Hörspiel-Rezension: Der Fluch des Goldes

Während draußen endlich der Frühling ins Land zieht, freut sich der Schelm seltsamerweise auf Winterzeit. Um genauer zu sein: Auf die neue DSA-Hörspiel-CD aus dem Hause WinterZeit Studios. Frisch aus dem Laden hat er sich die erste Folge der zweiten Staffel zu Gemüte geführt. Ob sie den hohen technischen Standard der ersten Staffel halten können wird? Ob Geschichte und Charaktere diesmal auch eingefleischte DSA-Fans begeistern werden können? Lest mehr in unserer Rezension!

Die Hörspielreihe

Mehr als sieben Monate lang mussten DSA-Hörspiel-Fans darben und auf das baldige Ende der Wartezeit hoffen. Nun ist sie also endlich da, die erste Folge der zweiten Staffel der DSA-Hörspiele-Reihe, die wieder einmal aus einer Kooperation der WinterZeit Studios, Audionarchie (die ich übrigens immer wieder zu nennen vergesse, wofür ich hiermit noch vielfach um Entschuldigung bitte) und Ulisses Spiele entstand.



Wer Staffel 1 nicht gehört hat (und auch nicht die vergleichsweise detaillierte Berichterstattung auf diesem Blog verfolgt hat), dem sei hiermit eine halbwegs spoilerfreie Zusammenfassung gegeben: Der Zwerg Gundar Gemmenschneider wird unschuldig ins Gefängnis geworfen, und kann mit einer Truppe zusammengewürfelter Abenteurer entkommen. Dafür müssen sie für einen um sein Erbe gebrachten Adeligen einige Insignien aus den Schwarzen Landen holen, was nach einigen Anstrengungen und Opfern auch gelingt. Doch zurück in Gareth stellt sich heraus, dass mehr hinter diesem Auftrag steckt. Einen letzten Kampf gegen einen übermächtigen Gegner können die Helden nur durch Gundars Mut knapp überleben. Doch seitdem ist Gundar immer so merkwürdig kalt...

Wer unsere Berichterstattung verfolgt hat, der weiß um meine Hassliebe zu der Reihe: Einerseits liebte ich Staffel 1 für die sympathischen Charaktere, die durchaus interessante Geschichte, die tollen Sprecher, die exzellenten technischen Qualitäten wie Tonmischung, Geräusche, Musik. Andererseits frustrierten mich die vielen kleinen Details, die dafür sorgten, dass sich die Geschichte nicht wirklich "aventurisch" anfühlte. Viel zu generisch und austauschbar, ohne konkreten Bezug zu "realen" Orten, NPCs oder Metaplot-Ereignissen, hätte die erste Staffel durchaus auch in irgendeinem beliebigen und austauschbaren Fantasy-Setting spielen können.

Was insbesondere deshalb schrecklich frustrierend war, weil meist schon einzelne kleine aventurische Details Wunder gewirkt hätten: Der Name eines kleinen Weilers in Garetien oder Tobrien hier, eine Erwähnung eines bekannten Adelsgeschlechts da, eine typische aventurische Redewendung abseits von "bei Rondra" dort hätte dafür sorgen können, dass auch echte DSA-Kenner mehr Freude an der Geschichten gehabt hätten. So kam für mich "nur" eine sehr unterhaltsame und gute Hörspielreihe ohne großen Aventurien-Bezug heraus.

Immerhin: Im Interview hatte mir Markus Winter für die zweite Staffel Besserung versprochen, sollte doch diesmal Ulisses mehr in die Skript-Entwicklung eingebunden werden. Und auf der letztjährigen RatCon konnte mir DSA-Chefredakteur Niko Hoch auch bestätigen, dass er das Skript diesmal vorab zu Gesicht bekommen hat (was bei Staffel 1 aus Zeitgründen nicht geklappt hatte). Man darf also gespannt sein, inwieweit das der Geschichte gut getan hat.

Also, genug der Vorrede: Wie geht die Gemmenschneider-Saga weiter? Und wie schlägt sich der Beginn der neuen Staffel insgesamt?

Die Geschichte

Dichter Nebel, ruhige See, irgendwo im Perlenmeer des Jahres 1027 BF. Eine thorwalsche Otta macht sich daran, ein vermeintliches Handelschiff zu attackieren. Ein heftiger Kampf entbrennt - doch bevor wir den Ausgang des Angriffs erfahren, springen wir zu unserer Lieblings-Abenteurer-Truppe. Gundar, Hothar, Alinne, Filoen und Sardos sitzen in irgendeiner schmierigen Kaschemme in Garetien und erholen sich vom glimpflichen Ausgang des Kampfes in Gareth. Man will noch ein paar Tage gemeinsam weiterziehen, bevor jeder seines eigenen Wege gehen soll.

Nach Kneipenschlägerei und Wolfsangriff kommt man nach Perricum, wo Hothar auf einen Thorwaler von seinem alten Schiff trifft, der ihm von mysteriösen Todesfällen nach einer Kaperung eines mit Gold beladenen Schiffes berichtet. Plötzlich wird der Mann von einer unsichtbaren Macht (oder einem Unfall?) dahingerafft. Hothar und die Gefährten beschließen, gemeinsam mehr über das Schicksal der Otta und ihrer Besatzung herauszufinden.

Zurück in Gareth: Tief in den Gewölben unter der Stadt berichten Handlanger ihrem Herrn Bragdul von den Geschehnissen. Woraufhin dieser befiehlt, dass die Gefährten niemals lebend das gestohlene Gold erreichen dürfen...

Die Technik

Wie schon die sechs Teile zuvor kommt auch Folge 7 wahlweise in einer MP3-Download-Fassung oder einer guten altmodischen CD daher. Das wunderschöne CD-Cover wurde erneut vom hoch begabten Schweizer Flavio Bolla gezeichnet, und zeigt zwei Segelschiffe, die in einen Kampf verstrickt sind.

Leider hat niemand dem Künstler mitgeteilt, dass das eine Schiff eine Thorwaler-Otta (also ein Drachenschiff wie dieses) hätte sein müssen, die sicherlich keine Totenkopf-Flagge verwenden würde, und dass Seeschlachten mit Kanonen und Explosionen in Aventurien eher unüblich sind. Und eigentlich müsste es auf dem Bild auch sehr nebelig sein. Insgesamt also wieder einmal ein hübsches Bild, das leider wenig mit der enthaltenen Geschichte zu tun hat.

Das vollfarbige achtseitige Booklet enthält diesmal ein Interview mit den beiden Machern der Serie, Patrick Holtheuer (Audionarchie) und Markus Winter (WinterZeit Studios). Beide äußern sich darin sehr zufrieden mit den Verkäufen der ersten Staffel, und gehen auch auf die Kritik an der für manche Fans fehlenden Einbindung in Aventurien ein, die hoffentlich mit den neuen Folgen besser sein soll. Auch wird verraten, dass der Vertrag mit Ulisses über die bereits in Planung befindliche Staffel 3 hinaus verlängert wurde, und man sich somit auch in Zukunft auf neue Folgen in einem sich entwickelnden "DSA-Hörspieluniversum" freuen darf.

Netterweise liegt das Booklet nun auch der z.B. über den WinterZeit-Shop erhältlichen MP3-Fassung bei, was bei Staffel 1 noch nicht der Fall war. Ein kleiner Patzer ist bei der Vergabe der Track-Titel passiert, da die Nummern der insgesamt 40 Tracks teilweise doppelt vergeben wurden, sodass es nur Track-Nummern von 1 bis 25 gibt. Dadurch werden die Tracks mit gleichen Nummern leider in zufälliger Reihenfolge abgespielt, was das Hörerlebnis zerstört. Ein Fehler, der hoffentlich bald behoben werden kann.

Ausschnitt aus der Tracklist, die leider doppelte Titelnummern enthält

Als Sprecher der Hauptcharaktere ist wieder die gesamte Riege der ersten Staffel mit an Bord, man darf sich also wieder auf die deutschen Stimmen von Peter Dinklage (Claus-Peter Damitz als Gundar), Patrick Star (Marco Kröger als Hothar), Johnny Depp (Markus Off als Filoen), Emilia Clarke (Gabrielle Pietermann als Alinne) und Ian McKellen (Eckart Dux als Sardos) freuen. Als Erzähler fungiert wieder Axel Ludwig, der vielen DSA-Hörbüchern im Horchposten-Verlag seine sonore Stimme lieh.

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen: Hothar in Action

Auch die neuen Rollen sind gewohnt exzellent besetzt: Die Kapitänin Ragna Sigridsdottir wird von Marie Bierstedt (Synchronstimme von u.a. Kate Beckinsale, Kirsten Dunst und Anne Hathaway, und Tochter von George Clooney-Sprecher Detlev Bierstedt) gesprochen, Bösewicht Bragdul hat die stark verzerrte Stimme von Torsten Sense (Val Kilmer, Kyle MacLachlan). Sein Scherge Aldari wird von René Dawn-Claude (Donald Glover als Lando in Solo) gesprochen. Die Marktfrau, die am Perricumer Hafen ihre Waren anpreist, ist Bianca Krahl (Mayim Bialik als Amy in Big Bang Theory), und wer sehr genau aufpasst, kann an Bord der Gischttänzerin kurz einen einzelnen Ruf von Helmut Krauss heraushören, u.a. Sprecher von John Goodman, und den meisten wohl als Nachbar Paschulke von Peter Lustig in Löwenzahn bekannt. Und auch der Rest der Sprecherriege ist, bis in die kleinste Nebenrolle hinein, hochkarätig besetzt.

Tontechnisch gibt es auch nichts zu meckern: Alle Dialoge kommen gewohnt glasklar rüber, die Musikuntermalung, die dieses Mal gefühlt etwas häufiger zum Zuge kommt, ist unaufdringlich, aber gefällig und atmosphärisch. Kurzum: Technisch haben die beteiligten Tonstudios ihre Arbeit mehr als zufriedenstellend gemacht, sodass ich daran auch rein gar nichts zu meckern finde.

Die Kritik

Bleibt mal wieder das für DSA-Fans vermutlich spannendste Thema, nämlich die Einbindung der Geschichte in den aventurischen Kanon. Wie schon die erste Staffel ist auch Staffel 2 vom erfahrenen Autoren-Duo Markus Topf und Timo Reuber geschrieben worden, die beide schon für zahlreiche Hörspiel-Serien (Insel-Krimi, Morgan + Bailey) tätig waren. Durch die Einbindung der DSA-Redaktion wurde zudem sichergestellt, dass grobe Schnitzer (wie an Bäume genagelte Dämonenschädel) diesmal vermieden wurden. Tatsächlich konnte ich keine echte Diskrepanz zu dem Aventurien meiner Vorstellung entdecken.

Was mir allerdings erneut etwas fehlt, ist die stärkere Einbindung der Welt in die Geschichte. Die Helden kommen nach Perricum des Jahres 1027 BF. Eine Stadt im Kriegszustand, direkt an der Grenze zu den Schwarzen Landen gelegen. Teile der Perlenmeerflotte liegen im Kriegshafen, Soldaten und Matrosen prägen das Leben in der Stadt, die größtenteils von der Versorgung der Truppen lebt. Wird irgendetwas davon erwähnt, in die Stadtbeschreibung eingebaut? Nein, es ist einfach eine normale Hafenstadt. Lediglich Sardos erwähnt kurz, dass die Stadt eine "ewige Kriegsbastion" sei. Formal alles korrekt, atmosphärisch hätte man durchaus etwas mehr daraus machen können, ohne Aventurien-unkundige Zuhörer zu sehr zu verwirren.

Die Helden verabreden sich zu einem gemeinsamen Abendessen in der Taverne "Zum Dornfisch" am Fischmarkt, meines Wissens nach kein kanonisches Etablissement. Warum musste es eine neu erfundene Taverne sein? Hätte man nicht die "Gläserne Münze" oder den "Hartsteener" weiterverwenden können, um DSA-Fans zumindest ein kleines Aha-Erlebnis zu gönnen? Und überhaupt - was beim Namenlosen ist eigentlich ein "Dornfisch"?

Und zu guter Letzt gibt es auch noch einige Logikproblemchen, die mir beim Hören der Folge auffielen. Die Helden müssen am Anfang der Geschichte aus Gareth fliehen, weil ihnen noch der Kerker droht. Warum eigentlich? Am Ende der ersten Staffel waren ihnen aufgrund ihrer Heldentaten doch ihre Vorstrafenregister erlassen worden, wie die wohlwollende weibliche Stimme (sollte das eigentlich Rohaja sein?) huldvoll verkündete. Und trotzdem müssen sie schon wieder fliehen? Habe ich was verpasst?

Gundar möchte zurück in die Hallen seiner Familie, vermutlich in irgendeinem der eher westlich gelegenen Bergkönigreiche (seine genaue Herkunft wird natürlich nicht genannt). Hothar will wieder nach Thorwal. Warum flieht die Truppe dann Richtung Perricum, nur um dann dort ein Schiff zu besteigen, und Phileasson-mäßig einmal rund um Aventurien Richtung Thowal zu segeln? Wäre es nicht irgendwie sinnvoller gewesen stattdessen westwärts zu reisen?

Das Fazit

Ja, auch diesmal habe ich wieder einige Sachen zum Jammern gefunden, und schon wieder muss ich direkt zurückrudern: So böse meine geäußerten Kritikpunkte auch klingen mögen, so wenig schmälern sie meinen sehr guten Gesamteindruck der Folge. Die gehörten Szenen sind abwechslungsreich, es herrscht ein gutes Gleichgewicht zwischen den Dialogen der Helden untereinander und den neuen Schauplätzen und Charakteren, die die Geschichte vorantreiben.

Die Chemie zwischen den Helden stimmt, es gibt wieder das erwartete Gestichele zwischen Zwerg, Elf und Thorwaler, und sogar eine kleine Romanze zwischen Alinne und dem grobschlächtigen Hothar scheint möglich zu werden. Der arme Laske scheidet mit einer schönen Portion Humor aus dem Leben ("Ich habe es Euch ja gesagt! Aber mir will ja nie einer glaub.... aarrrggh"), und auch die resolute Kapitänin Ragna und der blechern klingende Bösewicht Bragdul machen durchaus Lust auf mehr.

Neueinsteiger werden mit kurzen Zusammenfassungen der Vorgeschichte gut abgeholt - auch wenn diese das Hören der ersten Staffel nicht ersetzen können oder wollen. Bis auf einige wenige Story-Fäden aus der ersten Staffel, an die in Staffel 2 angeknüpft wird, soll Staffel 2 komplett eigenständig sein. Wer also gerne mal in die Reihe reinschnuppern möchte, ist bei Folge 7 hervorragend aufgehoben.

Eines kann die Einstiegsfolge aber ebenso wie die Einstiegsfolge von Staffel 1 nicht bieten: Eine in sich geschlossene Geschichte mit komplettem Handlungsstrang. Stattdessen ist es eine sehr ausführliche Einführungsfolge, die den Boden für die kommenden Episoden bereitet, selbst aber viele Fragen offen lässt, und im Wesentlichen nur dazu dient, die Helden von Gareth auf ein Schiff im Perlenmeer zu bekommen. Es steht zu erwarten, dass die kommenden Folgen sich wieder mehr auf das Episodenformat konzentrieren werden.

Und so komme ich zum einzig wirklich relevanten Kritikpunkt an der ganzen Serie: Die Folge ging trotz ihrer ordentlichen Länge von 48 Minuten viel zu schnell vorbei, und die Wartezeit auf die erst im Juni erscheinende Folge 8 ("Im Land der Piraten") ist mir schon wieder viel zu lang. Ich möchte schon heute wissen, wie die Geschichte um die lieb gewordenen Helden weitergeht, und was der so wunderbar böse klingende Bragdul planen mag.

Und so werde ich am 07. Juni wieder einmal einer der Ersten sein, der sich ins Auto nach Remscheid setzt, um sich dort persönlich im WinterZeit-Shop seine sehnlichst herbeigesehnte Dosis DSA-Hörspiel zu besorgen.

"Der Fluch des Goldes" und alle anderen Hörspiele der Reihe "Das Schwarze Auge" sind bei WinterZeit Audiobooks erschienen und können dort als MP3-Download oder als CD bestellt werden. Die CDs gibt es auch im F-Shop, bei Amazon oder im gut sortierten Elektronik-Fachhandel.

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