Der Kaiser-Raul-Konvent 2019

Kaiser-Raul-Konvent! Diese drei magischen, durch zwei Bindestriche zu einem harmonischen Ganzen verbundenen Worte lassen jedes Jahr die Herzen vieler DSA-Spieler schneller schlagen. Auch für den Schelm ist nach einem unendlich langen Jahr und der erbetenen Pressesperre die Zeit des Wartens endlich vorbei, und er kann Euch von seinen Erlebnissen auf der tollsten Rollenspielveranstaltung des Jahres berichten. Freut Euch auf Kinderbett-Kuchen, Ulmenkabinett-Sauna, blitzschnelle Mietwagen, Dämonenarchen-Debakel, Schwarze-Keiler-Restaurantkritiker und Günther Gotongi!

Wenn Ihr diese Zeilen lest, liegt der Kaiser-Raul-Konvent 2019 bereits wieder mehr als zwei Monaten in der Vergangenheit. Dass der Artikel soviel verspätet erscheint, hat aber ausnahmsweise nichts mit der Schreibfaulheit des Schelms zu tun, sondern - wie im letzten Jahr - mit der von Ulisses erbetenen Nachrichtensperre. Auch wenn wir Euch gerne schon viel früher über die tollen Erlebnisse im fernen Oberems berichtet hätten, mussten auch wir Geduld üben, und hoffen, dass Ihr, liebe Leser, nicht zu sehr unter der nervenzerfetzenden Spannung gelitten habt.


Die Eintrittskarten

Wer wie ich bereits im letzten Jahr Teilnehmer des damaligen Kaiser-Raul-Konvents war, hatte im letzten Dezember das Glück, eine E-Mail von Ulisses in seinem Postfach vorzufinden, die eine Vorbestellung der KRK-Tickets ermöglicht. Wer letztes Jahr nicht dabei war, musste sich hingegen bis Mitte Januar gedulden, als die wenigen verbliebenen Tickets in den freien Verkauf gingen. Insgesamt gilt also: Wer einmal dabei war, kann immer wieder dabei sein, solange er nicht in einem Jahr auf die Teilnahme verzichtet und dadurch den Platz für einen Nachrücker freimacht. 

Es ist durchaus nicht unmöglich, auch als Neuling an einem KRK teilzunehmen: Schließlich haben mein Kumpel Christoph und ich es im letzten Jahr auch geschafft, ohne beim ersten KRK 2017 gewesen zu sein. Und auch in diesem Jahr gab es einige Nachrücker-Tickets von angemeldeten Personen, die aus persönlichen Gründen doch nicht teilnehmen konnten. Also: Nicht von der Vorbesteller-Aktion für KRK-Veteranen abschrecken lassen, sondern es einfach versuchen. Aber Achtung: Die Platzvergabe erfolgt nach Reihenfolge des Mail-Eingangs, zuviel Zeit sollte man sich für seine Anmeldung also nicht lassen.

Ich habe mir in diesem Jahr statt einer normalen Karte eine Ulmenkabinett-Karte erlaubt, d.h. ich gehörte zu den zwölf Personen, die am ersten Abend der Veranstaltung einer recht exklusiven Gesprächsrunde mit der DSA-Redaktion beiwohnen durften (dazu später etwas mehr). Weiterer Vorteil des Ulmenkabinetts sind die garantierten Einzelzimmer sowie die freie Auswahl der von den Panthergardisten angebotenen DSA-Spielrunden. Ich muss zähneknirschend gestehen, dass ich das Rahmenprogramm dieses Jahr interessant genug fand, um an keiner Rollenspielrunde teilzunehmen, und mich stattdessen mit Workshops, Panels und einer Aventuria-Runde zu beschäftigen. Was im Nachhinein sehr schade ist, denn die Abenteuer-Zusammenfassungen klangen sehr spannend, und die Resonanz der Spieler, die ich im Laufe des Events mitbekommen habe, war durchweg positiv. Vielleicht darf im nächsten Jahr wieder mein Ex-KGIA-Agent Delo Finsterkamm seine Würfel rollen lassen.

Der Kuchen

Da ich dieses Jahr kein Heldendokument vorzubereiten hatte, und keine Lust hatte, schon wieder DSA-Schokolade oder -Nudeln herzustellen, hatte ich mir dieses Jahr ein neues, etwas riskantes Experiment überlegt. Meine geliebte Ehegattin hatte in den letzten Monaten eine leichte, mittlerweile glücklicherweise wieder etwas abgeflaute Begeisterung für eine kochende und backende YouTuberin namens Sally entwickelt, die unter anderem spektakuläre Torten zu fertigen versteht. So musste selbst ich die Kinnladen-herunter-klappende Weinfass-Torte mehrfach betrachten und bewundern, und muss gestehen, dass mich der Fertigungsprozess faszinierte.

Also wurde in den letzten Wochen eifrig Zutaten (Rollfondant,  Modellierschokolade, Backmischungen) und Hilfsmittel erworben (Fondantglätter, Kuchenkleber, Silberspray, Silikon-Matte, etc.), um eine eigene Kreation anzugehen. Natürlich sollte es etwas schlichter und einsteigerfreundlicher sein (wer sich an die Zwölfgötter-Kekse von der letztjährigen Spielemesse in Essen erinnert, wird meine fehlenden Back-Kenntnisse kennen), und etwas mit unserem Rollenspiel-Hobby zu tun haben. Die Idee war es, ein DSA-Logo in geeigneter Größe herzustellen, das man mehreren hungrigen Gästen vorsetzen kann, ohne sich vollends zu blamieren.

Ich begann mit dem Backen eines klassischen Schokoflocken-Kuchens aus einer Backmischung, den ich in eine 30 cm breite und 12 cm lange Kastenform füllte. Leider ging der Kuchen nicht hoch genug auf, sodass der fertige Kuchen etwas mickrig dünn daherkam. Aber die grundlegenden Abmessungen fand ich schon in Ordnung. Da das DSA-Logo sehr breit, aber nicht sehr tief ist, musste ein zweiter Kuchen gebacken werden, der die zweite Hälfe des DSA-Logos repräsenteren sollte. Für das stilisierte Auge musste schließlich noch ein dritter Schokoflocken-Kuchen in die Backofen-Röhre geschoben und anschließend halbkreisförmig ausgeschnitten werden. Alle drei Kuchen-Teile wurden mit der praktischen Torten-Säge auf eine einheitliche Höhe gebracht und mit Kuchen-Kleber notdürftig aneinander befestigt. Die Rohform des Kuchens war fertig!

Drei Backmischungen ergeben eine DSA-Logo-Kuchen-Grundform

Für die schwarz-weiße Gestaltung des eigentlichen Logos schwankte ich zwischen einer Schoko-Glasur, einem Fondant-Überzug sowie der Verwendung von Modellierschokolade. Da ich mich mit letzterer überhaupt nicht auskenne (und etwas Respekt vor der Arbeit mit Schokolade habe), und meine Schoko-Glasuren meist furchtbar ungleichmäßig und löchrig ausfallen, entschied ich mich für Fondant als Umhüllung. Mein Versuch, eine schwarze, fertig ausgerollte Fondant-Decke im Laden zu erwerben, scheiterte kläglich (es gab in vier Geschäften nur weiße Fondant-Decken), sodass ich selbst zum Nudelholz und zu schwarzem Rollfondant greifen musste. Dank meines frisch erworbenen Nudelholzes mit einstellbaren Abstandshaltern gelang das Ausrollen nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen gut genug, um die schwarze Decke (die ich eigentlich nur probeweise auf dem Kuchen drapieren wollte) sofort zu befestigen. Das Resultat sah nun schon erstaunlich vielversprechend aus.

Die nur probeweise applizierte Fondant-Decke wurde für gut genug erklärt

Der aufwändigste Teil stand mir noch bevor: Das Ausschneiden der weißen Umrandung sowie der Buchstaben. Erstere waren kein großes Problem, konnte man doch einfach lange Streifen aus der weißen Fondantdecke schneiden und passend auf dem Kuchen auslegen. Schwieriger waren die Buchstaben, die ich einzeln mit einem Skalpell aus dem Fondant ausschnitt. Als Vorlage verwendete ich maßstabsgetreue Papp-Buchstaben, die ich mit meinem sonst nur ungenutzt in der Ecke rumstehenden Schneidplotter auf Basis eines hochskalierten Bildes des DSA4-Original-Logos ausschnitt. Zum Befestigen wollte ich eigentlich wieder eßbaren Kleber verwenden, stellte aber schon bald fest, dass die Buchstaben durch unsere recht warme Wohnung relativ schnell mit dem Untergrund verschmolzen, und so eine separate Befestigung überflüssig wurde.

Die ersten einzeln per Skalpell aus Fondant ausgeschnittenen Buchstaben

Eingewickelt in Frischhaltefolie und auf einem Verlängerungs-Brett aus unserem Babybett platziert, stand einem spektakulären DSA-Kuchen auf dem KRK eigentlich nichts mehr im Wege.

Der fertige Kuchen in voller Pracht

Zusätzlich zum Backwerk wurden noch diverse Resultate meines November-Bastelmarathons, Vier Helden und ein Schelm Devotionalien sowie die wertvollen Ina Kramer Originale (Landkarte Südliches Aranien und Westliche Zyklopeninseln sowie das Portrait von Waldemar dem Bären) eingepackt, um stolz damit angeben zu können und andere Interessierte ehrfürchtig die Kunstfertigkeit der Prä-Photoshop-Zeit bewundern zu lassen. Nach und nach füllte sich so ein großer schwerer Baumarkt-Klappkorb mit Kuriositäten, DSA-Regelwerken, Getränken und Knabberkram, und wurde ächzend und schnaufend in den Kofferraum unserer Benzinkutsche verfrachtet. Fertig! Die Überlandreise in die Schwarze Sichel … ähhh… den Taunus konnte beginnen!

Die Anreise

Da der Kaiser-Raul-Konvent in diesem Jahr nicht wieder im Frankfurter Relexa-Hotel stattfinden sollte, sondern stattdessen im etwas abgeschieden liegenden Collegium Glashütten in Oberems (nur ein paar Kilometer von der Ulisses-Zentrale in Waldems entfernt), zogen wir eine Anreise per Bahn diesmal gar nicht erst in Betracht, sondern entschieden uns für einen Mietwagen. Und so holte ich meinen DSA-Kollegen und Kindergarten-Freund Christoph, der auch schon beim letzten KRK dabei war, am Freitag morgen mit dem überraschend großen Mietwagen ab, und wir machten uns auf die etwa zweieinhalbstündige Fahrt von Bochum nach Hessen.

Während der Fahrt hörten wir die Hörbuch-Fassung der Kurzgeschichte Der Scharlachkappentanz von Lena Falkenhagen aus der Jubiläums-Anthologie Magische Zeiten, die vom Horchposten-Verlag für die 25-Jahre-DSA-Jubiläums-Box vertont wurde. Sie hat uns die Fahrt ganz gut verkürzt, auch wenn der Großteil der Geschichte bereits so (oder so ähnlich) in “Der Feuertänzer” erzählt wurde, dem zweiten Band der Galotta-Trilogie, die wir beide bereits gelesen hatten. Als wir die Autobahn verließen, um über Bad Camberg gen Oberems zu fahren, und dabei innerhalb kürzester Zeit von Tempo 100 auf 30 abgebremst wurden (was ich wohl nicht schnell genug tat), wurde freundlicherweise von einem just zu diesem Zwecke am Straßenrand angebrachten Fotoautomaten ein schönes Erinnerungsfoto von mir angefertigt, das uns darüber hinaus sogar noch bis nach Hause nachgeschickt wurde. Ein wirklich hervorragender Service der Stadt Bad Camberg. Vielen Dank dafür!

Ein fröhliches Foto unserer Anreise!

Die Ankunft

Es war kurz nach vier, als wir Glashütten-Oberems durchquert hatten und vor uns das imposante Collegium aufragen sahen. Der großartigste Anblick waren ohne Zweifel die beiden rechts und links der Einfahrt im Wind wehenden Kaiser-Raul-Konvent-Fahnen, die sogleich die richtige Stimmung für das dreitägige Event vermittelten. Kompliment an Ulisses, die Fahnen waren ein tolles Detail, für das auch während der Veranstaltung des Öfteren mal Lob ausgesprochen wurde.

Die sehr coolen KRK-Fahnen [Quelle: Ulisses, Instagramm]

Das treue vierrädrige Gefährt wurde abgestellt, die schwere Kiste mit KRK-Ausrüstung zur Rezeption gewuchtet. Der Check-In verlief schnell und freundlich, sowohl Christoph als auch ich freuten uns über jeweils ein Einzelzimmer (Christoph hatte eigentlich ein Doppelzimmer, aber glücklicherweise tauchte sein ihm unbekannter Mitbewohner nicht auf). Am Ulisses-Info-Stand wurde schnell die Teilnehmer-Mappe abgeholt, wobei Nadine Schäkel vergeblich versuche den Namen “Schelm, Der” auf der Liste zu finden. Stattdessen war fälschlicherweise ein “Frerich, Kai” dort eingetragen. Wie konnte sowas passieren?

Mein Zimmer lag direkt über dem Info-Schalter-Bereich, sodass man auf dem Flur vor dem Zimmer durch die verglasten Fenster immer auf das muntere Treiber hinabblicken konnte. Das Zimmer selbst war hell und freundlich eingerichtet, der Ausblick auf die hotzenplotzige Hügellandschaft großartig. Doch für die Schönheit der Natur blieb nicht viel Zeit, denn zunächst wollte der Inhalt der Con-Tüte begutachtet werden.

Blick aus dem Hotelzimmer auf die unberührte Natur

Da wären zunächst die beiden Orden: Wie im letzten Jahr gab es einen Teilnehmerorden mit gekreuzten Klingen, die diesmal ein grün-blaues statt einem rot-blauen Ordensband trugen. Zusätzlich gab es einen etwas größeren Greifenanhänger am rosa Band, der mich als Mitglied des Ulmenkabinetts auswies. Ein Sammlerstück, für das mir zweimal Leute Geld anboten, das ich aber dennoch behalten habe.

Teilnehmerorden und Ulmenkabinett-Orden

Neben den Orden gab es das neue KRK-exklusive Heldenwerk-Abenteuer Hoffnung in der Finsternis, das vom Autoren-Trio Anni DürrDavid Lukaßen und Julian Härtl geschrieben wurde, und das von einer Rettungsmission in den dämonischen Teil Transysiliens handelt. Ein Durchblättern des Abenteuers machte direkt Lust auf mehr, und es tut mir für alle nicht KRK-Teilnehmer leid, dass sie dieses Abenteuer vermutlich erst sehr viel später (auf einer der beiden RatCons?) erwerben können werden.

Auch ein kleiner, unspektakulärer KRK-Würfel 2019 purzelte aus der Tüte, der auf der Seite der 6 das KRK-Logo samt Jahreszahl zeigte. Letztes Jahr musste dieser Würfel noch separat erworben werden, dieses Jahr wird er kostenlos allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt. Vielen Dank, Ulisses, für diese nette kleine Geste.

Vielleicht am Wichtigsten aber ist die KRK-Mappe samt Programmheft, sind doch hier die Termine der zugewiesenen Spielrunden, Panels und Workshops aufgelistet, aber auch die  Liste der KRK-exklusiven Produkte, die jeder Teilnehmer nur einmal erwerben durfte und sie sich somit im Programmheft abstempeln lassen musste. Ein wichtiges Detail, das man beim Shoppen im Shop tunlichst nicht vergessen sollte (siehe unten!).

Ach ja: Ein Namensschild war auch noch drin, das auf der Vorderseite (welch Überraschung!) den Namen des Teilnehmers, auf der Rückseite aber ein Symbol einer aventurischen Vereinigung zeigte. Wie vermutet wurde diese Information für das Gruppenspiel am Samstag Abend benötigt, wie wir später sehen werden. Ein wichtiger Wunsch für das nächste Jahr sei aber noch erwähnt: Es wäre nett, wenn neben den Namen der Teilnehmer auch noch ihr Forenname von Orkenspalter, DSAForum oder Facebook aufgelistet wäre. So hätte man einige  Personen, mit denen man bisher nur online Kontakt hatte, sehr viel schneller erkennen können.

Dass das nicht nur ein theoretischer Vorteil ist, sah man direkt wenige Minuten später: Bewaffnet mit Orden und Namensschild ging es hinunter in die Menge der langsam eintrudelnden Teilnehmer, um bekannte Gesichter zu begrüßen. Rafael Knop, Philipp Neitzel, Julian Härtl, Niko Hoch, Steffen Brand, Markus Plötz, Torsten Most, Marcel Blex, Karsten Wiegers, Serina Hänichen, Dennis Jantoss… die Liste der Redakteure und Panthergardisten, mit denen ich innerhalb der nächsten ein oder zwei Stunden stets mehr oder weniger kurz quatschen konnte, ist wunderbar lang, und da sind noch nicht einmal die ganzen bekannten Gesichter der anderen Teilnehmer dabei, die man noch vom letzten Jahr kannte und mit denen man Smalltalk austauschen konnte. Steff Tannert konnte ich noch für seine tolle Ulli Kiesow Miniatur danken, die er so kunstvoll bemalt hatte. Gleich von mehreren Teilnehmern erhielt ich die schöne Rückmeldung, dass sie meinen Blog sehr gerne lesen würden und einige sogar bereits einen der Preise gewonnen hatten. Auch der DSA-Logo-Kuchen wurde herumgezeigt, und erntete viel bewunderndes (oder geheucheltes?) Lob, bevor ich ihn vorsichtshalber schon einmal nach unten zur Küche brachte, damit ihn jemand freundlicherweise auf dem Nachtisch-Buffet drapieren könnte.

Stolz präsentiert der Schelm den Kuchen, und wird dabei kritisch oder hungrig beäugt [Quelle: Ulisses/Instagramm]
Wer noch nie selbst auf dem KRK war, wird nur schwerlich nachvollziehen können, wie entspannt und locker die gesamte Atmosphäre war. Als jemand, der mit zwanglosem Smalltalk stets große Probleme hatte, hätte ich diese Begrüßungsphase eigentlich hassen müssen, und doch scheinen beim Kaiser-Raul-Konvent andere gesellschaftliche Normen zu gelten. Statt peinlichem Schweigen war überall fröhliches Begrüßen, Erzählen und Lachen zu hören, überall sah man bekannte Gesichter vom letzten Jahr wieder, deren Namen man vielleicht nicht kennt, aber mit denen man letztes Jahr in einer Spielrunde gesessen, zu Abend gegessen oder im Aufzug gequatscht hatte, und die man nun ganz unverbindlich aber herzlich wieder durch freundliches Nicken begrüßen konnte. Ein kurzes “Hallo” hier, ein kleiner Smalltalk da - die Zeit bis zum Abendessen (immerhin drei Stunden) verging wie im Fluge.

Der Shop

Vorher gab es aber, anders als im letzten Jahr, noch die feierliche Eröffnung des DSA-Shops, der mal wieder auf den hochtrabenden Namen Tempel von Handel und Wandel hörte. Da ich zu den ersten Wartenden in der vergleichsweise kurzen Schlange gehörte, betrat ich einen noch fast leeren, im Vergleich zum letzten Jahr sehr viel größer wirkenden (und diesmal angenehm kühlen) Shop, in dem das Herz jedes DSA5-Spielers aufgehen musste: Zur Linken gab es einen großen Tisch mit “alten” Sammler-Ausgaben von früheren Veranstaltungen. Wer also noch einmal die blaue Aventurische Magie 2, die ersten beiden Heldenwerk-Sammelbände oder ein amerikanisches Grundregelwerk kaufen wollte, kam hier voll auf seine Kosten. Wenn man bedenkt, was die blauen Bände in der Vergangenheit für Preise auf ebay erzielten, war es höchst erstaunlich (und beruhigend) wie gering das Interesse an diesen Restposten war.

Viel interessanter war da schon der Tisch in der Raummitte, auf dem die diesjährigen Neuheiten präsentiert wurden: So gab es das blaue Heldenwerk-Archiv 3 zu erwerben, die Aventurischen Tiergefährten sowie die ebenfalls seit der RatCon angekündigten beiden neuen Plüschis Greif und Gotongi. Mehr Neuheiten gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Die drei im Programmheft angekündigten Mystery-Produkte sollten erst ab Samstag erhältlich sein.

Neuheiten und Greifenfreunde im Tempel von Handel und Wandel

Die übrigen Regale im hinteren Bereich des Raums sowie auf der rechten Seite enthielten so ziemlich alles, was aktuell von DSA5 in gedruckter Form existiert. Außerdem gab es einen großen Tisch mit Würfeln, Stempeln, Schicksalspunkten, und anderem Kleinkram. Lustigerweise gab es auch für wenige Euro die beim ersten KRK im Jahre 2017 verkauften KRK-Schicksalspunkte, die ich seinerzeit für günstige 70€ (in Worten: siebzig Euro!) auf ebay erworben hatte (damit waren sie teurer, als wenn sie aus purem Silber gefertigt worden wären!), und die hier einen einstelligen Euro-Betrag kosteten. Wie so oft sieht man mal wieder, dass sich das Zahlen von ebay-Mondpreisen nicht lohnt.

So raffte ich also die beiden Plüschis, ein Heldenwerk-Archiv 3 (für mein Gewinnspiel - ich selbst bevorzuge die farbige Standard-Hardcover-Ausgabe gegenüber der blauen Sonderausgabe), die Aventurischen Tiergefährten und eine Packung KRK2018-Schicksalspunkte zusammen, und stellte mich fröhlich grinsend in die wunderbar kurze Schlange an der Kasse.

Natürlich kam es, wie es kommen musste: Ich hatte mein Programmheft im Hotelzimmer vergessen, sodass ich die KRK-exklusiven limitierten Produkte (Schicksalspunkte und Heldenwerk-Archiv) nicht erwerben konnte. Also kaufte ich erstmal den Rest, brachte ihn auf mein Zimmer, schnappte mir das Programmheft und sauste zurück in den Shop, in dem sich mittlerweile eine gefühlt 50 Personen starke Schlange gebildet hatte, die sich mit Kontinentaldrift-Geschwindigkeit an der nicht gerade für ihre Rasanz bekannten Kasse vorbeischob.

Die nächste halbe Stunde, die ich mit anderen Wartenden in der Schlange verbrachte, war aber keineswegs verlorene Zeit, sondern war wie auch im letzten Jahr ein soziales Event, das ich nicht verpassen wollen würde: So wurde mit allen Leuten vor und hinter einem in der Schlange gequatscht und geblödelt. Ich konnte mich länger und sehr nett mit Panthergardist Christian Nehling unterhalten, und dabei sein, als erst alle heiß begehrten Gotongi-Plüschis ausverkauft wurden, und dann auf das beständige und von Herzen kommende Gejammer von einigen Personen vom sich erbarmenden Philipp Neitzel nachgelegt wurden. Beim zweiten Durchlauf bekam ich auch glücklicherweise mit, dass es ja auch noch die zuvor georderten KRK-T-Shirts zu Abholung gab, von denen natürlich auch sofort eines mitgenommen wurde. Als ich endlich alles bezahlt und im Zimmer verstaut hatte, war der Großteil der Gäste bereits im Speisesaal verschwunden, sodass auch ich mich schnell dorthin auf den Weg machte.

Das Collegium

Bevor es an das Buffet ging, sei noch kurz die Örtlichkeit ein wenig näher beschrieben: Das Collegium Glashütten weist eine ausgesprochen offene und helle, aber auch seltsam verwinkelte Geometrie auf, die die Zimmersuche stets interessant, aber nie überfordernd machte. Eine kleine Treppe hier, eine unerwartete Sitzecke da, eine gut bestückte Kaffeebar dort - schon allein architektonisch hat sich der Umzug vom vergleichsweise brutal langweiligen 08/15-Design des Relexa-Hotels in Frankfurt mehr als gelohnt. Da wir im Gegensatz zum letzten Jahr diesmal auch komplett unter uns waren und keine verstörten Blicke von Steuerberatern, Versicherungsvertretern oder normalen Hotelgästen befürchten mussten, war die Atmosphäre noch einen Hauch entspannter. Das Personal war die meiste Zeit komplett unsichtbar, dafür aber durchweg professionell und zuvorkommend, wenn man sie mal benötigte. Nein, zu meckern gab es in meinen Augen am Hotel rein gar nichts. Da war sogar die ÖPNV-unfreundliche Anreise über die Blitzkasten-Strecke verziehen!

Das Nachtisch-Buffet samt DSA-Kuchen

Das Abendessen-Buffet war gut und reichhaltig, auch wenn die Hauptgericht-Auswahl eher überschaubar war. Dafür gab es ein tolles Nachspeisen-Buffet, auf dem stolz in der Mitte mein krummer und schiefer DSA-Kuchen thronte. Auch wenn ich eine Viertelstunde zu spät beim Essen auftauchte, kam ich doch direkt pünktlich, um dem feierlichen Anschnitt des Kuchens beiwohnen zu können: Ein mutiger Gast hatte sich erbarmt und das erste Stück genommen. Danach ging es ganz schnell: Als ich nach zehn Minuten mein Abendessen vertilgt hatte, war der Kuchen schon fast ratzeputz verzerrt worden. Höchst zufrieden mit meinem Werk, und stolz auf die lobenden Worte wildfremder Kuchenesser, verließ ich den schönen Speisesaal.


Das erste Kuchenstück

Die Keynote

Wie schon im letzten Jahr gehörte der Freitag Abend der großen Keynote, die wie einmal mehr souverän von Verlagschef Markus Plötz moderiert wurde. In insgesamt zwei Stunden wurden die Veröffentlichungen des letzten Jahres, die aktuellen Neuheiten sowie die in Zukunft erscheinenden Produkte präsentiert. Auch wenn der ein oder andere sich im Nachhinein darüber beschwerte, dass der eigentlich interessante Teil (die Neuheiten) nur gut eine halbe Stunde einnahm und man dafür anderthalb Stunden bereits bekannter Informationen über sich ergehen lassen musste, fand ich es mal wieder interessant zu sehen, was alles seit letztem Jahr erschienen ist, und dass man als DSA-Fan auf sehr hohem Niveau meckert, wenn man sich über mangelnden Produktausstoß beschwert. So fielen in das letzte Jahr die Auslieferung von Kaiser-Retro, von Wege der Vereinigungen, der Havena-Box und der Flusslande (für eine ausführliche Analyse der Erscheinungen des letzten Jahres sei auf den Jahresrückblick 2018 verwiesen).

Ein unerfreuliches Thema wurde ebenfalls konkret angesprochen: Nachdem es in den letzten beiden Jahren leider so war, dass die Neuheiten des KRK bereits während der laufenden Convention zu unverschämt überteuerten Preisen auf ebay aufgetaucht waren, wurden von Seiten Ulisses Versuche unternommen, dieses asoziale Verhalten einiger Weniger zu unterbinden. So scheint Markus Plötz sich die bekannten Verkäufer auf ebay persönlich vorgenommen und ihnen diese Wucherverkäufe ausgeredet zu haben. In einem arg uneinsichtigen Fall musste Ulisses von seinem Hausrecht Gebrauch machen, und die betreffende Person einfach von weiteren KRKs ausschließen. Mit dieser harten Schiene scheint man in diesem Jahr Erfolg gehabt zu haben, sind doch bisher, soweit ich das gesehen habe, noch keine KRK-Neuheiten bei ebay aufgetaucht. Das Publikum jedenfalls war sehr angetan von dieser Lösung, und quittierte Markus Zusammenfassung mit ausgiebigem Applaus.

Kommen wir aber zu dem spannenden Teil: Welche neuen Informationen hat die Keynote gebracht? Zunächst ging es mit der englischsprachigen Welt los, deren regelmäßige Belieferung mit neuen The Dark Eye Produkten in letzter Zeit etwas ins Stocken geriet. Um die teils schwierigen Übersetzungsarbeiten zu koordinieren wurde ein neuer deutschstämmiger Redakteur bei Ulisses North America engagiert, der kurz im Bild vorgestellt wurde. Auch ein neuer Community-Manager für den US-Markt wurde präsentiert, wobei viele ihn bereits kennen dürften: Robert Cousland darf nun im offiziellen Ulisses-Auftrag seine Landsleute von der Einzigartigkeit und Schönheit von The Dark Eye überzeugen - etwas, das kaum jemand so überzeugend hinbekommen dürfte wie er.

Für Aventuria wurden die beiden kommenden Boxen Das steinerne Schiff sowie das lange angekündigte Wirtshaus zum Schwarzen Keiler angekündigt. Während das Steinerne Schiff im Wesentlichen eine Zusammenfassung der beiden ausverkauften Abenteuerboxen Der Wald ohne Wiederkehr und Schiff der verlorenen Seelen, erweitert um das Experten-Abenteuer Das Steinerne Schiff ist, wird das Wirtshaus ein umfangreiches neues Setting umfassen, dessen Ausstattung fast genauso umfangreich ausfallen wird wie das Basisspiel. Für alle, die sich nicht alles neu kaufen wollen, wird es zusätzlich zwei Kartensets geben, die die neuen Spielkarten separat enthalten.

Für die Pen&Paper-Spieler gab es zum einen das Abenteuer Fest der Feinde, das in Neetha spielt und von Jeanette Marsteller (Unbezwingbare Wut, Gefangen in der Gruft der Königin, Ketten für die Ewigkeit) geschrieben wurde, von dem aber noch nicht viel mehr zu erfahren war als ein Bild der Gärten von Neetha. Ebenfalls sehr kurz und knapp fiel die Präsentation des vorläufigen Standes der sechs Sternenträger-Abenteuer-Cover aus. Ich muss gestehen, mir keinen einzigen Titel gemerkt zu haben, und auch was die Titelbilder angeht, ist nicht viel hängen geblieben - nur, dass eines der Bilder dermaßen Herr-der-Ringe-mäßig daherkam, dass sich sofort ein amüsiertes Raunen durch das Publikum zog. Glücklicherweise sind mittlerweile, wo ich diese Zeilen schreibe, alle sechs Titel und die Cover bei Facebook veröffentlicht worden, sodass wir uns auf Der Ruf der Bahalyr, Der Klang des Feyraasal, Der Abgesang Ometheons, Das Sturmgeheul von Shiyadur, Das Tosen über Liretena und Die Worte der Orima freuen können.



Sehr informationsarm wurde es mal wieder beim Thema Regionalspielhilfen, denn obwohl Ulisses fleissig an mehreren Regionen gleichzeitig werkelt, gab es doch keinerlei konkrete Informationen zu Regionen oder Veröffentlichungsterminen. Zwar wurde weiterhin versprochen, dass wir in diesem Jahr mit mindestens drei Regionspielhilfen rechnen können - in Anbetracht der kompletten Abwesenheit konkreter Informationen und der Erfahrungen der letzten Jahre darf dieses vollmundige Versprechen aber zumindest mit einer gewissen Prise Skepsis betrachtet werden. Ich lasse mich gerne eines Besseren überzeugen!

Highlight der Neuheiten waren für mich ganz klar die drei Überraschungsprodukte, die bereits im Programmheft angedeutet worden waren. Zwei davon sollte man bereits am morgigen Samstag im Shop erwerben können, was uns umso neugieriger machte. Das erste Überraschungsprodukt war bereits kurz auf Facebook angeteasert worden, handelte es sich doch um Fauler Frühling von Rafael Knop, ein Thorwal-Abenteuer, das im Rahmen des letztjährigen KRK-Abenteuer-Workshops entwickelt worden war, und das mit einem großartigen Titelbild einer von einer Seuche hingerafften Kröte punkten konnte.

Überraschungsprodukt 2 kam völlig aus dem Nichts, und wurde vom Publikum sehr angetan aufgenommen: Daniel Jödemann, seines Zeichens Abenteuer- und Roman-Autor, Redakteur sowie sehr produktiver Kartenzeichner, hat still und heimlich eine sechsteilige Romanreihe namens Das Blut der Castesier verfasst, die in den Dunklen Zeiten spielt und bereits so weit gediehen ist, dass der erste Band Blutnacht bereits am Samstag Morgen verfügbar sein wird. Auch wurde versprochen, dass man aus den nicht fertiggestellten Romanreihen (Galotta, Answin, Träumeschmied) gelernt habe, und die Buchreihe deshalb erst so spät ankündigte, als der Großteil der Romane bereits fertiggestellt war. Die Folgeromane Schwarze Schwingen, Stadt der 100 Türme, Dunkles Verlangen, Blutsbande und Reich der Toten sollen im Zwei-Monats-Rhythmus erscheinen.

Die sechs Bände der neuen Romanreihe Das Blut der Castesier

Apropos Träumeschmied: Der absolute Knaller kam als drittes Überraschungsprodukt. Nachdem die Geschichte um Leonardo und den Agrimoth-Splitter bereits zweimal nicht zu Ende erzählt werden konnte (einmal wurde das Abenteuer nicht rechtzeitig fertig, beim zweiten Mal setzte Michael Masberg seine zweiteilige Romanreihe nicht fort), wurde nun ein Weg gefunden, um die Splitterdämmerung endlich abschließen zu können! Die drei Autoren Anni Dürr, David Lukaßen und Julian Härtl (die auch schon das KRK-Heldenwerk Hoffnung in der Finsternis geschrieben haben) werden der Splitterdämmerung endlich einen würdigen DSA5-Abschluss verpassen! Das Abenteuer Eiserne Flammen, das eine ausführliche Stadtbeschreibung von Yol’Ghurmak beinhalten wird, konnte bereits vorbestellt und auf Wunsch signiert werden lassen, auch wenn der eigentliche Veröffentlichungstermin noch einige Monate in der Zukunft liegt. Das Abenteuer wird, anders als die anderen Splitterdämmerungs-Abenteuer, für DSA5 erscheinen. Anders als bei DSA5 üblich wird zusätzlich zum obligatorischen Regelwerk diesmal auch Aventurische Magie 1-3 sowie das Götterwirken vorausgesetzt, um das Abenteuer nicht zu sehr mit Regeldopplungen vollzumüllen. So oder so, mit dem Splitterdämmerungs-Abschluss scheint Ulisses einen ganz großen Wunsch aus der Community erhört zu haben, und wenn alles klappt wie geplant, auch einen würdigen Abschluss unter die letzte große DSA4 Kampagne setzen zu können. Das Publikum jedenfalls war sehr angetan!

Der Coverentwurf zu Eiserne Flammen [Quelle: Ulisses/Facebook]

Das war es auch - wenn ich nichts vergessen habe - an großen Neuheiten. Zum Thema Al’Anfa Kampagne wurde, wenn ich mich recht entsinne, nichts gesagt. Die einzige große Ankündigung, die noch ausstand, wurde für das Finale der Keynote aufgespart: Einige Bilder, die riesige mysteriöse Meereskreaturen zeigten, und die schnell dem Cthulhu-Mythos zugeordnet werden konnten, kündigte an, dass das jüngst per Crowdfunding finanzierte deutsche Sandy Petersen’s Cthulhu Mythos bald auch um DSA-Regeln erweitert werden soll, und es so möglichen machen soll, die großen Alten in Aventurien auftauchen zu lassen. Nein, keine Sorge, selbstverständlich wird das nicht kanonisch werden, sondern eher so eine Einbahnstraße wie Die schwarze Katze, deren Ereignisse ebenfalls nicht Teil des offiziellen Kanons werden.

Ja, und das war es dann auch schon wieder. So schnell können zwei Stunden Keynote vorbeigehen. Es war wieder ein durchaus spannender und unterhaltsamer Vortrag, den Markus Plötz mal wieder souverän über die Bühne brachte (auch wenn er teilweise nicht ganz so entspannt wie auf anderen Veranstaltungen wirkte). Dem Publikum hat es, glaube ich, bis auf einige Längen zum Großteil gefallen, und besonders die drei DSA-Mystery-Produkte (Fauler Frühling, Das Blut der Castesier, Splitterdämmerungs-Abschluss) wurden sehr enthusiastisch aufgenommen. Klar, die eine oder andere konkrete Information zu kommenden Regionalspielhilfen hätte es schon sein dürfen. Aber da das Versprechen aufrecht erhalten blieb, dass dieses Jahr noch mehrere davon erscheinen sollen, hat die Zusage anscheinend den meisten Zuhörern gereicht. Ich war jedenfalls sehr zufrieden mit dem Gehörten, und verließ die Keynote mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Das Ulmenkabinett

Während für den Großteil der Gäste nun das offizielle Freitagabend-Programm bereits beendet war, gehörte ich zur kleinen Schar 12 Auserwählter, die im Ulmenkabinett noch genauere Informationen der Redaktion erhalten sollten. Sehr aufgeregt und nervös, was uns dort erwarten würde, harrte ich auf den Beginn der streng geheimen Veranstaltung. Die Wartezeit überbrückte ich unter anderem damit, dass ich Steffen Brand, seines Zeichens Verantwortlicher für die Gestaltung des DSA5 Kartenmaterials, der es sich an der Hotelbar gemütlich gemacht hatte, noch die beiden Originale der Ina Kramer Regionalkarten zeigte, die diese mir nach unserem Interview-Termin überlassen hatte. Ich denke, man kann sagen, dass Steffen ehrlich beeindruckt von den handgemalten Karten war, und sie wohl auch am liebsten behalten hätte. Sorry, Steffen, aber gerade diese Karten kann ich leider unmöglich aus der Hand geben. Dazu mag ich sie viel zu sehr. Aber es hat mich sehr gefreut, dass noch jemand Ina Kramers Malkunst aus den neunziger Jahren so sehr schätzt wie ich das tue.

Dann ging es endlich ins Ulmenkabinett. Stilecht wurde die Veranstaltung in der Kaminlounge im Bar-Bereich abgehalten, einer sehr gemütlichen Sitzecke, die allerdings mit 12 Ulmenkabinettlern, drei Autoren, zwei Redakteuren und einem Geschäftsführer mehr als vollgepackt war. Da alles, was im Ulmenkabinett gesagt wurde, geheim sein sollte, musste den Großteil der Zeit über die Glastür geschlossen bleiben, was ebenfalls nicht zu einer Verbesserung der Luftqualität führte. Die Bar-Service-Mitarbeiter bemühten sich nach Kräften, uns mit ausreichend Kaltgetränken auszustatten, aber trotzdem wurde es eine stickige Veranstaltung.

Nicht, dass es sich nicht gelohnt hätte: Moderiert von Chefredakteur Niko Hoch wurden wir nicht nur wie angekündigt zwei, sondern fast vier Stunden lang mit Informationen aus dem Redaktionsalltag versorgt. Gerne würde ich nun die wenigen Details, die ich behalten habe, weitererzählen, muss mich aber aufgrund des unterschriebenen Non-Disclosure-Agreements zurückhalten. Nur soviel sei (hoffentlich ohne verklagt zu werden) verraten: Ich durfte viel Geplänkel zwischen Bernard Hennen und Robert Corvus über die jeweiligen Vorteile von Beorn bzw. Phileasson anhören, durfte einige kommende Publikationen in fast fertiger Form begutachten und mir die Überarbeitungen von gerade erst in der Entwicklung befindlichen Werken ansehen. Ich durfte einige interessante Geschichten aus dem Autorenleben anhören, und mit den anderen über die kommenden Regionalspielhilfen spekulieren. Ich durfte mitansehen, wie Bernard Hennen und Markus Plötz mit jedem Schoppen Wein etwas fröhlicher wurden, und wie wir Nikos Zeitplan so gesprengt haben, dass wir nach zwei Stunden erst 3 von 13 Tagesordnungspunkten abgearbeitet hatten.

Ob sich das Ulmenkabinett gelohnt hat? Das ist eine schwierige Frage. Nein, ich habe keine welterschütterernden neuen Informationen erlangt, weiß jetzt nicht den Verlagsplan für die kommenden Jahre im Detail auswendig. Nein, ich konnte durch meinen Input nicht die Entwicklung des Metaplots beeinflussen oder die schnellere Entwicklung meiner Lieblingspublikationen vorantreiben. Aber ich konnte einen schönen Einblick in den Redaktionsalltag erleben, konnte sehen, wieviel Arbeit in den verschiedenen Korrektur-Phasen stecken, und wieviel Knowhow erforderlich ist, um ein DSA-Werk widerspruchsfrei in den Kanon einpassen zu können. Hätte ich dafür wirklich die zusätzlichen 100 € gegenüber einem Einzelzimmer ausgeben müssen? Nein, eigentlich nicht: Alle Infos hätte man so oder ähnlich auch im zwanglosen Gespräch aus Niko oder Markus rauskitzeln können. Aber trotzdem möchte ich die Ulmenkabinett-Erfahrung nicht missen: Es war eine gemütliche Runde, mit spannenden Infos von entspannten Ulisses-Mitarbeitern. Und auch wenn es finanzieller Schwachsinn ist, würde ich für nächstes Jahr wieder sofort versuchen eine Karte zu bekommen. Dann allerdings vielleicht mit Taschen-Ventilator und einem großen, kühlenden Eisbecher!

Als sich gegen kurz vor zwei das Ulmenkabinett endlich bis nächstes Jahr vertagte, und wir uns müde Richtung Zimmer schleppten, war ich ganz schön am Ende: Meine Stimme war stark angeschlagen, die lange Autofahrt, der fehlende Schlaf in der letzten Nacht und die vielen Eindrücke des tollen ersten Tages hatten ihre Spuren hinterlassen. Wie tot stürzte ich ins Bett, und war innerhalb weniger Momente eingeschlafen.

Der zweite Tag

Am nächsten Morgen führte mich mein Gang natürlich - wie konnte es anders sein - erstmal in den Tempel von Handel und Wandel, wo ja noch die drei Überraschungsprodukte darauf warteten, von mir erworben zu werden. Natürlich vergaß ich mal wieder mein Programmheft, sodass ich zunächst nur den Roman Blutnacht und das Abenteuer Fauler Frühling erwerben konnte (die beide nicht limitiert waren), und für das vorbestellbare Agrimoth-Splitterdämmerungs-Abenteuer noch einmal zurück ins Hotelzimmer rennen musste, um mir das limitierte, signierte Abenteuer abstempeln zu lassen.

Der prall gefüllte Neuheiten-Tisch am Samstagmorgen

Natürlich nutze ich direkt diese Gelegenheit, um beim hektischen Rennen zurück zum Shop meine Zimmerkarte im Zimmer zu vergessen, sodass ich erstmal runter zur Rezeption musste und mir zähneknirschend eine neue Schlüsselkarte ausstellen lassen musste. Aber so konnte ich wenigstens den exquisiten Service der ansonsten praktisch unsichtbaren Hotelangestellten nutzen, und muss sagen, dass auch in diesem Bereich das Collegium Glashütten eine ausgezeichnete Wahl war: Alle Mitarbeiter waren stets nett und kompetent, und haben ihre Arbeit hervorragend erledigt. Danke dafür an das Hotel, und an Ulisses, die einen mehr als würdigen Nachfolger für das schon schicke, aber nicht annähernd so tolle Relexa-Hotel in Frankfurt gefunden haben.

Ich hatte auch direkt noch ein weiteres Problem: Nachdem ich gestern den DSA-Kuchen auf dem Abend-Buffet gelassen hatte, war nun das Brett weg, auf dem ich den Kuchen platziert hatte. Nun war es aber leider kein gewöhnliches Brett, dessen Verlust ich hätte verschmerzen können, sondern der verlängernde Einlegeboden des Kinderbetts meines Sohns, der in vermutlich nicht allzu ferner Zukunft groß genug sein würde, um sein jetziges Babybett auf Kindergröße ausziehen zu müssen. Den Ärger mit meiner Frau wegen des verlorenen Bretts konnte ich keinesfalls riskieren, und so musste ich insgesamt dreimal zur Küche und zur Rezeption rennen, bis die zuständige Küchenangestellte, die das Brett gestern gereinigt hatte, zur Arbeit erschien und den Aufenthaltsort des kostbaren Stückes Holz verraten konnte.

Der Hennen-Corvus-Workshop

Ein gemütliches Frühstück später, das ich diesmal mit dem Grolm und Dennis vom “Würfelmeister” einnahm, hieß es nun, die Räumlichkeit für den ersten Workshop zu finden, der von den beiden Phileasson-Autoren Bernard Hennen und Robert Corvus gehalten werden sollte. Glücklicherweise wirkten die beiden Herren ähnlich überrascht wie ich, als wir uns im Keynote-Saal (der locker 200 Personen Platz bietet) wiederfanden, in dem aber nur fünf Teilnehmer eintrudelten. Die Idee eines Frontal-Unterrichts durch die beiden Autoren war somit direkt zugunsten eines gemütlichen Stuhlkreises gestorben, und mit einem etwas flauen Gefühl in meinem Bauch nahm der Workshop seinen Lauf.

Thema des ersten Teils des Workshops war Weltenbau, und wir wurden direkt ins Thema geworfen. Ehe ich mich versah, wurde ich von Robert Corvus in bester Mathelehrer-Manier mit der Frage bombardiert “Was ist Deine Lieblingsstadt?” Ich stammelte mir irgendwas von “Bochum” zurecht, und musste nun irgendwie begründen, warum mir nichts Besseres als meine Heimatstadt eingefallen ist. Dann ging es mit den nächsten Fragen an meine Nachbarn weiter. Da wir aber nur zu fünft waren, lag ständig die Gefahr in der Luft, bald wieder Opfer der nächsten Frage von Robert zu werden. Das Ganze hat schon sehr etwas von Schulunterricht, aber in der schlimmsten Form, dass man nie sicher sein konnte, wann man das nächste Opfer einer spontanen Frage werden würde. Und Robert Corvus hatte sichtlich Spaß daran, seine Teilnehmer auch mal ins Schwitzen zu bringen. Wenn man nun noch weiß, dass während der ganzen vier Stunden die Kamera von Orkenspalter TV auf uns gerichtet war und jede unserer Aussagen für die Nachwelt festgehalten wurde, wird sich vielleicht vorstellen können, dass dies nicht die entspannteste Art war, um den Vormittag rumzubekommen.

Aber das soll nicht heißen, dass es furchtbar oder auch nur unergiebig war. Im Gegenteil: Es war eine sehr intensive Erfahrung, und nach und nach entwickelten wir im Team eine eigene kleine Globule, in die unsere Protagonisten (eine Thorwaler Ottajasko) als Strafe geschleudert wurden, und in der unzählige Sklaven, von Al’Anfanischen Aufsehern bewacht, für eine Herrscherkaste von Echsenwesen schuften mussten. Allgegenwärtig war eine große Seeschlange, die von den Echsenwesen angebetet wurde, und der einmal im Jahr Menschenopfer gebracht wurden. So entwickelte sich nach und nach unsere eigene kleine Welt, und auch wenn vielleicht nicht alles von uns Improvisierte in sich schlüssig war, bekam man doch ein gutes Gespür dafür, wie man als Autor - sei es beim Schreiben eines Romans oder eines DSA-Abenteuers - vorgehen kann, um eine interessante eigene Welt zu kreieren.

Dennoch war ich sehr froh, als die erste Pause bevorstand, und wir uns nun auf den Lesungsteil freuen konnten, der glücklicherweise nur von Robert und Bernard bestritten wurde. Gelesen wurde ein Ausschnitt aus dem letzten erschienenen Roman Totenmeer, da der neue Roman Rosentempel zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen war und Heyne ihn noch nicht für Lesungen freigegeben hatte. Die Lesung war ganz interessant, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu langatmig, sodass mein Hirn sich schon wieder mental auf die kommenden Herausforderungen einstellte. Denn, wer schon einmal einer Hennen-Corvus-Lesung beigewohnt hat, der weiß, was ihn am Ende der Lesung erwartet: Der Gesang!

Und so teilte auch diesmal Robert die unvermeidlichen Gesangsblätter aus, um zur Melodei von Drunken Sailor das Lied König der Meere anzustimmen, das natürlich die Heldentaten eines gewissen thorwalschen Hetmanns beschrieb. Glücklicherweise waren wir in den Romanen erst bei Heldentat Nummer 6 angekommen, und so mussten wir auch nur sechs Strophen anstimmen. Nicht auszudenken, wie schlimm die Sache geworden wäre, wenn die Saga endlich beim finalen Band 12 angekommen wäre - die armen Zuhörer der letzten Lesung werden sich durch zwölf Strophen quälen lassen müssen! Nun, wir wollen Robert Corvus zu Gute halten, dass das Schmettern des kleinen Liedchens tatsächlich irgendwie auch Spaß gemacht hat, und so will ich ihm auch verzeihen, dass ich für den Gesang das letzte verbleibende Bisschen meiner ohnehin schon arg krächzigen Stimme opfern musste.

Der zweite Workshop-Teil beschäftigte sich dann mit dem Erschaffen einer eigenen Art von Magie! Immerhin galten in unserer zuvor geschaffenen Globule ja schon eigene soziale Regeln - warum sollte da nicht auch eine eigene Form von Magie wirksam sein? Wir einigten uns auf eine Art der Runenmagie, die in Form von Tätowierungen aktiviert werden konnte, und für deren Aufladung man persönliche Opfer bringen musste. Auch wenn unser kleines Magiesystem am Ende noch die eine oder andere Logiklücke aufwies, war das Ergebnis doch detailiert genug, um die Vorgehensweise beim Entwickeln eigener Magieregeln zu verstehen.

Und so gingen die vier Stunden Intensiv-Workshop irgendwann endlich zu Ende, und auch wenn ich zugeben muss, dass es nicht die entspannteste Zeit meines Lebens war, und ich mich zwischendurch mehrfach an einen beliebigen anderen Ort gewünscht hatte, war es im großen Ganzen doch eine bereichernde Erfahrung, und ich möchte unseren beiden engagierten Lehrmeistern Bernard und Robert für die intensive Erfahrung danken. Ob ich im nächsten Jahr wieder einen Workshop statt einer DSA-Spielrunde wählen würde? Keine Ahnung - fragt mich das bitte im nächsten März nochmal!

Eine sehr angenehmen Nebeneffekt hatte die Wahl des Samstag-Morgen-Workshops noch obendrein: Da Orkenspalter TV den Workshop für Ulisses aufzeichnen sollte, hatte ich Gelegenheit etwas mit Nico Mendrek zu plaudern, mit dem ich schon zuvor wegen eines leider nicht stattgefundenen Ina Kramer Interviews gechattet hatte. Vor meinem Studium vor über 20 Jahren habe ich drei Monate lang als Kameraassistent gejobbt, und so konnte wir einige Kriegsgeschichten austauschen: Ich berichtete, wie ich einst Johannes Rau bei einer Festrede in Hagen mit unserer Kamera-Verkabelung die Mikrofon-Anlage geschrottet habe, und Nico konnte mit der Geschichte kontern, wie er einst mit Oliver Kahn am Münchner Flughafen in einer Drehtür gefangen war.

Außerdem konnte ich Nico auch endlich eine gedruckte Version seines sehr schönen kostenlosen PDF-Abenteuers Gefängnis der Schatten überreichen, das in Kooperation mit den Larian Studios entstanden war, und das es ermöglicht, das Abenteuer im Gamemaster’s Mode von Divinity Original Sin 2 mit anderen Spielern am Rechner durchzuspielen. Auch wenn ich leider nie mehr Zeit für Computerspiele habe, fand ich das Konzept doch super, und insbesondere die Wiederverwendung des schönen Zwergen-Dungeons aus dem brillanten Abenteuer Brogars Blut fand ich genial genug, um mir das Abenteuer in gedruckter Form zu gönnen. Danke, Nico und Mháire, für das schöne kostenlose Bonusabenteuer. Ich hoffe, es kriegt noch die Bekanntheit, die es verdient.

Der Aventuria-Workshop

Mittlerweile war die Zeit zum Mittagessen gekommen, das wie alle Mahlzeiten im Collegium Glashütten sehr schmackhaft war. Auch gab es wieder nette Gespräche, diesmal mit meinen Mit-Ruhrgebietlern Marcel und Thorsten und einigen weiteren Panthergardisten, bevor dann um 15 Uhr in der Raulsarena das zweite große Aventuria-Event des Tages beginnen sollte. Das Problem: Ich war natürlich vollkommen unvorbereitet für dieses Event, hatte ich doch erst am Abend vor der Abreise die Info-Mail von Dominik bekommen, dass man sich für dieses Event am besten ein individuelles Kartenset zusammenstellen sollte. Nun muss man dazu wissen, dass ich a) Aventuria fast noch nie im Duell-Modus und immer nur mit Standard-Deck gespielt hatte, und ich b) vollends mit der Erstellung des Kuchens beschäftigt war.

Panthergardisten mit Greif und "Günther Gotongi"

Und so schlurfte ich total unvorbereitet mit mulmigen Gefühl in die Veranstaltung, nahm mir wahllos ein vorbereitetes Heldendeck aus einer bereitstehenden Kiste, und wartete darauf, in eines der Teams gelost zu werden. Organisiert wurde die Spielrunde von Christian Lonsing, der schon auf zahlreichen Events die Organisation der Aventuria-Turniere übernommen hatte.

Heute ging es aber glücklicherweise nicht um ein Turnier (bei dem ich sicherlich nach wenigen Sekunden gegen den Grolm ausgeschieden wäre), sondern in einem kooperativen Kampf gegen eine Dämonenarche und ihren Kapitän. Die Regeln dafür waren eigentlich simpel: In jedem Team mussten anrückende Feindhorden beseitigt werden, wobei die Gegner jeweils einem der Spieler zugeordnet waren. Gelang es einem Spieler alle seine Gegner zu beseitigen, hatte er die Chance, den Kapitän der Dämonenarche direkt zu attackieren, musste dann aber auch dessen nahezu garantiert tödlichen Attacken über sich ergehen lassen. Der Kapitän verfügte über vier Lebenspunkte je teilnehmenden Spieler, sodass bei 13 Teilnehmern (keine sonderlich erfolgversprechende Zahl) insgesamt 52 Lebenspunkte zu entfernen waren.

Wir wurden in vier Teams zu je drei oder vier Spielern aufgeteilt.  Die Runden der einzelnen Teams wurden synchronisiert, d.h. wer mit seiner Runde fertig war, musste so lange warten, bis auch die anderen Teams soweit waren. Entgegen anfänglicher Befürchtung führte dies keineswegs zu langweiligem Leerlauf, sondern ermöglichte es auch mal mit den anderen Spielern zu plaudern und sich deren Spielweise anzuschauen.

Ich hatte das Glück mit zwei Spielern an einem Tisch zu landen, die tatsächlich genauso unvorbereitet und regelunkundig waren wie ich. So nahm das Unheil seinen Lauf: Keiner von uns hatte ein selbst zusammengestelltes Kartendeck dabei, sodass wir schon vorab einiges an Optimierungspotential verschenkt hatten. Das Schergen-Deck, dass ich aus Christians Kiste geangelt hatte, schien ausschließlich Söldner-Karten mit mindestens zweistelligen Lebenspunkten zu enthalten, sodass wir schon auf dem Zahnfleisch gingen bevor wir überhaupt in die Nähe des Kapitäns kommen konnten. Zu guter Letzt war es sicherlich auch nicht von Vorteil, dass wir die Regeln nicht mehr sonderlich gut drauf hatten, und so leider vergaßen beim Besiegen eines Gegners einen Schicksalspunkt als Belohnung zu nehmen.

Kurz und gut: Wir waren eine Chaos-Truppe, reinstes Kanonenfutter, das nur dazu diente, den Feind von den anderen Angriffsteams abzulenken und ihnen Zeit zu verschaffen, zum Oberbösewicht durchzudringen. Immerhin gelang es uns tatsächlich einmal eine Attacke gegen besagten Fiesling durchzuführen, wodurch wir wenigstens für eine Runde die Angriffe gegen die anderen Spieler auf uns zogen.

Und so wurde der böse Kapitän der Dämonenarche dann auch fast gänzlich ohne unsere Hilfe geplättet, und wir hatten Gelegenheit, dem sehr viel effektiveren Grolm und seiner Truppe beim eindrucksvollen Draufschlagen zuzuschauen. So kann man Aventuria also spielen, wenn man etwas Ahnung von den Karten hat! Nun ja, auch wenn der Schelm sich nicht mit Ruhm bekleckerte, und das Szenario insgesamt nicht das abwechslungsreichste war (immerhin gab es nur den einen Kampf, ohne irgendwelche zusätzlichen Zwischenereignisse oder sonstige Abwechslung), hatte ich doch viel Spaß an der Veranstaltung. Die Leute waren gut drauf, der Spielleiter Christian Lonsing war angenehm chaotisch und erfand einige Zusatzregeln, um unserer Gurken-Truppe beim Überleben zu helfen. Und obendrein nahm die ganze Veranstaltung glücklicherweise nicht den gesamten Nachmittag in Anspruch, sondern war nach etwa anderthalb Stunden beendet.

Der Stammtisch

Und so fand ich mich unversehens in der Hotel-Lobby wieder, wo ein paar Gestalten in der Sitzecke herumlungerten, zu denen ich mich gerne dazu gesellte: Chefredakteur Niko, Kai und Alex vom KRK-Orga-Team, die beiden Godicon-Leute Alex und Tobi, sowie DSA-Spieler Dieter, den ich schon vom letzten KRK kannte, halfen mir in einer sehr gemütlichen Runde die Zeit bis zum Abendessen rumzukriegen. Keine Ahnung, ob dies der Ulisses-Stammtisch war, der im Programmheft angekündigt war und bei dem man mit der Redaktion quatschen konnte, oder ob die Redakteure einfach aus Langeweile hier herumhingen.

Ich zeigte Niko ein paar meiner Bastelprojekte, bei denen er sofort mit professionellem Blick die nicht ganz passende Hardcover-Bindung meines Mini-PDF-Sammelbandes erkannte (wäre mir nie aufgefallen!). Alex von Godicon frage ich nach einer maßgefertigten Vier-Helden-und-ein-Schelm-Siegelstempel-Petschaft, wobei er mir leider mitteilen musste, dass leider die für Petschaften verwendete Fräse den Geist aufgegeben habe, und es daher vorerst bei den beiden bisher erschienenen Zwölfgötter-Siegelstempeln für Boron und Phex bleiben müsse. Ich habe direkt mal einen Boron-Stempel mitgenommen, und gleich noch ein DSA-Logo dazugenommen. Falls es jemanden interessiert: Mittlerweile habe ich mir eine maßgeschneiderte Schelmen-Petschaft in China anfertigen lassen, was bestimmt bald Thema eines kommenden Bastel-Artikels werden wird.

Irgendwann stieß auch Nico M. von Orkenspalter TV zu uns, und so wurden Dieter und ich als einzige KRK-Teilnehmer in Sichtweite von Niko H. dazu genötigt, für das KRK-Video ein kurzes Statement zur Veranstaltung abzugeben. Es war nicht das erste Mal, dass ich vor laufender Kamera etwas sagen musste - aber zu einem imaginären Interview-Partner zu starren, während der DSA-Chefredakteur mit dem Mikro vor Dir kniet, Nico unbarmherzig die Kamera auf Dich richtet, und der grinsende Dieter Dir feixend zuschaut, ist schon ein einschneidendes Erlebnis. Dank der Schnittkunst von Nico ist das Ergebnis aber ganz erträglich geworden!



Beim Abendessen stieß mein Kumpel Christoph nach vollendeter Spielrunde wieder zu mir, und wir unterhielten uns sehr gut mit unseren netten Tischnachbarn, einem Vater und seiner erwachsenen Tochter, die uns von ihren Schriftstellerambitionen erzählte, für die sie sich heute Tipps von den Profis Corvus und Hennen geholt hatte. Die beiden Zusammenfassungen der bereits fertigen (nicht-DSA-bezogenen) Fantasy-Romane klangen jedenfalls schonmal sehr spannend, und ich wünsche hiermit nochmal viel Glück bei der Suche nach einem interessierten Buchverlag. Bin gespannt, ob ich beim nächsten KRK von einem gelungenen Start in eine erfolgreiche Autorenkarriere hören werde. Nettes Detail am Rande: Die beiden kannten meinen Blog und hatten auch schon bei der Umfrage mitgemacht (und, wenn ich mich recht entsinne, sogar beim Preisausschreiben gewonnen)!

Das Interaktionsspiel

Nach dem Abendessen stand das nächste Großereignis an, und so versammelte sich der Großteil der KRK-Teilnehmer (der Rest hatte sich zu eigenen Spiel- oder Saufrunden zurückgezogen) vor Kaiser Rauls Ratssaal, um das Interaktionsspiel Mythen, Masken, Meuchelmörder zu erleben. Wer beim letzten KRK dabeigewesen war (oder meinen Bericht gelesen hat), wird in etwa wissen worum es ging: Wie bei der letztjährigen Basiliusprüfung wurden alle Teilnehmer in kleine Gruppen aufgeteilt, die untereinander laminierte Spielkarten mit Ressourcen (hier: Geheimnisse und Artefakte) austauschen mussten. Die Aufteilung lief diesmal über die Namensschilder: Wie einige schon am ersten Tag bemerkt hatten, verbarg sich auf der Rückseite der Papiernamensschilder, die jeder Teilnehmer beim Einchecken erhalten hatte, eine aventurische Geheimorganisation.

Der Tisch der Namenlosen

Mich verschlug es zu den Anhängern des Namenlosen, die sich entgegen meiner sonstigen Vorurteile bezüglich dieser Gruppierung als sehr sympathische Truppe herausstellte. Unter anderem lernte ich den auf Facebook sehr aktiven Sören Berndson kennen, der sich auch in Realität als quirliger Spaßvogel herausstellte. Und so schwärmten wir nach der kurzen Regelerklärung aus, um bei den anderen Gruppen Karten zu ertauschen.

Nachdem wir relativ schnell die ersten beiden benötigten Gegenstände ergattern konnten, stellte sich danach eine gefühlte Flaute ein: Keine der Gruppen, die ich ansprach, konnte oder wollte uns eine der fehlenden Ressourcen anbieten, und so ging der anfängliche Enthusiasmus etwas zurück. Als dann auch noch die Spielleitung in Form des Chefredakteurs einschreiten musste, und uns eine unserer bereits ergatterten Ressourcen wieder abnahm, war die Motivation am Boden: Angeblich hatte einer unserer Teamkollegen eine Karte bei einem anderen Team einfach mitgehen lassen. Es ließ sich aber nicht mehr genau ermitteln, wer der Übeltäter gewesen sein soll, und so weiß ich bis heute nur, dass wir nach einer guten halben Stunde immer noch nur eine Ressource hatten, und es dabei auch bis zum Spielende bleiben sollte. Überall um uns herum gaben Teams ihre ergatterten Karten bei Niko ab, und wir schauten - wie ein paar andere Teams auch - etwas bedröppelt in die Röhre.

Wir beschlossen die Sache mit Humor zu nehmen: Wenn wir schon die unbeliebten Namenlosen Paktierer waren, wollten wir doch wenigstens mit einem Augenzwinkern ausscheiden. Und so kritzelten wir die Namen der fehlenden Ressourcen schnell auf Schmierpapier, und ließen uns von der mit uns Mitleid habenden Nadine Schäkel noch schnell eine freundliche Ratte mit Blümchen in der Pfote als Maskottchen malen. Unsere Charme-Offensive führte zwar nicht zum Endsieg, brachte uns in der abschließenden Wertung aber immerhin noch eine lobende Erwähnung ein. Immerhin etwas. Sieger der Veranstaltungen waren übrigens… ähhh…. keine Ahnung, habe ich vergessen. Egal. Wird bestimmt in einem der kommenden Aventurischen Boten erwähnt werden. [Nachtrag: Gewonnen hat natürlich die Bruderschaft vom 2. Finger Tsas!]

Nadine Schäkel mal das fröhliche Ratten-Maskottchen der Namenlosen!

Insgesamt muss ich sagen, dass das Interaktionsspiel dieses Jahr - unabhänging von unserem nicht gerade überzeugenden Ergebnis - nicht mehr soviel Spaß gemacht hat wie die letztjährige Basiliusprüfung. Das lag zum einen am etwas weniger griffigen Thema; zum anderen kannten nun aber auch schon die meisten Teilnehmer die Regeln, und stürzten sich so ohne großes Vorgeplänkel auf die anderen Teams, um so schnell wie möglich die Karten einzusammeln. Rollenspielerisches Interaktion, wie sie beim letzten Mal durchaus vorkam und damals in der coolen Bittsteller-Schlange vor der Gilde der Schwarzmagier im Hotel-Penthouse gipfelte, kamen dieses Jahr praktisch gar nicht vor. Wer nicht in den ersten Minuten die am heißesten umkämpften Ressourcen ergattern konnte, hatte keine Chance mehr auf einen Sieg, und war dazu verdammt, sich den Rest der Veranstaltung mehr oder weniger untätig anzuschauen.

Die wichtigste Kritik war aber, dass sich das Spiel nicht mehr neu anfühlte! War es letztes Jahr noch ein neugieriges Herantasten und Ausloten der Regeln, wurde nun sehr pragmatisch und emotionslos gemauschelt. Der Charme der Basiliusprüfung war - zumindest für mich - diesmal nicht spürbar, sodass ich ehrlich gesagt hoffe, dass das Konzept für nächstes Jahr entweder überdacht werden sollte oder gleich durch eine alternative Veranstaltung ersetzt werden sollte. Wobei ich auch sagen könnte, welches andere Spiel sich für mehr als hundert Teilnehmer eignen könnte. Ein aventurisches Kicker-Turnier oder eine Reise nach Jerusal… ähhh... Alveran mit Ralf Kurtsiefer Musik wird es ja wohl kaum geben…

Und so ging ein zweiter KRK-Tag für mich müde, aber glücklich zu Ende. Ich schlurfte am sehr netten Timm Turkelton vorbei, der gerade in einer Ecke Markus Plötz für den Aventurischen Podcast interviewte. Für langes Rumhängen mit anderen Teilnehmer war ich viel zu schlapp, und außerdem war klar, dass auch der nächste Tag noch vollgepackt mit spannenden Themen sein würde, für die ich fit sein wollte. Und so fiel ich kurz nach Mitternacht ins überderisch bequeme Bett. Boron hatte mich ins Reich der Träume geholt, noch bevor mein Kopf das Kissen berührt hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit einem zufriedenen Grinsen einschlief.

Der dritte Tag

Etwas wehmütig startete der dritte und letzte Tag, hieß es doch heute schon wieder Abschied nehmen von der liebgewonnenen Location mit der skurilen Geometrie, den weichen Betten und der netten DSA-Gemeinschaft, um wieder in den Alltagstrott zurückzukehren. Doch glücklicherweise lag zwischen Aufstehen und Abreise noch ein prall gefüllter Tag. So wurde nach dem Frühstück der Koffer gepackt, die große Kiste mit den DSA-Devotionalien im Mietwagen verstaut, in wenigen Sekunden an der Rezeption ausgecheckt, und dann im Speisesaal mit den mittlerweile bekannten anderen Gestalten gefrühstückt.

Meine gesammelten Errungenschaften vom KRK 2019

Der Boten-Workshop

Während viele der Teilnehmer nach dem Frühstück in ihren Spielrunden verschwanden, war für mich der Sonntag ein Workshop-Tag. Der erste Punkt auf der Liste war ein Aventurischer-Bote-Workshop, der exemplarisch zeigen sollte, wie ein Artikel für das wohl bekannteste aventurische Druckerzeugnis entsteht. Geleitet vom Social-Media-Verantwortlichen Philipp Neitzel wurde relativ kurz der grobe Entstehungsprozess einer Boten-Ausgabe beleuchtet, bevor es in die konkrete Ideenfindung für einen Artikel ging. Da es um einen Beitrag für die anstehende April-Ausgabe ging, die traditionell etwas weniger bierernst daherkommt (man erinnere sich an die berüchtigte Answin-Bild-Zeitungs-Ausgabe), waren wir sehr frei in der Themenauswahl, und schnell war man sich im etwa zwei Dutzend Teilnehmer starken Publikum einig, dass man ein humoriges Thema wählen wolle.

Um keine Konflikte mit realen Meta-Plot-Ereignisse zu erzeugen (zumal der Redaktionsschluss bereits am folgenden Montag lag, und somit wenig Zeit zur Abstimmung mit der Redaktion blieb), wurde ein nostalgisches Thema gewählt: Eine Restaurantkritik für den berüchtigten Schwarzen Keiler! Sofort wurden jede Menge Vorschläge in den Raum geworfen, einige Teilnehmer hatten sichtlich Spaß daran, sich humoristisch auszutoben. Ich muss gestehen, dass die meisten Vorschläge nicht meinen Humor trafen, und die ganze Veranstaltung etwas zu sehr ins Fremdschämen abdriftete. Ich war froh, nicht in der Haut vom armen Philipp zu stecken, der aus dem ganzen Nonsense innerhalb eines Tages einen zumindest halbwegs plausiblen und lesbaren Artikel basteln musste. Dass ihm das sehr gut gelungen ist, kann jeder im mittlerweile verfügbaren Aventurischen Boten 194.

Ich nahm insgesamt aus dem Workshop die Erkenntnis mit, dass der Aventurische Bote doch mehr ein nebenberufliches Hobby der DSA-Schreiberlinge ist, und man sich über Texte von neuen Autoren freut. Zwar gibt es für jeden veröffentlichten Artikel auch ein paar Euro, von denen man sich aber nicht viel kaufen kann. Prinzipiell kann jeder, der eine gute Idee hat oder als DSA-Autor einsteigen möchte, der Boten-Redaktion (in Person von Serina Hänichen) ein Thema vorschlagen. Man muss dann aber auch in der Lage sein, diesen Text in eine vorgegebene Zeichenanzahl zu quetschen. Auch ist das Schreiben für den Boten ein guter Einstieg, um die DSA-Redaktion auf sich aufmerksam werden zu lassen und zu beweisen, dass man innerhalb der Vorgaben einen Text verfassen kann. Der Workshop war also prinzipiell interessant und kein Totalausfall - aber auf das kreative Rumblödeln hätte ich persönlich verzichten können.

Der Schurken-Workshop

Für die sich direkt anschließende Veranstaltung konnten wir glücklicherweise direkt sitzen bleiben, fand der Workshop Neue Schurken braucht das Land doch ebenfalls in der Raulsarena statt. Moderiert wurde er von Rafael Knop, der zuletzt als Autor der zweiteiligen Donnerwacht-Kampagne in Erscheinung getreten war. Um nicht direkt Konflikte mit dem geplanten Meta-Plot heraufzubeschwören, hatte er sich direkt Verstärkung in Form von Chefredakteur Niko Hoch geholt, der nicht nur direkt eingreifen konnte, wenn bereits verplante Meisterpersonen zu Bösewichten aufgebaut werden sollten, sondern als ehemaliger Lehrer auch für das Niederschreiben der Publikumsvorschläge an das Whiteboard verantwortlich zeichnete.

Der Workshop begann mit einer Auflistung der bekanntesten noch aktiven DSA-Bösewichter, die aus dem Publikum hereingerufen wurden. Ich muss gestehen, dass ich die eine Hälfte der genannten Namen nicht oder nur flüchtig kannte, und mir die meisten anderen gar nicht erst eingefallen wären, weil sie gefühlt seit Jahren inaktiv irgendwo rumschlummern. Umso schöner, dass am Ende eine durchaus umfangreiche Liste an Antagonisten zusammengekommen war - von denen allerdings die wenigsten noch das Kaliber eines Galotta, Xeraan, Answin oder gar Borbarad haben. Daher werde ich hier auch gar nicht erst versuchen, ein paar bekannte Beispiele aufzulisten, da mir die meisten Bösewichte vermutlich gar nicht erst einfallen würden.

Neben der Sammlung existierender Schurken wurde etwas zu ihrem Einsatz im modernen Rollenspiel gesagt. Niko stellte die gewagte These in den Raum, dass Bösewichte wie Galotta oder Xeraan heute gar nicht mehr möglich wären, weil man dem Spieler nicht zumuten kann, nach bestandenem Abenteuer den Bösewicht entkommen zu sehen, damit dieser neue finstere Pläne schmieden kann. Der moderne Spieler will, so die Theorie, dem Antagonisten am Ende einer Spielsitzung persönlich das Lebenslicht auspusten, und nicht zustehen, wie er durch Meisterwillkür in Sicherheit gerailroaded wird. Ich meine im Publikum die Tendenz verspürt zu haben, dass diese These nicht den Geschmack der Mehrheit traf, und dass man bei einem guten Bösewicht gerne mal bereit ist, diesen das eine oder andere Mal durch die Finger schlüpfen zu lassen. Diese Grundstimmung zeigt sich auch in den Ergebnissen unserer April-Umfrage. Mal sehen, ob dieses Feedback insgesamt zu einer Erhöhung der Anzahl langlebigerer Bösewichte führen wird.

Schließlich wurde ein gemeinsamer Bösewicht entwickelt, der per Abstimmung aus verschiedenen Optionen zusammengebaut wurde. Ohne hier zu viel zu Spoilern sei verraten, dass es sich bei unserem Wunschbösewicht um ein ehemaliges Mitglied einer mutmaßlich ausgelöschten Geheimorganisation handelt, der - so hat es uns der Chefredakteur versprochen - irgendwann in der Zukunft den Teil des Meta-Plots werden und vielleicht auch Gegner unserer Helden werden wird. Ich bin gespannt, ob ich ihn erkenne, wenn er mir im Aventurischen Boten oder in einem Abenteuer begegnet. Ein sehr guter Workshop mit einem spannenden Ergebnis - Spielerherz, was willst Du mehr!

Der Abenteuer-Workshop

Aber der Tag war ja noch nicht zu Ende: Der dritte Workshop stand an, und diesmal ging es um die Erstellung eines Abenteuers. Wie schon im letzten Jahr wurde die Veranstaltung erneut von Rafael Knop geleitet, der sich diesmal aber statt Niko die nette und umtriebige Autorin Jeanette Marsteller als Co-Moderatorin geholt hatte. Leider hatte ich den Workshop im letzten Jahr verpasst, da ich in anderen Vorträgen war, aber nach dem, was mir Kollege Christoph berichtet hatte, und ich bereits Gelegenheit hatte, einen flüchtigen Blick durch das dabei entstandene Abenteuer Fauler Frühling huschen zu lassen, war die Vorfreude schon groß.

Tatsächlich wurde es eine großartige Veranstaltung: Rafael und Jeanette hatten bereits einen Ort und mögliche Aufhänger für das Abenteuer herausgesucht und als Post-Its an Whiteboards ausgehängt, und so konnten wir gleich damit beginnen, uns durch Abstimmungen auf mögliche Plotelemente zu einigen. Das Abenteuer sollte in Mirham spielen, einer Stadt, die wir bisher noch niemals als Spieler oder Meister bereisen durften und die mir daher auch rein gar nichts sagte. Dabei bietet sie mit dem Königspalast, der mal eben das größte Gebäude Aventuriens darstellt, über 38 Kapellen verfügt, und neben dem ein riesiger Knochen-Golem unbekannter Herkunft herumsteht, einen ausgesprochen reizvollen Örtlichkeit für Abenteuer, die zudem nicht schon durch unzählige vorherige Abenteuer ausgelutscht wurde.

Brainstorming beim Abenteuer-Workshop mit Rafael und Jeanette

Und so begann die Brainstorming-Phase, wo wir gemeinsam versuchten, aus den zahlreichen gegebenen Inspirationen eine zusammenhängende Geschichte zu entwickeln. Interessant war dabei zu sehen, dass die Autoren der diversen Regionalspielhilfen bereits so viele offene Abenteueraufhänger vorbereitet hatten, dass wir die losen Fäden nur einigermaßen sinnvoll miteinander verbinden mussten, ohne uns alles komplett alleine ausdenken zu müssen. Da sage nochmal einer, Aventurien wäre zu klein und zu festgefahren - es gibt wohl für die nächsten 100 Jahre noch genug unbekannte Ecken zu entdecken und Abenteuer zu erleben.

Ohne zuviel von dem Abenteuerplot zu verraten, sei nur soviel gesagt, dass wir uns für die große Anzahl an Teilnehmern relativ schnell auf ein Grundgerüst einigen konnten, dessen einzelne Abschnitte dann in kleinen Grüppchen weiter ausgefeilt wurden. Zwar passten die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen nicht immer hundertprozentig zueinander, aber Rafael schien dennoch zuversichtlich zu sein, aus diesem bunten Ideen-Potpourri ein gefälliges Gesamtwerk schaffen zu können. Denn - und das ist das Coolste an dieser Veranstaltung - auch diesmal wird Rafael sich bemühen, bis zum nächsten Jahr ein fertiges Abenteuer aus unseren Ideen zu fertigen, das man hoffentlich bereits beim nächsten KRK käuflich erwerben kann. Ich drücke die Daumen, dass es klappt!

Insgesamt war dies sicherlich eines meiner Highlights des gesamten Kaiser-Raul-Konvents: Die ganze Veranstaltung war sehr produktiv und spannend, die vorgegebenen Themen sehr inspirierend, und man hatte Dank des unverbrauchten Settings auch keinerlei Bedenken, gegen bestehende Setzungen zu verstoßen - ein Zustand, der bei einem Abenteuer im sehr viel dichter beschriebenen Mittelreich sicherlich nur mit sehr viel mehr Rechercheaufwand zu erreichen gewesen wäre. Die einzelnen Arbeitsgruppen haben gut zusammengearbeitet, die ganze Atmosphäre war sehr entspannt und fröhlich. Was sicher nicht zuletzt an den beiden großartigen Moderatoren lag, die uns mit viel Spaß am Schreiben und aventurischem Sachverstand souverän durch die Veranstaltung leiteten. Ein großes Kompliment und Dankeschön an Jeanette und Rafael! Christoph und ich haben uns direkt per E-Mail als Probespieler bei Rafael angemeldet. Mal sehen, ob wir irgendwann “unser Baby” als Testspieler erleben dürfen.

Die Zusammenkunft

Und damit folgte der letzte finale Punkt auf der Tagesordnung: Die berühmt-berüchtigte Zusammenkunft, bei der die in den unzähligen Abenteuer-Spielrunden erlebten Mini-Handlungsstränge zu einem großen Ganzen verwoben wurden. Da ich dieses Jahr keine Spielrunde mitgemacht habe, kann ich leider auch nicht beurteilen, was im Einzelnen geschehen war. Daher ging ich wie immer vollkommen unbedarft in die Veranstaltung und ließ mich überraschen.

Rauls Ratssaal war bis zum Bersten gefüllt, als erneut die beiden Schwestern Fatas und Ymra (gespielt von Mháire Stritter und Jeanette Marsteller) die Bühne betraten und das kleine Theaterstück eröffneten. Da ja hoffentlich schon bald ein Video der Zusammenkunft bei Ulisses erscheinen wird (so wie schon 2017 und 2018), sollte sich jeder selbst die Ereignisse ansehen, anstatt sich auf mein nur rudimentäres Verständnis des Geschehens zu verlassen. Es scheint, als seien die Wahrer des göttlichen Funkens und die Nanduskirche sich gerade gerade einig gewesen, die in den einzelnen Abenteuern erbeuteten Artefakte verschwinden zu lassen, um sie nicht in die falschen Hände geraten zu lassen, als ein (versuchtes?) Attentat der Ilaristen dazwischenkommt. Diese halten von derartiger Vertuschung natürlich nicht viel, und wollen stattdessen die Macht der Artefakte allen zukommen lassen.

Was sich aus dieser Konstellation in kommenden Publikationen entwickelt, wird die Zukunft zeigen. In jedem Fall war das Theaterstück trotz angeblich kurzer Vorbereitungszeit gut gespielt von allen Beteiligten, die in voller LARP-Gewandung aufgelaufen sind. Großes Kompliment an Mháire, Jeanette, Philipp, Niko, Christian und all die anderen Jungdarsteller, denen bestimmt noch eine große Karriere auf den Bühnen dieser Welt bevorsteht. Vielleicht. Oder sollten sie doch besser beim Schreiben von DSA-Publikationen bleiben?

Die Heimreise

Kaum war der letzte Applaus, die Dankesworte von Markus an alle an der Vorbereitung und Durchführung des KRKs Beteiligten verklungen, da war das Event auch schon wieder zu Ende! Alle strömten aus Rauls Ratssaal, schüttelten Hände, philosophierten über das Erlebte, oder verschwanden Richtung Parkplatz, um die lange Heimreise in alle Teile Deutschlands anzutreten. Auch Christoph und ich verabschiedeten uns noch von ein paar Leuten, mussten dann aber schnell Richtung Heimat aufbrechen, da dort die Abgabe des Mietwagens bis 18 Uhr erfolgen musste. Und so ging es auf die Autobahn. Die Rückfahrt war lang, aber ereignislos, wir waren beide müde, aber glücklich ob der schönen Zeit in den letzten beiden Tagen.

Sich nach dem KRK wieder in den Alltag zu integrieren, fällt schwer. Die Vorfreude auf die Convention hat uns ein Jahr lang begleitet, und wenn sie dann nach viel zu kurzer Zeit schon wieder vorbei ist, fällt man in ein kleines Motivationsloch. Denn erneut heißt es wieder unendlich lange zu warten, bis sich erneut die Tore von Rauls Ratssaal öffnen mögen. Christoph und ich, und vermutlich all die anderen Teilnehmer, hatten drei Tage lang eine tolle Zeit unter Gleichgesinnten, konnten unserem Lieblings-Hobby frönen, das großartige Hotel genießen, neue Produkte kaufen und uns über kommende Neuheiten informieren lassen. Wir haben viele neue Leute kennengelernt, haben alte Bekannte wiedergesehen, und haben genossen, dass man sich mit jedem, egal ob man sich schon lange kennt oder gerade das erste Mal begegnet ist, oder ob es sich um Redakteur oder einfach nur Fan handelt, sofort Auge zu Auge über das eine Thema unterhalten konnten, das uns alle bewegt: Das Rollenspiel in der Welt des Schwarzen Auges.

Wie schon im letzten Jahr bin ich mit einem Dauergrinsen nach Hause zurückgekehrt, und die Frage, ob es sich tatsächlich lohnt, derartig viel Geld für eine Rollenspielveranstaltung auszugeben, stellt sich mir nicht eine Sekunde lang. Dass wir auch im nächsten Jahr wieder teilnehmen werden, ist eine Tatsache. Wenn die Zwölfgötter und der Kartenvorverkauf es zulassen, werden wir uns am 13. März 2020 im Collegium Glashütten wiedersehen. Und ich kann schon jetzt kaum erwarten.

Kommentare

  1. Hat dieses Jahr nicht die Bruderschaft vom zweiten Finger Tsas das Gruppenspiel gewonnen?!? Der Abenteuerworkshop war dieses Jahr mein persönliches Highlight.

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    1. Ja, hat sie. Daran hatten mich auch meine Nuntiovolo-Kollegen bereits erinnert, ich war nur zu verpeilt um es vor der Veröffentlichung des Artikels einzubauen. Ja, der Abenteuer-Workshop war genial. Ich freu mich wie Bolle auf das Ergebnis!

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  2. Vielen Dank für die ausgiebigen Einsichten! Ist ja fast, wie selbst dabei gewesen zu sein :)

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    1. Aber auch nur fast: Kein Bericht kann auch nur ansatzweise rüberbringen wie cool so ein KRK ist, wenn man ihn selbst erleben darf. Sei doch einfach nächstes Jahr auch dabei! Es lohnt sich!

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    2. Da bist du nicht der Einzige, der mich davon versucht zu überzeugen :D

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    3. Sehr gut, je mehr Dich bequatschen desto weniger kannst Du dem nächsten KRK entkommen! Zur Not fahren wir über Köln und holen Dich ab!

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  3. Danke für die erneute Werbung für "Gefängnis der Schatten" und erneut für die Print-Ausgabe :)

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    1. "Gefängnis der Schatten" ist ein kostenloses einsteigerfreundliches Abenteuer mit tollen Illustrationen, einen coolen Dungeon und Borbarad-Bezug. Wie kann man das nicht mögen? Warum ist dafür überhaupt Werbung nötig? Das Ding müsste von alleine viral gehen! Müssen wir erst eine Telefonlawine starten? Euch jedenfalls nochmal vielen Dank für das Abenteuer, den schönen KRK-FIlm (muss ich oben noch einbetten) und die netten Gespräche auf dem KRK!

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  4. Danke für das Teilen deiner Eindrücke. Ich wäre auch gerne dabei gewesen, doch leider musste meine Frau unbedingt an diesem Wochenende ihren Geburtstag feiern. Vielleicht beim nächsten Mal.

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    1. Einfach während des KRKs Geburtstag zu haben bzw. zu feiern ist aber auch eine Frechheit Deiner Frau. Das mir das nie wieder vorkommt! ;-) Im nächsten Jahr dürfte das Problem dann hoffentlich nicht mehr auftreten, da der Termin ja etwas später liegt. Insofern: Hoffentlich bis zum nächsten Mal! Und danke für's Lesen!

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