DreieichCon 2019

Schon lange stand sie auf meiner Wunschliste, Jahr um Jahr hat es nicht geklappt. Doch 2019 war es nun endlich soweit: Der Schelm besuchte seine erste DreieichCon! Was kann einem die Rollenspiel-Con im kleinen Dreieich bieten, was KRK, CCXP, RatCon und Spielemesse nicht können? Lohnt es sich überhaupt, das Super-Con-Jahr 2019 mit einer weiteren Veranstaltung abzuschließen? Lest selbst, wie Dreieich gegenüber Glashütten, Köln, Berlin, Limburg und Essen abschneidet!
Zugegeben, es ist schon etwas dreist: Als wenn ich meine Frau und meine Kinder nicht schon oft genug in diesem Jahr allein in Bochum zurückgelassen hätte, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, endlich noch eine weitere Con zu besuchen, die schon lange auf ganz oben auf meiner To-Do-Liste stand. DreieichCon - ein Klassiker, der in diesem Jahr seinen 29. Geburtstag feiern sollte, und dessen guter Ruf weit genug schallte, um mich als Kind des Ruhrgebiets ins ferne Frankfurter Umland zu locken. Würde sich eine Reise dorthin nach all den Großveranstaltungen wirklich lohnen? Und würde meine Frau mir überhaupt schon wieder ein freies Wochenende erlauben?

Das Programmheft der DreieichCon 2019

Glücklicherweise waren meine Sorgen unbegründet, erwies sich meine Frau doch mal wieder als sehr großzügig. Da ich noch vor zwei Wochen allein auf beide Kinder aufgepasst hatte, während sie sich anderthalb Wochen auf einer USA-Dienstreise rumtrieb, hielt sich mein schlechtes Gewissen ehrlich gesagt auch in Grenzen. Und so wurde eine Eintrittskarte gebucht, ein Hotelzimmer reserviert und nach möglichen Bahnverbindungen Ausschau gehalten.

Mit der DreieichCon summiert sich die Gesamtzahl der von mir in diesem Jahr besuchten Rollenspielverstaltungen auf sagenhafte 7 (Spiel Doch! in Duisburg, Kaiser-Raul-Convent in Glashütten, CCXP in Köln, RatCon in Berlin, RatCon in Limburg, Spielemesse in Essen) - eine schier unglaubliche Anzahl von Veranstaltungen für jemanden, der früher überhaupt nicht wusste, was er auf diesen Cons oder Messen eigentlich sollte. Danke meiner Blogger-Tätigkeit und anderer Internet-Aktivitäten ist es mittlerweile aber auch für Sozialkrüppel wie mich ein Leichtes, genügend Leute zu kennen, um so eine Con zu einem angenehmen Erlebnis werden zu lassen. Und so freute ich mich im Vorfeld sehr auf all die netten Gesichter, die ich in Dreieich wiedersehen würde.

Die Anreise

Vor der Con haben die Götter der Familienplanung leider noch die Kinderbetreuung gesetzt, und so stand der Samstag Morgen ganz im Zeichen meiner beiden kleinen Rabauken. Während im fernen Dreieich die Con-Tore geöffnet wurden und die Massen in die Hallen strömten, war ich noch mit Windel-Wechsel, Aufräumen, Spielen und Kochen beschäftigt. Erst um halb zwölf gelang es mir, mich in einem unbeobachteten Moment davonzustehlen (na gut, um ehrlich zu sein kam meine Frau nach Hause und übernahm die Kinderbetreuung).

Gut gerüstet mit einer großen, halb leeren Umhängetasche (in die man schön viele Ulisses-Einkäufe verstauen könnte), wanderte ich zur heimischen U-Bahn, fuhr zum Bochumer Hauptbahnhof, und stieg in den ersten ICE Richtung Frankfurt. Dank teurer ICE Sprinter Fahrkarte samt Platzreservierung konnte ich einen tollen Platz am Tisch ergattern, auf dem ich sogleich meinen Laptop aufbaute. Schließlich schreiben sich die Artikel für einen Blog nicht allein, und drei Stunden Bahnfahrt wollen sinnvoll genutzt werden!



In Frankfurt hatte ich fast eine halbe Stunde Zeit, um mir vor der Weiterfahrt noch etwas zu Essen zu suchen. Eine leckere Bratwurst später saß ich also im Zug (in der Dreieichbahn), die zehn Minuten später Dreieich-Buchschlag erreichen sollte. Man, diese Anfahrt war ja traumhaft, total erholsam! Und in wenigen Minuten würde ich schon auf der Con sein!

Ja, denkste: Vor der Con und dem Hotelzimmer galt es noch einen kleinen Fußmarsch vom Bahnhof in die Dreieicher "Innenstadt" zu überstehen. Und da der Bahnhof ziemlich weit draußen ist, sprechen wir hier von einer mehr als halbstündigen strammen Wanderung, die durch die immer schwerer werdende Umhängetasche und meinem dringenden Bedürfnis nach Klo-Benutzung immer länger zu werden schien. Selten war ich so froh, ein Hotelzimmer erreicht zu haben wie diesmal.

Das Hotelzimmer. Nicht prunkvoll, aber mit einem wunderbaren WC ausgestattet!

Als Hotel hatte ich das L'Escala gewählt, das ziemlich zentral auf der "Haupteinkaufsstraße" von Dreieich-Sprendlingen liegt. Im Nachhinein hätte ich vielleicht lieber das Hotel Mercure nehmen sollen, da dort anscheinend mehr Con-Teilnehmer untergebracht waren, der Weg zum Bahnhof sehr viel kürzer und zur Con in etwa gleich lang ist. Mal sehen, ob ich es im nächsten Jahr nochmal hierher schaffe.

Die Con

Deutlich erfrischt und um eine große Reisetasche erleichtert machte ich mich also um kurz nach 16 Uhr frohgemut und zu Fuß auf zum Bürgerhaus Dreieich, der örtlichen Stadthalle, in der traditionell die DreieichCon stattfindet. Mitten im idyllischen Bürgerpark gelegen, ist die Stadthalle eine ruhiger und idealer Veranstaltungsort - wenn es Sommer wäre, wäre wohl auch ein Zeltlager wie damals auf der alten RatCon in Unna denkbar. Ein wenig suchen musste ich schon, um endlich den Eingang zu entdecken, befindet sich dieser doch auf der Seite der Stadtbüchererei, und nicht, wie ich zuerst annahm, auf der Südwest-Seite, wo sich auch das Hallenbad befindet.

War der Eingang aber erstmal lokalisiert, konnte mich nichts mehr aufhalten: Mit meiner im Internet gekauften Karte (die blitzschnell und höchst professionell gescannt wurde) holte ich mir am Eingang ein gelbes Armbändchen ab, nur mir eines von Hunderten von Con-Programmheftchen mitnehmen - und war auf meiner ersten DreieichCon! Yeah!

Links neben des Eingangs hatte sich ein Händler für Gebrauchtbücher und -brettspiele breitgemacht, der unter anderem Klassiker wie die alten DSA-Brettspiele von Schmidt Spiele im Angebot hatte. Gut, dass ich nicht ALLES, wo DSA draufsteht, besitzen muss, sonst hätte das für mich hier teuer werden können.

Eine kleine Treppe hinauf hatte sich zur Linken der gefühlt irgendwie auf jeder Con und Messe präsente Würfel-Meister mit seinem Stand niedergelassen, zur Rechten gab es die zahlreichen Spielrunden-Aushänge, die mich als nicht-spielender Con-Gänger aber nicht weiter interessierten.  Viel spannender war natürlich der einladend gegenüber dem Eingang und neben dem Eingang zur Haupthalle gelegene Ulisses-Stand, der neben dem bekannten B-Ware-Stand über drei große Ikea-Kallax-Regale voller Neuheiten verfügte. Ein kleiner Tisch war mit Aventuria-Neuheiten vollgestellt, die DSA-Neuheiten versteckten sich im Regal zwischen ihren schon etwas älteren Geschwistern.

Der Ulisses-Stand in einer ruhigen Minute - nein, er war nicht immer so leer!

Als erstes fielen mir die Bücher in die Hände: Der neue Kurzgeschichtenband Kerkergeschichten ist erschienen, der neun Kurzgeschichten zu den ikonischen DSA5-Helden erhält. Wer also schon immer wissen wollte, wer Carolan, Mirhiban und Konsorten eigentlich sind und warum sie als Abenteurer durch die Welt ziehen, bekommt hier eine Antwort. Auch wenn es keine Neuheit ist, habe ich auch noch ein Exemplar von Stadt der hundert Türme mitgenommen, dem zweiten Teil der Blut der Castesier Reihe von Daniel Jödemann - nur um dann zu Hause festzustellen, dass ich bereits auf der Spielemesse zwei Exemplare mitgenommen hatte, und somit nun zwei Stück bei kommenden Gewinnspielen verlosen kann.

Pünktlich wie versprochen erschien auch der zweite Band der Sternenträger-Kampagne, der diesmal auf den Namen Der Klang des Feyrassal hört. Da wir den ersten Band bereits begonnen haben (hier geht es zu unserem Spielbericht), ist es gut zu wissen, dass die Fortsetzung so zeitnah erschienen ist. Leider nicht mehr zur geschafft hat es das Aventurische Götterwirken 2, das sich ebenso wie das Brettspiel Schatten der Macht noch im LKW befand und erst in der kommenden Woche versandt wird. Leider ebenfalls nicht im Laden hatte man die neuen universell einsetzbaren Ulisses Drehmarker, etwa pokerchip-große magnetische Zählscheiben von 1 bis 20, die man z.B. zum Nachhalten von Munition, Schicksalspunkten, Geld, etc. verwenden kann.

Meine Errungenschaften des ersten Tages

Beim Zahlen an der Kasse entdeckte ich auch noch die beiden neuen Kartensets Schätze & Kostbarkeiten 3 und Aventurische Meisterpersonen 2- Mentoren & Lehrmeister, die beide neue Karten nach dem von den Vorgängern bekannten Schema bieten. Beim B-Ware-Stand erstand ich noch einen alten DSA-Kalender von 2016, dessen Bilder insofern bemerkenswert sind, als dass ein Drittel noch immer nicht für erschienene Publikationen verwendet wurden. Ebenfalls bemerkenswert war, dass Alex Spohr (der heute zum Dienst am B-Ware-Stand abkommandiert war) nur einen lächerlichen Betrag von 2,16€ für den Kalender haben wollte - immerhin ist er schon vier Jahre alt. Da der Erlös aber mal wieder der Bärenherz-Stiftung zugute kommt, habe ich ausgesprochen gerne 20 € für den Kalender gezahlt.

Und wo wir bei ungeplanten Spontankäufen sind: Wenn man nur lang genug am Ulisses-Stand herumsteht, wird man irgendwann auch dazu genötigt, sich andere Ulisses-Produkte anzusehen. So sprach ich mit meinem Namensvetter Kai Großkordt, der bekanntlich u.a. für die Übersetzungen von Tails of Equestria, dem My Little Pony Rollenspiel, verantwortlich ist, erzählte ihm davon, dass ich vor ein paar Wochen eine Einsteigerrunde Tails of Equestria für meine Tochter, meine Nichte und ihre Freundin geleitet habe (was ganz gut ankam), und ehe ich mich versah war ich aufgrund sozialen Drucks aller Umstehenden plötzlich Besitzer der neuen Box Tails of Equestria - Goblins & Gefangene, die neben einem neuen Kurzabenteuer auch Papp-Aufsteller aller wichtigen Charaktere aus der Serie enthält. Und aus dem Rollenspiel, das die Ponys in der Serie immer mal wieder spielen. Somit spielt man ein Rollenspiel in einem Rollenspiel zu einer Fernsehserie zu einer Spielzeugserie. Mit Pferden Viel mehr Meta geht ja fast gar nicht mehr!

Die Begegnungen

Aber keine Sorge: Natürlich war ich nicht nur auf der Con um Dinge zu kaufen, die ich genauso im örtlichen Rollenspielladen hätte kaufen können (was vermutlich aus Nachhaltigkeitssicht in vielerlei Hinsicht sinnvoller gewesen wäre), sonndern war auch und besonders zum Quatschen da. Das ging natürlich am Ulisses-Stand los: Jens Ballerstädt, seines Zeichens aktuell einziger Ulisses Community-Manager, stellte mir noch einmal Derya, seine Kollegin vor, die am 01. Januar ihren Dienst an der Community-Front antreten wird, und die sich (ebenso wie Jens) als grundsympathische, witzige, und rollenspielaffine Person herausstellte. Da hat Ulisses mit beiden PR-Menschen einen guten Wurf gelandet!

Lager-Kobold Steff Tannert hatte heute tatsächlich frei, sodass ich ihn nur kurz am Stand traf und kurz "Hallo" sagen konnte. Chefredakteur Niko Hoch wurde von mir sogleich mit Nachfragen zu der Veröffentlichung eines möglichen Ina Kramer Romans gelöchert (zu dem es aber noch nichts zu sagen gibt - Niko klang aber leider nicht sehr optimistisch. Was echt ein Jammer wäre, denn der Roman ist echt großartig, und Ina hat eine Menge Herzblut hineingesteckt).

An der Kasse tat DSA-Redakteurin Zoé Adamitz Dienst sodass ich ihr zur gelungenen ersten Ulisses-Podcast-Folge gratulieren konnte und mit ihr so ins Quatschen geriet, dass ich komplett das Bezahlen vergaß. Sorry, Zoé, war kein plumper Betrugs-Versuch sondern nur ein typisch verpeilter Con-Besucher nach einer langen und anstrengenden Anreise!

Eines meiner persönlichen Highlights der Con war es, "kurz" DSA-Autor Jens Ullrich anzusprechen, seines Zeichens Erfinder von Die Schwarze Katze und Mitentwickler des DSA5-Grundregelwerks. Ehe ich mich's versah, saß ich mit Jens an einem freien Tisch, philosophierte über Die Schwarze Katze, über die in der CCXP aufgegangene RPC (Jens wär früher im Orga-Team) und über zukünftige Ideen, die man noch umsetzen könnte. So träumt Jens davon, irgendwann einmal eine Regionalspielhilfe für den Limbus herauszubringen - einschließlich einer Horde wütender Limbus-Bewohner, die sich darüber beschweren, dass man immer seinen Müll bei ihnen ablädt... Jens, ich würde das Ding sofort kaufen oder beim Crowdfunding unterstützen!

In einer Seitenhalle hatten sich Ulisses-Redakteurin Jasmin Neitzel mit einigen Mitstreitern unter Meisterin und Boten-Autorin Serina Steinmann zu einer Runde Federfall niedergelassen, und ich wagte nur kurz sie für einen Plausch während ihrer Spielrunde zu stören. Stattdessen traf ich den lieben Christian Nehling, seines Zeichens höchst aktiver DSA-Autor, der aktuell an so mancher DSA-Publikation mitgearbeitet hat, mittlerweile selbst Jungautoren betreut (das kommende Heldenwerk im nächsten Aventurischen Boten stammt von einem seiner Schützlinge) und noch einige weitere streng geheime Projekte in der Mache hat. Natürlich verschwand Christian zwischendurch auch immer mal wieder, um heimlich mit DSA-Redakteuren zu konferieren - und mir natürlich nichts von dem Besprochenen zu erzählen. Irgendwann muss ich mal den Blick in die Gedanken perfektionen, um den Ulisses Verlagsplan aus seinem Kopf zu extrahieren...

Fans und Wale

Natürlich waren nicht nur Ulisses-Mitarbeiter oder freie Autoren auf der Con, und so gab es auch so manches von früheren Cons bekannte Gesicht zu sehen: Beim ersten Rundgang traf ich Gerald aus Hessen wieder (das klingt ein Bisschen nach dem Protagonisten eines bekannten Computerspiels), den ich von der 35-Jahre-DSA-Party kannte, weil er einer derjenigen war, der mit Ina Kramer gesprochen und ihr für ihre Arbeit gedankt hatte. Ich hoffe, ich habe mir diesmal seinen Namen richtig gemerkt und werde ihn bis zur nächsten Con nicht wieder vergessen. Und ja, ich warte immer noch auf Deine Fragen, damit ich sie an Ina weiterleiten kann...

Wo eine DSA-Con ist, da sind auch die Hardcore-Fans nicht weit, also diejenigen, die wie ich so ziemlich jedes DSA-Produkt kaufen und auch beim Crowdfunding den ein oder anderen Euro lassen. So stand ich irgendwann mit Jan A. und Carsten S. (die ich beide zuletzt auf der Spielemesse in Essen getroffen hatte) und mit Henner (den ich bisher nur vom sehen kannte) vor dem Uhrwerk-Stand und philosophierte über den kommenden Collector's Club, über Crowdfundings im Allgemeinen und Thorwal im Speziellen, und über alles mögliche andere, was irgendwie mit DSA zu tun hat. Von Jens Ballerstädt erfuhr ich später, dass unsere kleine Truppe im Marketing-Sprech die klassischen "Wale" sind, also Fans, die immer stur dem eingeschlagenen Kurs folgen, sich durch nichts abbringen lassen und dabei alles fressen, was ihnen in den Weg kommt. Gerade im Zusammenhang mit dem Thorwal-Crowdfunding ist es mir eine Ehre, als "Wal" bezeichnet zu werden. Das wohl!

Eine schöne Episode ergab sich auch noch, als ich gerade mit Christian Nehling vor dem Ulisses- und Würfelmeister-Stand redete, als mich plötzlich eine Frau auf meine Tasche ansprach, und mir berichtete, dass sie doch damals bei einem meiner ersten Gewinnspiele einen Preis gewonnen hat, wofür sie sich auch noch einmal herzlich bedankte. Wow, danke - es freut mich immer, wenn meine  Sachen in guten Händen gelandet sind und irgendwo da draußen nun Dutzende dankbare Leser irgendwelche DSA-Publikationen mit Schelmen-Visitenkarte im Schrank stehen haben. Was mich daran erinnert: Ich sollte mich schnellstmöglich dem Dezember-Gewinnspiel widmen...

Die Künstler-Meile

Besonders hochkarätig und eindrucksvoll war für mich die Künstler-Meile der DreieichCon, fand man hier doch so manchen auch in der DSA-Welt wohlbekannten Namen wieder. Ben Maier, Caryad, Diana Rahfoth, Janina Robben, Elif Siebenpfeiffer, Melanie Philippi, Sabine Weiss und Tokala - jeder der DSA-Illustrationen oder gute Rollenspiel-Illus im Allgemeinen liebt, war hier im Paradies. Bei Ben Maier gab es unter anderem das großartige Cover für die Thorwal-Spielhilfe zu sehen - aber nicht unbedingt so, wie man es kennt! Denn extra für die DreieichCon hat Ben eine Version mit veränderten Rollen erstellt und gedruckt - und natürlich habe ich Hornochse wieder versäumt, mir rechtzeitig ein Exemplar zu kaufen, bevor es ausverkauft war. So oder so war es sehr nett mit Ben zu quatschen, und so erfuhr ich auch, dass er gerne mal wieder für DSA zeichnen würde, das Illustration-Budget für normale DSA-Publikationen aber keine so aufwendigen Bilder, wie Ben sie so großartig malt, mehr zulässt (immerhin müssen vom Geld sehr viel mehr und durch die Farbe sehr viel aufwändigere Bilder bezahlt werden als noch zu DSA4 Zeiten). Als ich mich mal vorsichtig erkundigte, was denn ein Ben Maier Titelbild (z.B. für ein mögliches Skriptoriums-Projekt) kosten würde, schlackerte ich kurz mit den Ohren - so viele Skriptoriums-Bücher kann man gar nicht verkaufen! Qualität hat eben ihren Preis! Und Bens Bilder sind großartig!

Der große Saal in voller Pracht

Da ich mich in meiner letzten Monatsumfrage mit dem Thema Illustrationen beschäftigt hatte, lag es nahe, die Ergebnisse mit den anwesenden Illustratoren auszuwerten. Und so waren Katharina Niko (also Tokala) und Steffen Brand die ersten, die einen Blick auf die Ergebnisse werfen konnten. Die gute Nachricht war, dass Steffen in der Beliebtheitsliste auf dem selben Rang wie Ina Kramer gelandet ist (Platz 4), und somit beide Zeichenstile der aventurischen Landkarten ihre Berechtigung zu haben scheinen. Etwas gemein war, dass Tokala eine Stimme weniger als Steffen erhalten hatte, was er ihr bestimmt immer vorhalten wird. Dafür, dass Tokala aber ihren ganz speziellen Zeichenstil hat, der vielleicht nicht zur normalen DSA5-Publikation passt, dafür aber ganz großartig die Ingabe-Vademecums und die Phileasson-Prachtausgaben schmückt, fand ich ihr Ergebnis aber dennoch beeindruckend. Glückwunsch Euch beiden!

Ebenfalls sehr gefreut hat sich Caryad, die - auch wenn sie bereits seit 10 Jahren nicht mehr für DSA zeichnet - noch immer viele Fans unter den DSA-Spielern zu haben scheint und dadurch auf Platz 2 hinter Ulisses-Art-Directorin Nadine Schäkel landen konnte.

Nicht direkt auf der Illustratoren-Meile, sondern in einer Ecke neben der Bühne war der Stand vom Schwarze Ritter Verlag aufgebaut, wo es unter anderem Der kleine Ork bei den Trollen, das neue, mittlerweile fünfte Buch aus der sehr erfolgreichen Orkpapa-Reihe zu kaufen gab. Da die Bücher wirklich zuckersüß, aber erfrischend unkonventionell sind, bin ich ein großer Fan der Reihe, und musste mir das Buch gleich in zweifacher Ausführung gönnen. Am Sonntag konnte ich mir ein Exemplar auch direkt vom Autor und Zeichner Rudolf Eizenhöfer signieren lassen, der zum einen mal wieder ein super sympathischer Gesprächspartner war, und zum anderen auch berichten konnte, dass es das neue DSA-Kinderbuch Misha, der Wolf und der Goblin vermutlich nicht mehr unter den Weihnachtsbaum schaffen wird. Alle, die jetzt traurig sind, können sich ja mit dem Orkpapa und seinem Sohnemann bis ins nächste Jahr trösten... Danke, Rudy, für die tolle Zeichnung!

Rudy Eizenhöfer signiert den neuen Orkpapa-Band

Die  Lesung

Ein Quell der Freude ist es immer, wenn man mit Adrian (auch bekannt als Max Luthard) aus der Nuntiovolo-Redaktion zusammentrifft, der stets gut gelaunt und mit jugendlichem Enthusiasmus für Stimmung sorgt. Nachdem er schon für mein Lieblingsfoto von der Limburger RatCon gesorgt hatte (das mit DSA-Autorin Jeanette Marsteller), gingen wir nun zusammen auf die für 18 Uhr angesetzte Lesung von Bernard Hennen und Robert Corvus, die einen Teil der Anfangsszene aus dem Roman Rosentempel, dem mittlerweile siebten Roman der zwölfteiligen Phileasson-Saga, zum Besten gaben.

Wer schon einmal eine Lesung der beiden besucht hat, weiß grob was ihn erwartet: Etwas Gefrotzel zwischen dem immer mehr zum Thorwaler mutierenden Robert Corvus, und dem deutlich stilleren, aber geduldig die Sticheleien des Schreibpartners erduldenden Bernard Hennen, gefolgt von einer Lesung mit verteilten Rollen, mit anschließender Fragestunde und dem finalen Thorwaler-Chor. Für Adrian war es die erste Lesung dieser Art, und so fand ich mich zu meinem Schrecken irgendwann wild schunkelnd und zu einer krude auf Phileasson umgedichteten Version der Ode an die Freude laut gröhlend im Thorwaler Chor wieder, was weder für meine Stimmbänder noch für mein Schamgefühl förderlich war. Aber bei Swafnir, es hat echt Bock gemacht - Das Wohl!

Die gut gefüllte Lesung der Herren Hennen und Corvus nähert sich dem musikalischen "Höhepunkt"

Am Morgen nach der Lesung gelang es Adrian noch, sowohl Robert (aka Bernd) als Bernard im  großen Saal auszuhorchen, und sie noch einmal auf das Schicksal des armen Charakters Tylstyr aus der Phileasson-Saga anzusprechen, der in den bisherigen Bänden schon einiges durchstehen musste, und wohl auch in den kommenden Bänden noch mehr einstecken muss. Man sah Adrian an, wie er mit dem armen Magier mitleiden würde...

Eine besondere Freude war es mir, nach der Phileasson-Lesung noch Karl-Heinz Witzko treffen und kurz ansprechen zu können, der eine eigene Lesung auf der Con hatte (für die ich leider zu spät angekommen war), und der mit seinen humorigen Romanen und Abenteuern, seinen Beiträgen zu Nostergast und Maraskan Aventurien seinen Stempel aufgedrückt hatte. Insbesondere wollte ich ihn aber schon lange kennenlernen, weil er einst Nachbar von Ina Kramer im Baroniespiel war und mit ihr noch gut befreundet ist. Wir plauderten kurz über Inas neuen Roman und über die Schwierigkeiten, ein Buch in der kleinen deutschen Fantasy-Szene herauszubringen, und dann musste Karli auch schon weiter. Aber ich bin froh, ihn endlich mal kennengelernt zu haben. Sein berühmter Roman Westwärts, Geschuppte! steht noch immer ganz oben auf meiner Liste von Romanen die ich irgendwann mal dringend lesen sollte...

Ab ins Bett

Nach dieser Fülle von Eindrücken war es irgendwann dann auch Zeit für mich ins Hotel zurückzukehren. Ich plauderte noch kurz mit Jasmin und Serina, die gerade ihre DSA-Runde hinter sich gebracht hatten und nun auf der Suche nach einem improvisierten Abendessen waren, und schaute kurz bei Jens Ullrich vorbei, der sich in eine Die Schwarze Katze Spielrunde eingeklinkt hatte. Der Spielleiter trug total coole weil perfekt zum Haar passende Katzenohren, und ich war so fasziniert von jenen Ohren, dass mir nicht auffiel, dass darunter der zumindest auf Facebook allseits bekannte Sören Berndson steckte, mit dem ich beim diesjährigen Kaiser-Raul-Konvent so unerfolgreich wie sympathisch die Diener des Namenlosen vertreten habe.

So sehen Sörens Ohren aus

Ich gönnte mir zum Abschluss des Tages noch eine der letzten verkauften Pommes-Portionen (was nach einem langen Con-Tag ohne Mittagessen echt ein Segen war), schlenderte noch etwas durch die Hallen, und machte mich dann schließlich auf den Weg ins Hotel, das immerhin eine Viertelstunde Fußmarsch entfernt war. Meine guten Absichten, dort noch die Zusammenfassung der November-Umfrage fertigzustellen, zerschlugen sich schnell an meiner nicht unerheblichen Müdigkeit, und so fiel ich gegen Mitternacht in die Koje.

Am nächsten Morgen schaffte ich nach einem kurzen Frühstück wenigstens noch ein paar Zeilen zu schreiben, bevor ich gegen zehn mein Hotelzimmer räumte und wieder zur Con aufbrach. Ich war gerade erst am Rand des Bürgerparks angekommen, als ich hinter mir eine Stimme hörte, und plötzlich Rafael Knop auf mich zukommen sah, Autor diverser DSA-Publikationen (u.a. Co-Autor von Der Klang des Feyraasal und Schöpfer des Thorwal-Abenteuers Fauler Frühling), der zusammen mit seinem Kumpel (Michael?) gerade den Weg zum Bürgerhaus suchte. Mit Rafael zu reden ist immer eine besondere Freude, und sein Enthusiasmus und seine gute Laune sind echt ansteckend. Er erzählte etwas vom bevorstehenden Sternenträger-Panel, nahm im Ulisses-Shop stolz sein Rezensions-Exemplar von Der Klang des Feyraasal entgegen, und erzählte auch so von den Zwölfgöttern und der Welt. Der einzige Wermutstropfen, der mich etwas traurig stimmte, war die Info, dass aufgrund der zahlreichen kommenden Publikationen, an denen Rafael beteiligt ist, das auf dem KRK entworfene Mirham-Abenteuer wohl erstmal nicht kommen wird - schade, das Szenario klang sehr spannend! Aber wenn man dafür eine neue Hochelfen-Kampagne und eine tolle Thorwal-Spielhilfe samt Regionalabenteuer bekommt, werde ich mich nicht beklagen...

Bis zum Beginn des Sternenträger-Panels sprach ich noch kurz mit Lillytaku (die ich aus dem Aventurischer Podcast Discord kannte), und traf auch wieder auf Adrian, Sören, Henner, Jasmin und Serina, sodass man wieder in gepflegter Runde quatschen konnte. Irgendwann wurde es mir aber mit meinen Einkäufen in der Sporttasche über meiner Schulter zu ungemütlich, und ich ging frühzeitig in Richtung der Stadtbibliothek, wo das Sternenträger-Panel stattfinden sollte.

Das Sternenträger-Panel

Da ich viel zu früh war, setzte ich mich in die hinterste Reihe, packte meinen Laptop aus, um weiter an der Gewinnspiel-Auswertung zu arbeiten, und lauschte mit halbem Ohr den durchaus interessanten Ausführungen von Stefan Küppers, der DSA-Fans sicherlich auch noch etwas sagen dürfte, der aber diesmal über Superhelden-Rollenspiele und ihre Besonderheiten erzählte. Während ich wartete stießen auch noch Sören, Lillytaku und Adrian dazu, und gegen 13 Uhr konnte das Panel dann endlich losgehen.

Auf der Bühne hatten sich neben DSA-Chefredakteur Niko Hoch und den beiden Phileasson-Autoren Robert Corvus und Bernard Hennen (die beratend bei der Konzeption der Kampagne beteiligt waren und in ihren Romanen einige Anknüpfungspunkte für die Kampagne gelegt haben) die beiden Abenteuer-Autoren Dominic Hladek und Rafael Knop niedergelassen, die gemeinsam am frisch erschienenen zweiten Band der Reihe Der Klang des Feyraasal geschrieben haben. Den Abschluss der illusteren Truppe bildete Christian de Ahna, der nicht nur Mitorganisator der DreieichCon ist, sondern auch Initiator der ganzen Kampagne.

Das hochkarätig besetzte Sternenträger-Panel

Christian und seine Mitstreiter berichteten, wie es zu der Idee einer weiteren Hochelfen-Kampagne kam, wie die Autoren für die bisher erschienenen Teile gefunden wurden, und was uns in Teil 2 erwartet. Auch wenn kaum Spoiler auf die kommenden Teile verraten wurden, war es eine höchst interessante und kurzweilige Runde, und insbesondere als Spielleiter einer aktuellen Sternenträger-Runde (ich war der einzige, der sich bei der Frage, wer denn schon mit dem Spielen der Kampagne begonnen habe, gemeldet hat) war es spannend, einen Blick auf den Entstehungsprozess eines solchen Mammutprojekts werfen zu können. Die gute Nachricht ist, dass bei der Veröffentlichung aktuell alles im Plan liegt, und auch die kommenden Teile im versprochenen Drei-Monats-Rhythmus kommen werden. Ich bin gespannt auf das Endergebnis!

Der Ausklang

Nach einer Stunde war das Panel auch schon wieder vorbei, und die Massen an Teilnehmern strömten zurück in die Halle. Meine jungen Begleiter und ich gönnten uns beim echt leckeren Hallen-Catering ein Mittagessen (für mich gab es ausgesprochen schmackhaftes Chili con Carne), und setzten uns dann an einen der wenigen fast freien Tische, wo wir den armen Jens Ullrich beim Niederschreiben neuer DSK-Ideen störten. Jens war aber wieder sehr großzügig, teilte seinen Tisch mit uns und plauderte mit uns über Dies und Das, und so wurde es noch eine sehr unterhaltsame und gemütliche Runde.

Für mich nahte damit aber leider auch bereits das Ende der Convention: Dreieinhalb Stunden Bahnfahrt lagen vor mir, ich war froh, die schwere Sporttasche mit den Einkäufen nicht mehr durch die Hallen wuchten zu müssen, und meine Erkältung und das viele Reden und Gröhlen hatte meine Stimme fast vollkommen zerstört. Und so verabschiedete ich mich um halb vier schweren Herzens von der DreieichCon, stieg in den erstbesten Bus Richtung Flughafen, kaufte per Handy-App eine ICE-Bahnfahrkarte bis Düsseldorf, und ließ mich entspannt mit nur zweimaligem Umsteigen in die Heimat bringen. Wo mich meine Familie auch schon am Hauptbahnhof in Empfang nahm.

Das Fazit

Das war sie also: Meine erste DreieichCon! Nachdem ich jahrelang vergeblich versucht hatte, mir für diesen November-Termin Zeit freizuschaufeln, weiß ich nun endlich was ich verpasst habe. Eine sehr gemütliche, aber dennoch große Con, mit unzähligen bekannten Gesichtern und netten Gesprächen. Gespielt habe ich, natürlich, mal wieder nicht - dazu fehlt es mir einfach an Zeit und Muße. Immerhin war ich gerade einmal einen Tag vor Ort, und dennoch: Wenn ich mir ansehe und oben durchlese, was ich an diesem einen Tag für tolle Erlebnisse hatte, hat sich die lange Anreise mehr als gelohnt.

Wenn ich die freie Wahl hätte und nicht nebenbei Job und Familie stemmen müsste, würde ich im nächsten bereits morgens anreisen, um noch mehr Vorträge anhören und mit noch mehr Leuten reden zu hören. Gerne hätte ich den Vorträgen von Jens Ballerstädt (über moderne Kommunikationsformen und Rollenspiel) oder der Lesung von Karl-Heinz Witzko gelauscht, hätte mir die Verleihung des Goldenen Stephans angesehen - oder hätte mir einfach noch mehr Zeit genommen, um mit Autoren, Fans und anderen netten Menschen zu reden.

So oder so: Wenn sich im nächsten Jahr die Gelegenheit ergeben sollte, und mein voller Terminplan es mir erlaubt, würde ich das Erlebnis DreieichCon gerne wiederholen. Denn jene zwei Tage im seltsam verwinkelten Bürgerhaus repräsentieren viel von dem, was unsere Rollenspiel-Szene auszeichnet: Viele nette, weltoffene, verspielte Menschen werden auf engem Raum versammelt, um zwei Tage lang eine geile Zeit zu verbringen. Kein schlechtes Konzept, wie ich finde!

Im nächsten Jahr findet die DreieichCon zum 30. Mal statt. Ich bin gerne wieder dabei!

Kommentare

  1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Con-Bericht! Wie immer so geschrieben, als sei man direkt Zeuge der Erlebnisse gewesen. Ich freue mich schon auf das kommende Jahr!

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    1. Vielleicht wirkte es so auf Dich, weil Du selbst teilweise "Zeuge der Erlebnisse" gewesen bist! ;-) Ja, ich freue mich auch darauf, dass die Con-Saison endlich wieder losgeht. Das Schunkeln mit Dir beim Phileasson war eines der denkwürdigsten, peinlichsten, verstörendsten, aber auch lustigsten Ereignisse der diesjährigen Con-Saison! Danke für's Lesen!

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  2. Wie immer ein toller Bericht, lieber Kai!
    Ich freu mich auf unser nächstes Treffen, dann wohl zum KRK. :) Bis dahin harre ich gespannt der weiteren Sternenträger-Berichte. :)
    Viele Grüße, Rafael.

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    1. Ja, die Sternenträger-Berichte... ich werde mein Möglichstes geben, sie einigermaßen aktuell zu veröffentlichen. Auch wenn ich jetzt bereits wieder im Verzug bin (Folge 2 hätte schon seit einer Woche fertig sein müssen, und Donnerstag folgt schon die dritte Sitzung), aber das wird schon irgendwie. Dir danke ich nochmal für die schönen Con-Unterhaltungen und freue mich auf Deine kommenden Abenteuer! Danke für's Lesen! Bis zum KRK! Yeah!

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  3. Wahle sind einfach nur sehr Umsatzstarke kunden, das hat wenig damit zu tun welche Produkte sie bevorzugen: https://venturebeat.com/2013/03/14/whales-and-why-social-gamers-are-just-gamers/

    Also typische "Kompeltionisten" und "alles haben müsser" sind Wahle.

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    1. Danke für den Link und die Erläuterung; das "umsatzstark" und "alles haben müssen" sollte bei der Wal-Metapher natürlich in dem "alles fressen" mit drinstecken. Aber so wird es klarer. Besten Dank für's Lesen und Kommentieren!

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