall über den Handelsgiganten Amazon gedruckt und vertrieben werden, sodass man vermutlich eher Amazon als den lokalen Buchhändler mit dem Erwerb der Bücher stärkt. Jeder der sechs Romane kostet 14,95€, was dem Buchpreis der zuletzt neu erschienenen DSA-Romane entspricht.

Die  Optik

Die Bücher kommen im klassischen Taschenbuch-Format daher wie es auch dereinst die ursprünglichen Heyne-Romane der Erstausgaben taten. Wer die Bücher ordert, um sie neben seine neuen DSA5-Romane ins Regal zu stellen, sollte sich bewusst sein, dass die Print-on-Demand-Bücher deutlich kleiner als die neuen DSA-Romane sind, die seit Mehrer der Macht im edlen Klappbroschur-Format daherkommen.

Das Design der Neuauflagen wurde von DSA-Chef-Designerin Nadine Schäkel neu gestaltet, und entspricht somit weder dem der Originalausgaben noch dem aktuellen Aussehen der DSA-Buchreihe. Somit gibt es mittlerweile mindestens sechs Designs für die Romane der DSA-Hauptreihe, von den ersten Romanen (z.B. Das Eherne Schwert oder Mond über Phexcaer), einmaligen Ausgaben (wie z.B. das Ferdoker Pergament) sowie Nebenreihen (z.B. Armalion, Myranor, Al'Zul, Jahr des Greifen) ganz zu schweigen. Sammler müssen sich also damit abfinden, dass die neuen Bücher sich erneut von allen bisherigen Büchern optisch abheben werden. Ob einem nur die farbige Pracht der Einbände der Originalausgaben oder die schlichte Eleganz der Neuauflagen besser gefällt, sei jedem Leser selbst überlassen.

Im Inneren sind die Romane karg gehalten, bis auf Kapitelzier-Bilder zu Beginn jedes Kapitels und Ornamenten zwischen Abschnitten sind die Bücher frei von Illustrationen. Was insofern schade ist, als das sowohl die Ina Kramer Illustrationen aus Die Gabe der Amazone als auch die Aventurien-Übersichtskarte (bzw. die Güldenland-Aventurien-Karte in Erde und Eis) von Ralf Hlawatsch nun nicht mehr verfügbar sind. Keine Frage: Mit dem Luxus-Design der Phileasson-Prachtausgaben können die relativ schnörkellosen Print-on-Demand-Bücher optisch nicht mithalten.

Auch im Innenteil hat sich der eine oder andere Fehler eingeschlichen

Auch qualitativ muss ich eher Markus Plötz als Michael Mingers Recht geben, erreichen die Print-on-Demand-Bücher doch keinesfalls die selbe Qualität wie die normalen Ausgaben: Das hochweiße Papier des Innenteils erinnert den Leser (ironischerweise gerade durch das perfekte Weiß) eher an auf dem eigenen Laserdrucker gedruckte Werke als an professionelle Buchdrucke, die meist weniger weiße Papiersorten verwenden. Der Paperback-Umschlag hat zwar die selbe Stärke wie der der Originalausgaben, wirkt aber durch die fehlende Glanzschicht sehr viel weniger wertig und wellt sich auch deutlich mehr als bei gedruckten Büchern üblich.

Ärgerlicher sind da schon andere Details: Bei keinem der vier begutachteten Umschläge stimmt die Dicke und Positionierung des Buchrückens, der sowohl auf die Vorder- als auch die Rückseite hineinragt. Folglich sind auch die Ränder von Vorder- und Rückseite etwas verschoben, sodass zum einen der Zierrahmen (der übrigens dem Zierrahmen aus dem Roman-Layout-Paket des Scriptoriums entspricht) auf allen Außenseiten abgeschnitten ist, und zum anderen die Buchtitel der beiden Raidri-Romane an den rechten Seitenrand stoßen. Besonders professionell wirkt das nicht.

Oben die Buchrücken der Originalausgaben, unten die der Neuauflagen


Ein echter Ausrutscher ist bei mir das Buch Erde und Eis, das sich qualitativ deutlich negativ von den drei anderen Büchern absetzt: Der Buchrücken-Versatz ist hier noch schlimmer, die Hintergrundfarbe deutlich dunkler, das Papier noch weißer als bei den anderen Büchern. Auch scheinen alle Innenseiten 2 Millimeter nach oben verschoben zu sein, wodurch sich die nun nicht mehr mittigen Seiten beim Lesen irgendwie "falsch" (in Ermangelung eines besseren Begriffs) anfühlen. Auch weist der Buchrücken deutliche Leim-Rückstände auf, die Schnittkanten sind weniger sauber als die der übrigen Bücher. Insgesamt scheint das Buch entweder aus einer früheren Charge, die später deutlich überarbeitet wurde, oder aus einer anderen Druckerei zu stammen. In jedem Fall ist es schon ärgerlich, wenn von vier neu erschienenen Büchern eines im Regal anders aussieht als die anderen.

Das Fazit

Wer schon immer einmal wissen wollte, was diese ominöse Gabe der Amazonen war, wie ein Scharlatan Held eines Buch sein kann oder wie es ist, zusammen mit dem Schwertkönig einen Schnellkurs in aventurischer Geschichte zu absolvieren, für den sind die neuen Print-on-Demand-Bücher ein Geschenk der Zwölfe. Endlich wurden die längst vergriffenen Werke abgestaubt und einer neuen Generation von DSA-Lesern verfügbar gemacht - sofern diese überhaupt noch am Lesen von Druckwerken interessiert sind und nicht direkt zum E-Book-Greifen.

Alle Sammler, die die Romane im neuen Großformat und im normalen Layout haben möchte, um sie neben die Klappbroschur-Bände stellen zu können, müssen wohl auch weiterhin selbst zum Layout-Programm greifen. Immerhin ist die Qualität, die ich bisher bei meinen eigenen Print-on-Demand-Experimenten erreicht habe, deutlich besser als die von Amazon gedruckten Bücher - aber auch mit einiger Arbeit verbunden. Ob sich der zusätzliche Aufwand des Selbstdrucks lohnt, muss jeder potentielle Leser selbst entscheiden. Über weitere Erfahrungsberichte aus meiner Leserschaft würde ich mich freuen.

Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass die neuen Print-on-Demand-Werke fertigungstechnisch nicht ganz mit dem hohen Niveau der regulär erscheinenden Bücher mithalten können. Dabei fallen die oben genannten Kritikpunkte aber klar in die Rubrik "Jammern auf sehr hohem Niveau". Da es den meisten Lesern egal sein dürfte, ob das Titelbild um zwei Millimeter verschoben ist oder die gewählte Papiersorte ungewohnt weiß ist, dürfte der Lesespaß von Alrik Normalleser ungetrübt sein.

Eines ist in jedem Fall klar: Es ist toll, dass die alten Klassiker endlich wieder im regulären Buchhandel erhältlich sind, und der an der aventurisch-literarischen Frühzeit interessierte Leser nicht mehr die teils horrenden ebay-Preise zahlen muss. Von daher ein großes Dankeschön an Ulisses, dass sie diese Schätzchen auch für neue Leser wieder verfügbar machen, und ich wünsche dem Projekt jeden erdenklichenn Erfolg, um hoffentlich irgendwann alle ausverkauften Werke auf Dauer bestellbar zu halten. Denn ich als um die Zukunft des Rollenspiels stets besorgter Veteran finde den Gedanken, dass meine Kinder vielleicht auch in 30 Jahren noch neu gedruckte Ausgaben der ersten DSA-Romane kaufen, lesen und verschenken können, sehr, sehr beruhigend.

Kommentare

  1. Danke für dein Feedback! Amazon hat während der Verarbeitung das Backend und die Vorgaben geändert, weswegen es da wohl aktuell Probleme gibt. Unsere alten Probedrucke hatten die geschilderten Probleme nicht. Es ist aber auch so, dass die Bücher eigentlich über Books on Demand produziert werden, aber wer über Amazon bestellt, bekommt die PoD-Fassung von Amazon direkt. Da haben sich wohl die Fehler eingeschlichen. Eigentlich haben wir auch cremefarben statt weiß für die Seiten eingegeben ... ich bin aber auch schon seit letzter Woche mit unserem Distributor dran, dass diese Probleme behoben werden.

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    1. Danke für die schnelle Rückmeldung, Michael! Nach allem, was Du im Vlog erzählt hast, hätte es mich auch sehr gewundert, wenn Euch solche Probleme nicht im Vorfeld aufgefallen wären. Schön zu hören, dass es hoffentlich nur temporäre Probleme sind. Ich werde auch die weiteren erscheinenden Bände kaufen und den Artikel entsprechend aktualisieren, wenn die Ergebnisse besser ausfallen. Ich hoffe, der Text kam nicht zu kritisch rüber, denn eigentlich finde ich die Bücher klasse und es insgesamt großartig, dass ihr die alten Schätzchen wieder verfügbar gemacht habt. Und mir ist vollkommen bewusst, wieviel Zeit und Mühe Du da reingesteckt hast. Ich werde die vier Exemplare zum KRK mitbringen, falls Du gegen Deine DSA-Hass-Instinkte auch wieder da sein solltest. Dass ich Deinem Chef statt Dir Recht gegeben habe, ist natürlich nur temporär, bis die richtig toll gedruckten Bücher bei mir ankommen! ;-)

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