Der Schelmenkeller

Wie jeder DSA-Kenner weiß, wachsen Schelme in Koboldhöhlen heran, um dann irgendwann in die Menschenwelt zu ziehen und dort für Spaß und allgemeine Erheiterung zu sorgen. Es gibt aber auch Ausnahmen: Der schelmische Autor dieser Zeilen hauste bis vor Kurzem in einer Mietwohnung, und hat sich nun ein Eigenheim gegönnt. Wie es ihm dabei gelang, einen dunklen, muffigen Keller in eine gemütliche Spielhöhle mit Riesen-Aventurien-Karte zu verwandeln, lest Ihr hier.

Die Ausgangslage

Es war einmal ein Schelm, der lebte glücklich und zufrieden mit seine Schelmenfreundin in einer kleinen Mietwohnung. Irgendwann schlossen sie den Traviabund, und wurden auch schon bald von Tsa mit einer süßen kleinen Tochter beschenkt. Aus dem alten Arbeitszimmer wurde somit eine Kinderstube, und der gute Vater Schelm arbeitete von da an am Wohnzimmertisch. Doch kaum waren zwei Götterläufe ins Land gezogen, da kündigte sich erneuter Familienzuwachs an, und somit würde es eng werden im Hause Schelm. Die Zwölfe fügten es aber in ihrer Weisheit so, dass just ein paar Monate vor der Geburt eine größere Wohnung mit Garten im Nachbarhaus frei wurde, und so wohnten bald vier Schelme in einer neuen Behausung.

Doch ach, die Ruhe und Beschaulichkeit war nicht ungetrübt, denn das fröhliche Miteinander der beiden Kinderlein in einem schönen, aber zu kleinen Zimmerchen würde nicht in alle Ewigkeiten gut gehen. Voller Sorge dachte Papa Schelm an sein schönes Arbeitszimmer, und an die Gefahr, dass dereinst sein Sohnemann ein eigenes Zimmer für sich beanspruchen und den Vater aus den lieb gewonnenen Räumlichkeiten vertreiben würde. Auch Frau Schelmin war unruhig, hatte sie sich doch in den Kopf gesetzt, der ständigen Mietzahlung durch den Erwerb eines Eigenheims ein Ende zu setzen.


Die Schelmen-Familie in ihrer neuen Behausung
Die Schelmen-Familie in ihrer neuen Behausung


Und so kam es, wie es kommen musste: Nach Tausenden erfolglos durchgeblätterten Immobilienangeboten stieß Frau Schelmin endlich auf eines, das zu schön um wahr zu sein schien: Gar nicht weit weg von der bisherigen Behausung, in einer ruhigen Seitenstraße, mit Photovoltaik-Anlage und Solarthermie, gerade einmal 15 Götterläufe alt, und dann auch noch zu einem Dukaten-Betrag, der durchaus machbar erschien, wurde selbst der sonst so träge und gerne an einem Wohnort verbleibende Papa Schelm neugierig. Zwei Wohnungsbesichtigungen, ein Bieterverfahren und viel Papierkrieg später, fand sich Familie Schelm plötzlich in der Schreibstube eines Rechtsgelehrten wieder, der die Überschreibung des kleinen Reihenmittelhauses vollzog. Familie Schelm hatte sich ein Haus gekauft! Und wenn sie nicht gestorben sind, so zahlen sie noch heute...

Die Herausforderung

Ein wichtiges Kriterium für den Kauf des Hauses war von Anfang an das Vorhandensein eines Raumes gewesen, der in ein DSA-Zimmer verwandelt werden könnte. Und dies war bei diesem Haus glücklicherweise gegeben: Während die Schelmengattin den Dachboden in ihr Reich verwandeln durfte, bekam ich einen der beiden großen Kellerräume überlassen, um mich dort auszutoben. Bei der Schlüsselübergabe empfing mich ein etwa 4,50x4,50 m großer, bis auf eine alte Wohnzimmer-Schrankwand völlig leerer Raum mit Estrichboden, unverputztem Mauerwerk, einer Heizung, einer Neonröhre an der Decke, einer Tür, zwei kleinen Fenstern - und einer (!!!) Steckdose.

Der leere Kellerraum, nach Verschönerung schreiend


Meine erste Aktion bestand darin, erstmal die Schrankwand auseinander zu nehmen: Das alte hässliche Ding braucht doch keiner, dachte ich bei mir, und so schraubte und schleppte ich, bis die halbe Schrankwand hinauf ins Wohnzimmer getragen war, um von dort den Weg zur Müllkippe anzutreten. Die restlichen Teile des sperrigen Möbelstücks waren aber zu schwer, um sie alleine die Treppe hinauf zu wuchen, und so ließ ich "erstmal" stehen.


Die hässliche alte Schrankwand, die ich "eigentlich" loswerden wollte.


Und los ging die Renovierung: Lange hatte ich mit mir gerungen, ob ich die Wände noch verputzen oder gar mit Gipskarton-Platten (oder Holz?) verschönern wollte, entschied mich aber dagegen: Erstens, weil mir das Verputzen viel zu aufwendig und zeitfressend erschien, zweitens, weil ich mir selbst glaubhaft versichern konnte, dass ich das große Mauerwerk eigentlich ganz schön fand. Also wurden nur die Wände mit Tiefengrund vorbereitet (damit sie nicht zu viel Farbe saugen), und anschließend mal wieder die Farbrolle geschwungen. Eine Tätigkeit, die uns nun schon die letzten Wochen beschäftigt hatten, mussten doch sowohl in der alten Wohnung als auch im neuen Haus fast alle Räume neu gestrichen werden. Nach zwei Abenden Arbeit waren die Wände schon einmal schön.

Dafür sah nun der Boden wie Sau aus!

Nach dem Streichen: Schön weiße Wände, aber "etwas" vollgekleckster Boden


Also musste ein neuer Bodenbelag her. Ich entschied mich, ähnlich wie bereits im Kellerflur, für ein dunkles Laminat, das ich zusammen mit meiner Gattin an einem Nachmittag verlegte. Obwohl ich kein begnadeter Handwerker bin, und erst einmal zuvor einen Laminatboden in einer Gartenlaube verlegt hatte, gelang das Zurechtschneiden und Ineinanderstecken der Panele erstaunlich problemlos, und wir mussten "nur" zweimal wieder ein paar Reihen auseinandernehmen, weil sich zwischen den bereits verlegten Panelen eine fiese Lücke aufgetan hatte.

Ein Betonboden wird laminiert


Meine vermeintlich mit viel Puffer versehene Materialplanung erwies sich als erschreckend knapp bemessen: Für die letzte Reihe hatte ich noch exakt die drei benötigten Paneele übrig, und somit fast keinen Verschnitt. Punktlandung! Dass wir nach meiner Kalkulation eigentlich fast ein ganzes Laminat-Paket hätten übrig behalten müssen, wollen wir hier mal geflissentlich verschweigen...

Ebenfalls einen Mantel des Schweigens sollten wir über das Anbringen der Fußleisten verlieren, erwiesen sich diese doch bereits in den anderen Räumen des Hauses als meine persönliche Nemesis. Jene unscheinbaren, harmlos wirkenden Holzleisten mit ihren so verspielt anmutenden Plastikhaltern und den zugehörigen Schrauben und Dübeln hatten sich schon mehrfach als dermaßen dickköpfig und unbeherrschbar erwiesen, dass man nun auch hier im Keller die eine oder andere rote Lasche unter den Leisten hervorluken sehen würde - wenn ich nicht alles großflächig mit Regalen zugestellt hätte! Nimm dies, niederhöllisches Fußleisten-Gezücht!


Der fertig verlaminatete Kellerboden. Man beachte erste zaghafte Versuche der Fußleistenarretierung


Der Umzug

Pünktlich am Tag vor dem Umzug war also der Kellerraum so weit vorbereitet auf das, was da kommen mochtee. Als Blogger, der sich in bedrohlich schnellen Schritten der Mittvierzig nähert (Satinav, was tust Du mir nur an!), war ich mittlerweile alt und faul genug, den Großteil des Umzugs den Profis zu überlassen. So engagierten wir zum ersten (und hoffentlich auch zum letzten) Mal in meinem Leben ein Umzugsunternehmen, das unser Hab und Gut an einem einzigen Tag und höchst effizient in die neuen Örtlichkeiten transversalisierte.

Umzugstag - warum nur wirkt der LKW größer und geräumiger als unser ganzes Haus?


Auch meine kostbare DSA-Sammlung hatte es glücklicherweise unbeschadet herüber geschafft, und so machte ich mich schon in den nächsten Tagen daran, das wackelige und nur vom Eigengewicht der hineingestellten Bücher zusammengehaltene Expedit-Regal (ja, Expedit, nicht Kallax!) mit den gesammelten Schätzchen zu bestücken.

Das Ergebnis meiner stundenlangen Puzzlelei konnte sich sehen lassen: Das DSA-Regal sah spektakulär und gleichzeitig wohlgeordnet aus, fast alle Fächer waren optimal ausgenutzt, und dennoch war durch den ein oder anderen entbehrlichen Spielekarton noch genügend Platz für die kommenden DSA-Produkte der nächsten Jahre gegeben. Sprich: Allein dafür hatte sich der Umzug für mich schon gelohnt!


Die fertig bestückte und wunderwunderschöne DSA-Regalwand


Leider gabt es aber auch noch eine Menge Zeug, dass früher im Regal vor den Büchern gelegen hatte, und das nun dort keinen Platz mehr fand. Nun kam mir wieder die störrische, eigentlich längst für den Sperrmüll vorgesehene Schrankwand zu Gute: Trotz der flehentlichen Bitten meiner Gattin entschloss ich mich (mehr aus Faulheit das Ungetüm zu entsorgen), die Schrankwand doch wieder im Raum aufzubauen und als Versteck für all diejenigen DSA-Paraphenalia zu nutzen, die in einem offenen Expedit-Regal nur schwer zu verstauen und obendrein noch unschön anzuschauen gewesen wären. Also gab es eine Zweiteilung: Alle DSA-Regelbände, Erweiterungen und Abenteuer erhielten ihren Ehrenplatz im Expedit-Regal (unterstützt durch die ein oder andere Aventuria-, Armalion und DSA-Puzzle-Box), während all die Würfel, Beutel, Matten, Blöcke, Stifte, Untersetzer, Greifenöffner, Miniaturen in eigenen Schubladen und Fächern der Schrankwand verstaut wurden.


Die Schrankwand, in der DSA-Kleinscheiss und andere Rollenspiele verstaut sind

Obendrein musste ich mir leider (Zwinker-Smiley) noch einen neuen 50-Zoll 4K-Fernseher kaufen, um das unschöne Loch in der Schrankwand auszufüllen. Natürlich nur, um während einer Spielrunde Karten, NPC-Portraits und Handouts zeigen zu können, und nicht um darauf jeden Abend Dutzende YouTube-Videos zu kucken statt an meinem Blog zu schreiben...

Der Tisch

Ein zentrales Element eines DSA-Spielzimmers muss natürlich der obligatorische Spieltisch werden. Groß soll er sein, um mindestens einer ordentlichen Heldengruppe samt Spielleiter, oder einer großen Brettspielrunde mit sämtlichen Spielmaterialien Platz zu bieten. Außerdem schwebten mir noch ein paar Extras (eingebauter Touchscreen-Fernseher, Getränkehalter, Würfelturm, versenkter Spielbereich) vor, sodass relativ schnell die Entscheidung feststand, den Tisch nicht im Möbelhaus zu kaufen. Nein, der Schelm beabsichtigte seinen Talentwert in Holzbearbeitung zu steigern!

Also führte mich mein Weg - wie so oft in diesen Tagen und Wochen des Umzugs - in den Baumarkt, wo ich nach geeigneten Baumaterialien Ausschau hielt. Zuerst tendierte ich dazu, ein paar dicke Küchenarbeitsplatten zu kaufen und aneinander zu leimen, um eine schön massive Platte zu erhalten. Glücklicherweise nahm ich noch rechtzeitig Vernunft an, und erkannte, dass der Tisch dadurch viel zu schwer und die Bearbeitung mit meinem bescheidenen Werkzeug viel zu anstrengend werden würde.

Also griff ich stattdessen zu Möbelplatten aus Buchen-Brettschichtholz. Drei Platten von je 2,50 m Länge, einer Breite von 40 cm und einer Dicke von 1,6 cm wanderten in meinen Wagen, und warteten zusammen mit einigen Leisten für den aussteifenden Rahmen und ein paar Kanthölzern für die Füße im Keller auf den Zusammenbau.

Das Rohmaterial für den Schelmentisch

Endlich, nach einigen Tagen des unschlüssigen Überlegens, fasste ich mir ein Herz und machte mich an die Assemblierung der Totholzteile. Die drei Platten wurden mit Dübeln und wasserfestem Holzleim zu einer 1,20 m breiten Arbeitsplatte verbunden, sodass nun satte drei Quadratmeter Tischfläche auf den ersten Spieleinsatz warteten. Zur zusätzlichen Aussteifung wurde aus den Leisten ein Rahmen gezimmert und mit der Tischplatte verleimt und verdübelt. Aus dem verbleibenden Restholz konnte sogar noch eine zusätzliche Aussteifung in der Tischmitte angebracht werden.

Die Unterseite des Tisches mit Aussteifungsrahmen und erstem Tischbein

Für die Beine wurden zwei quadratische Leisten in 80 cm Länge zurechtgesägt (hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass alle Bauteile nur mit meiner treuen manuellen Gehrungssäge zurechtgeschnitten wurden und dass das eine echt anstrengende und stupide Arbeit war? Egal!). Befestigt mit einigen Schrauben und unten gedämpft mit Filzgleitern, konnte der Tisch endlich in die beabsichtigte Endposition gedreht werden.

Und was soll ich sagen? Für eine Premiere als Tischler ist mein Werk erfreulich stabil und augenschmeichelnd anzusehen. In den Monaten seit seiner Fertigstellung hat der Tisch mir schon sehr treue Dienste als Home-Office-Schreibtisch geleistet, und ich möchte ihn nicht mehr missen. Und wer weiß: Vielleicht werde ich mich eines Tages auch noch dazu durchringen können, ihn mit einer schützenden Holzlasur zu versehen. Betonung auf: Vielleicht!

"Moment mal, Moment mal", mag nun mancher irritierte Leser einwerfen. "Was wurde denn aus den versprochenen Spieltisch-Elementen? Dem abgesenkten Spielbereich? Den Getränkehaltern? Dem eingebauten Battlemap-Flachbildschirm? Dem ausklappbaren Würfelturm? All diese Arbeit für einen simplen, langweiligen Tisch?"

Ja, lieber Leser, Du musst jetzt stark sein: Der Schelm hat sich gegen all diese Extras entschieden. Ich brachte es einfach nicht fertig, ein Loch in den fertigen Tisch zu sägen, um einen Fernseher darin versenken zu können. Eine versenkbare Spielfläche und Getränkehalter habe ich noch nie als besonders sinnvoll oder erstrebenswert angesehen, und auch sonst wollte mir nicht sinnvolles einfallen, für das es sich lohnen würde, meinen geliebten und viel zu sehr gelungenen Tisch mit der Säge zu malträtieren. Ich bitte um Verständnis!

Der Spieltisch in seiner finalen Version - zu groß für die Aventurien-Tischdecke!


Die Tapete

Ich weiß gar nicht mehr, wann mir die Idee gekommen ist. An einen magischen Moment der spontanen genialen Eingebung kann ich mich leider nicht erinnern. Vermutlich dachte ich irgendwann darüber nach, wie ich denn noch an ein Exemplar der großartigen, von mir hochverehrten DSA-Landkarte von Ina Kramer als Wand-Tattoo kommen könnte, die es mal einige Zeit im F-Shop zu kaufen gab, und die seit einigen Jahren das Wohnzimmer meines Kumpels und Mitspielers Christoph ziert. Ich hatte das Exemplar damals gekauft, weil ich die Karte toll fand - ohne jedoch einen geeigneten Raum zu haben, um sie aufzuhängen. Bei Christoph fand sie daraufhin netterweise Asyl. Nun, einige Jahre später hatte ich den Raum - aber leider gab es das Wand-Tattoo nicht mehr, und Christoph meine Dauerleihgaben-Karte wieder abzunehmen brachte ich nicht über's Herz.

Kein Problem, werde ich mir gedacht haben. Dann lass ich eben ein neues Exemplar drucken! Schließlich hatte ich (und sehr viele meiner Leser) bereits sehr gute Erfahrungen mit dem Druck der  berüchtigten Aventurien-Tischdecke gemacht, und somit dürfte ein selbstgedrucktes Wand-Tattoo doch eigentlich auch gut werden. Moment... wieso eigentlich nur Wand-Tattoo? Wieso nicht gleich eine ganze Aventurien-Fototapete? Die am besten eine ganze Wand des Kellers einnimmt? Aventurien so weit das Auge reicht!

Und somit war die Idee zur Foto-Tapete geboren! Schnell wurde die Wand ausgemessen, die tolle liebevoll von Thorsten Most zusammengestückelte Aventurien-Karte aus dem Orkenspalter-Download-Bereich heruntergeladen und nach einem geeigneten Fototapeten-Online-Druckdienstleister gesucht. Meine Wahl fiel völlig willkürlich auf betterwalls.de, wo man nur ein Bild hochladen und die Abmessungen der Wand eingeben musste. Das Bild musste ich allerdings zuvor noch in einem Grafikprogramm (ich bin seit einigen Monaten sehr zufriedener Benutzer von Affinity Photo) zurechtschneiden und hochskalieren, da BetterWalls keine Bilder mit zu geringer Auflösung akzeptiert.

Dass das Hochskalieren nicht die besten Resultate liefern würde, war mir klar, und so versuchte ich mir auch noch von Thorsten seine Original-Aventurien-Karte in besserer Auflösung zu besorgen, die er mir netterweise auch direkt zuschickte (Danke, Thorsten!). Da diese aber über 500 MB groß war und sich von keinem meiner Grafikprogramme vernünftig bearbeiten ließ (und ich nicht gewillt war Adobe wieder viel zu viele Euros für eine Illustrator- oder Photoshop-Monatsgebühr in den gierigen Rachen zu werfen), ging ich das Risiko ein und bestellte einfach die hochskalierte Version. Ich gebe zu, dass ich bei den 237 € Druckkosten (plus Versand) für knapp 10 m² Fototapete etwas schlucken musste - aber mittlerweile war ich von meiner Idee so überzeugt, dass es kein Zurück mehr gab.


Das Bestellformular für die Fototapete - kein günstiges Vergnügen!


Keine vier Tage später klingelte bereits der Paketbote, und gierig riss ich ihm das herbeigesehnte Paket aus den Händen. Beim Auspacken war ich erstmal etwas enttäuscht, denn statt einer ordentlichen Tapetenbahn, wie ich sie von der klassischen Rauhfasertapete her kenne, kam eine relativ dünne Rolle zum Vorschein. Das soll wirklich eine Vlies-Tapete sein? Ich war sehr skeptisch. Obendrein musste ich nun auch noch drei Wochen warten, da in der Anleitung der Tapete explizit empfohlen wurde, nach dem Streichen und Vorbereiten des Untergrunds noch drei Wochen Trocknungszeit vorzusehen.

Die Vlies-Fototapete - hier bereits in 10 Einzelrollen zerschnitten

Ungeduldig harrte ich also aus, und beschäftigte mich in der Zwischenzeit mit dem Einrichten meines Zimmers. Drei Bücherregale wurden aufgebaut und mit gesammelten Medien befüllt. Ein Regal war ganz der vollständigen DSA-Literatur gewidmet, in einem zweiten wurden neben den Taschenbuchausgaben der DSA5-Regelwerke ein paar Splittermond-Bände, die Handbücher des Drachen, die DSA-Musik-CD, die DSA5-Spielkartensets sowie diverse Computerspiele und weitere Romane untergebracht. Das dritte Regal nahm dann meine alte Sammlung an Romanen zu Star Wars, D&D und Battletech auf.

Und dann war endlich die Wartezeit abgelaufen: Das Tapezieren konnte beginnen! Mit höchst mulmigen Gefühl machte ich mich ans Werk. Man muss dazu wissen: Meine bisherigen Tapezier-Erfahrungen beschränkten sich darauf, alte Tapeten abzureißen, und vielleicht assistierend ein paar Bahnen zurechtzuschneiden und einzukleistern. Selbst Tapetenbahnen anbringen musste ich noch nie, und so kann man sich meine Nervosität angesichts des nicht gerade geringen Preises vorstellen.

Zu meiner eigenen Überraschung ging dann eigentlich alles ganz einfach: Die Wand wurde jeweils großzügig mit Methylan-Tapetenkleister für Vlies-Tapeten eingepinselt, und die jeweilige Bahn angeklebt. Im feuchten Zustand lässt sich die Bahn auch noch wunderbar verschieben, überschüssiger Kleister wurde schnell mit einem Tuch entfernt. Da sich meine Kellerraumwände als erfreulich gerade erwiesen, war die Passgenauigkeit kein großes Problem. Eine einzelne kleine Falte schlich sich beim Angbarer See ein, die aber nicht groß auffällt. Auf das Anbringen des kleinen, 4 cm breiten Streifens am rechten Ende der Wand habe ich einfach verzichtet, da dort eh nur blaues Wasser zu sehen war. In weniger als einer halben Stunden war die gesamte Wand beklebt, die überschüssigen Streifen an den Fußleisten abgeschnitten und der Kleister punktgenau aufgebraucht. Stolz und schwitzend trat ich zurück, um mein Werk zu bewundern. Und es war großartig geworden!

Die fertige Fototapete in voller Pracht!

Die Qualität der fertigen Wandkarte ist trotz aller Bedenken hervorragend, die Farben satt und freundlich. Ina Kramers geniale und detailverliebte Umsetzung der von Thomas Römer und Michael Johann erstellten Detailkarten kommt in Lebensgröße noch toller zur Geltung als ich zu hoffen gewagt hatte, und so betrete ich meinen Schelmenkeller nun immer mit einem Grinsen auf den Gesicht. Und selten vergeht ein Tag, wo ich nicht sinnierend für ein paar Augenblicke auf die Karte starre und stets neue spannende Orte für potentielle Abenteuer entdecke.

Der erschöpfte, aber zufriedene Tapezier-Schelm mit seinem vollendeten Werk

Wenn Ihr Euch selbst mal im Keller umschauen wollt, könnt Ihr das im folgenden Panorama-Bild tun. Oder Ihr kommt, wenn Ihr in Bochum oder Umgebung seid, einfach mal vorbei. Der Schelm freut sich Euch eine persönliche Führung durch den Keller zu geben!

Die Bilder

Nachdem Ihr nun das Highlight meines kleinen Kellerreichs kennt, will ich Euch nicht mit den weiteren Einrichtungsdetails langweilen. So berichte ich nicht, dass ich noch einmal die komplette Schrankwand auseinandernehmen musste, um den Fernseher in den oberen Bereich zu versetzen, damit man vom Tisch aus bessere Sicht hat. Oder dass als Zeitanzeige eine Zwölfgötter-Uhr von Godicon bestellt und hinter der Tür aufgehängt wurde. Oder dass ich mir als Ersatz für den Einbau-Touchscreen-Fernseher einen 24-Zoll-Touchscreen-Monitor bestellte und ein Holzgehäuse dafür zimmerte, um ihn als mobilen Battlemap-Schirm einsetzen zu können. Oder dass ich mir passendes Holz beiseite gelegt habe, um irgendwann einen eigenen Würfelturm für den Tisch zu zimmern. Oder dass ich vergeblich versucht habe, die große Steffen-Brand-PVC-Aventurien-Karte von der RatCon 2018 an der Innenseite der Tür zu befestigen, das Klebeband bisher aber immer zu schwach für die schwere Karte war.

Aber von einem Detail möchte ich dennoch noch kurz berichten, ist es doch in meinen Augen ein schöner finaler Touch für mein kleines privates Reich unter der Erdoberfläche. Geht man nämlich aus dem Erdgeschoss die Treppe hinab in den Keller, wird man von einem entschlossen dreinblickenden Alrik Immerdar begrüßt, der mit seinen Gefährten alle Neuankömmlinge grimmig anstarrt. Das kongeniale Titelbild des dritten Abenteuer-Basis-Spiels von 1992 hängt als 60x40 cm Leinwand an der Wand, ebenso wie noch drei weitere geniale Cover vom leider viel zu früh verstorbenen Altmeister Uğurcan Yüce: Der Flug über Havena in Tödlicher Wein, die bunte Jahrmarkt-Szene aus Gaukelspiel sowie das eine Bild, mit dem unsere Reise nach Aventurien damals vor 32 Jahren ihren Anfang nahm: Die Helden des Schwarzen Auges.

Alrik Immerda wartet schon im Treppenhaus auf uns


Ich muss gestehen, seit jeher ein Faible für die großartige Kunst von Herrn Yüce gehabt zu haben, und kann selbst den Dressman-Ogern und den Neandertalern etwas abgewinnen. Seine Cover sind stets so dynamisch, so perfekt arrangiert und virtuos gemalt, dass ein jedes von ihnen wert gewesen wäre, in einer Kunstgalerie zu hängen. Natürlich bin leider kein Besitzer eines echten Yüce-Werks, sodass ich leider zu Bilddateien aus dem Internet und einem Online-Druckdienstleister zurückgreifen musste. Glücklicherweise war Maestro Yüce damals selbst großzügig genug, ein paar seiner über 2000 Werke in voller Pracht (ohne Texte, Logos etc.) auf seiner Homepage zu zeigen. Leider gibt es diese Webseite seit seinem Tod nicht mehr. So konnte ich die Bilddateien nur noch auf einer russischen DSA-Fanseite finden und herunterladen.

Der Gang zum Schelmenkeller ist geschmückt mit Uğurcan Yüce Kunstdrucken


Sollte übrigens irgendjemand wissen, wie und wo man an ein Original-Uğurcan-Yüce-DSA-Motiv gelangen kann oder was aus seinen Werken geworden ist, möge man mich bitte kontaktieren. Ich würde nur zu gern irgendwann ein Interview mit Frau Yüce über ihren verstorbenen Mann führen, und träume schon seit langem von einer Kunstausstellung mit Originalen von Herrn Yüce, von Ina Kramer, von Caryad und anderen. Ich würde die Originale zu gerne selbst einmal sehen.

Für insgesamt ca. 78 € (plus Versand) wurde also der Flur mit vier Yüce-Leinwänden geschmückt, und zum Abschluss noch ein rundes Vier Helden und ein Schelm Logo für die Tür bestellt. Fertig ist der Schelmenkeller!



Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, wohnen meine Familie und ich schon dreieinhalb Monate in unserem neuen Zuhause. Und an jedem einzelnen Tag davon bin ich froh und glücklich, wenn ich die Kellertreppe herabsteige, an den Bildern vorbeigehe, mich an meinen Tisch setze und den Blick zufrieden über die Weiten der Fototapete wandern lassen. Da sage noch mal jemand, Aventurien wäre zu klein!


Die vier Helden und der Schelm bei der ersten Spielrunde im neuen Keller



Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinem kleinen Werkstattbericht ein paar Inspirationen für Eure eigenen Spielzimmer geben, und würde mich freuen, wenn auch hier in den Kommentaren ein paar Erfahrungsberichte zu Euren Spielzimmern da lassen würdet.

Ein Daumen hoch für den Schelmenkeller!


Kommentare

  1. Wow.... Da davon bin ich noch so weit entfernt, da denke ich erstmal nicht weiter drüber nach :D

    Aber cool, das alles mal - auch in Bewegung - zu sehen :)

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    1. Dann schau Dir den Keller gerne beim nächsten Besuch im Ruhrgebiet persönlich an! Du bist immer herzlich willkommen. Und Dein Lego-Marty und Lego-Doc könnten dann auch eine Runde mit meinem Playmobil-DeLorean drehen! ;-)

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  2. Freu mich schon deinen Keller diese Woche gleich zweimal benutzen zu dürfen.

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    1. Ich mich auch: Sternenträger-2-Finale am Donnerstag und mit dem Co-Autor am Samstag ein weiteres Abenteuer testspielen ist schon eine erstklassige DSA-Woche! Beides wird episch!

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    2. Finaaaale, ohohohohooo... Das wird super!

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    3. Yeah, ich bin auch gespannt und freue mich.
      Toller Bericht!

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  3. So ein Keller ist schon toll,
    Eindrucksvoll ist vor allem das vorher / nachher vom lehren Raum und fertigen Keller.

    Ich wünsche viele schöne Stunden.

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    1. Dankeschön nach Schottland! Ja, so ein Schelmenkeller hat was für sich. Aber Dank Corona und Homeoffice habe ich hier viel mehr (schöne?) Stunden als mir lieb ist! :-)

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  4. Wow, deine bisherigen Bastelprojekte haben schon gezeigt, welch kreativer Geist Du bist (und dass Du manchmal mit der Umsetzung zu kämpfen hast).
    Mit dem Schelmenreich ist Dir ein Meisterstück gelungen!

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    1. Danke Dir, freut mich dass es gefällt. Und ich werde auch in Zukunft bestimmt von vielen Fehlschlägen und manchen Erfolgen berichten!

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  5. Vielen Dank für den Einblick! Besonders die Wandtapete fasziniert mich immer wieder. Jetzt muss ich nur noch eine Wand dafür finden und meine Frau bezirzen.

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    1. Ich musste meiner Frau nur zwei Kinder und ein halbes Haus schenken, um an mein eigenes kleines Kellerloch zu bekommen... :-)

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  6. Supercool ist der Keller geworden, Glückwunsch!! Die Fototapete ist echt ein Killer :-)

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