Kaiser-Raul-Konvent 2020

Konvent, Keynote und Corona - das DSA-Rollenspiel-Highlight 2020, der Kaiser-Raul-Konvent 2020 stand im Vorfeld unter keinem guten Stern. Während ringsherum im Land Bundesliga-Spiele ohne Zuschauer stattfanden, Großevents abgesagt wurden und Kindergärten und Schulen schlossen, saßen über 120 KRK-Teilnehmer zu Hause und harrten auf Mails aus Waldems. Würde der KRK stattfinden? Würden genug Teilnehmer erscheinen? Und kann man so ein soziales Großevent in Viruspanikzeiten überhaupt genießen? Der Schelm verrät Euch, wie es wirklich war! 
Es fühlt sich reichlich surreal an: Es ist Mitte Juni. Die Welt ist noch immer fest im Griff von Corona-Viren. Fast siebeneinhalb Millionen Menschen sind infiziert, über 400.000 Menschen sind bereits gestorben. Tagein, tagaus sitze ich, wie Millionen anderer Menschen in allen Ecken der Welt, noch immer zu Hause, bespaße meine Kinder, versuche etwas Arbeit im Home-Office geschafft zu kriegen, und den täglichen Stress, die Langeweile und Unsicherheit zu verdrängen, die unser aller Leben in den letzten Monaten vollkommen umgekrempelt hat.

Und gleichzeitig ist der erste Mai schon seit einiger Zeit vorbeigerauscht, und somit auch das Ende der traditionell von Ulisses verhängten Pressesperre. Seit sechs Wochen wäre es mir also erlaubt gewesen, über die tollen, coolen, lang erwarteten drei Tage im März zu reden, über all die Neuigkeiten, Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse, die den Kaiser-Raul-Konvent Jahr für Jahr ausmachen. Aber wie immer kamen auch dieses Jahr andere Dinge dazwischen: So sind wir, neben all dem ohnehin schon nervigen Corona-Stress, noch in unser frisch erworbenes Eigenheim gezogen, sodass meine letzten Wochen eher mit Umzugskartons, anzuschraubenden Fußleisten und anzubringenden Deckenlampen gefüllt waren. Daher mag man mir bitte verzeihen, wenn mich meine Erinnerungen in manchen Details bereits wieder verlassen haben. Aber lasst es uns gemeinsam versuchen: Eine kurze Reise zurück in eine Zeit, als Menschen noch normal arbeiten gingen, sich zur Begrüßung die Hände schüttelten, und vor dem Einkaufen noch keine Stofflampen über den unteren Gesichtsbereich zogen... 



Die formschöne KRK-Con-Tasse 2020


Der Kuchen

Keine Frage: Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen die Kälte des Winters durchdringen, wenn zaghaft erste Schneeglöckchen zu blühen beginnen und der typsiche Deutsche sich zu fragen beginnt, wann er denn die Sommerreifen auftziehen kann, dann beginnt wieder eine innere Unruhe den Schelm und ca. 120 andere Personen zu erfassen, die sich auf das rollenspielerische Highlight des Jahres freuen: Der Kaiser-Raul-Konvent naht!

Mittlerweile, in seiner vierten Inkarnation, und der dritten, der ich mit meinem Kumpel Christoph beiwohnen wollte, hatte sich etabliert, dass ich irgendeine Art von Süßspeise zur Convention mitbringe. War es im Jahr 2018 noch die DSA-Logo-Schokolade, die an einzelne Teilnehmer verteilt wurde, wurde diese im letzten Jahr durch den passenden DSA-Logo-Kuchen getoppt, der zumindest optisch auf ein sehr positives Echo stieß. Somit stand fest, dass ich mich in diesem Jahr an einem ähnlichen, aber deutlich ambitionierteren Backprojekt versuchen würde.

Schon länger träumte ich von einem Aventurien-Kuchen, mit dem ich meiner alten Liebe zur Ina Kramer'schen Aventurien-Gesamtlandkarte Ausdruck verleihen wollte. Bereits zur letztjährigen 35-Jahre-DSA-Party in Essen hatte ich einen solchen Kuchen geplant, aber aus organisatorischen und gesundheitlichen Gründen (meine Kinder hatten mich mit Hand-Mund-Fuß-Krankheit infiziert) nicht umgesetzt. Nun jedoch sollte mich niemand mehr aufhalten: Das Projekt Aventurien-Kuchen konnte beginnen!

Da ich zugegebenermaßen ein miserabler Konditor bin und mein Backkünste beim Anrühren von Fertigbackmischungen und dem Anfertigen von weihnachtlichem Spritzgebäck enden, wurde als Grundstruktur wieder ein einfacher trockener Kuchenboden, bestehend aus insgesamt 8 verschiedenen Backmischungen in drei Geschmacksrichtungen (Schokoflocken-Kuchen, Nusskuchen und Schokokuchen) gewählt.

Einige der Zutaten für den Aventurien-Kuchen

Nachdem ich im letzten Jahr einen Einlegeboden aus dem Kinderbett meines Sohnes als Kuchen-Unterlage gewählt hatte, musste es in diesem Jahr aufgrund der Größe des zu erwartenden Machwerks ein deutlich größerer Transportboden sein: Spontan wurde ein alter, vor sich hinstaubender Bilderrahmen aus einer Arbeitszimmerecke hervorgekramt, grundgereinigt und desinfiziert, und nach und nach mit den nach Rezept gefertigten Teil-Kuchenstücken belegt.

Eines von vier fertigen Kuchen-Panelen

Nach einigen gescheiterten Attacken und Patzern mit der gefürchteten Nahkampfwaffe Kuchensäge gelang es mir, die vier vorgebackenen und ausgekühlten Kuchen-Elemente derartig in eine fast quaderförmige Form zu zwingen, dass sich jeweils zwei Böden ohne Gegenwehr mit Kuvertüre zusammenkleben ließen.

Die fertige Kuchenstücke, mit der Kuchensäge grob in Form gebracht

Nun kam der gefürchtete und schwierigste Teil: Die Arbeit mit dem berüchtigten Werkstoff Fondant (meiner Meinung nach das lang gesuchte sechste magische Metall), der normalerweise nur mit der Profession Zuckerbäcker oder dem Ritual Hartes schmelze bezwungen werden kann. Ich wähnte mich gut vorbereitet: Ein halbes Dutzend Packungen blauen Fondants lagen bereit, um die aventurischen Ozeane nachzubilden, und vier weitere Packungen grünen Fondats harrten darauf, endlich in Form des aventurischen Kontinent gebracht zu werden. Da kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen, oder?

Der fertige Kuchenunterbau, der nun "nur" noch auf die Fondant-Decke wartet

Doch statt Fondant-Kuchen hieß es: Pustekuchen! Denn mit meiner süßen kleinen Fondant-Rolle gelang es mir natürlich nicht, das Fondant ordentlich und dünn genug in eine blaue Decke zu rollen, die den ganzen Kuchen bedecken würde. So sehr ich auch presste und walkte, zog sich der störrische,  niederhöllische, vermutlich viel zu wenig vorgeknetete Werkstoff stets wieder zusammen. Daher konnte aufmerksame Beobachter mitten in der Nacht einen recht angepissten Schelm im Auto von Supermarkt zu Supermarkt rasen sehen, um die letzten Vorräte Bochums an blauem und grünem Fondant zu hamstern, während um ihn herum Einkaufswagen mit Mehl, Nudeln und Klopapier vollgepackt wurden. 

Das grüne Fondant wartet auf das Skalpell

Endlich war es so weit: Eine blaue und eine grüne, viel zu dicke Fondant-Decke lagen vor mir auf dem Tisch. Mit dem Skalpell wurden die Umrisse des aventurischen Kontinents von vier DIN A4 Kartenteilen nachgezeichnet und halbwegs präzise ausgeschnitten. Mittlerweile war es so spät und der Zeitdruck so groß, dass meine Hoffnungen, noch Bergketten, Städte, Wälder, Inseln oder Seen nachbilden zu können, völlig utopisch waren. Selbst für Maraskan reichte die Zeit leider nicht mehr. Bitte verzeiht, Bruderschwester. Aber egal: Das musste reichen!

Die fertige Umrisskarte von Aventurien - man beachte die Abwesenheit von Maraskan

Und so ward sie also fertiggestellt, meine große, erfreulich unprofessionell wirkende, viel zu trockene Aventurien-Torte. Leider habe ich vergessen das Ergebnis nachzuwiegen, aber ich kann sagen, dass allein so manches Kilogramm Fondant seinen Weg zum Kollegium Glashütten angetreten hat und von dort nie mehr zurückkehrte!

Und hier das fertige Kuchen-Konstrukt. Nicht schön, aber selten!

Der Virus

Der Kaiser-Raul-Konvent ist ja ohnehin immer ein Grund zur Freude für mich und hoffentlich alle anderen Teilnehmer. Dieses Jahr war aber noch ein besonderes Highlight geplant: Nachdem in den ersten beiden Jahren DSA-Miterfinder Werner Fuchs als Ehrengast geladen war, und im letzten Jahr das erfolgreiche Autoren-Duo Bernhard Hennen und Robert Corvus sich die Ehre gaben, war für dieses Jahr eine Einladung an Ina Kramer, Britta Neigel und Werner Fuchs rausgegangen. Gleich drei kreative Köpfe der DSA-Früh- und Blütezeit auf einen Schlag, und dann auch noch drei, die so sehr mit dem Namen des DSA-Erfinders Ulli Kiesow verbunden waren - ein großartiger Coup von Ulisses, und eine schöne Chance für alle Teilnehmer, um spannende Geschichten aus der DSA-Historie aufzuschnappen!

Da Ina Kramer und ich seit einiger Zeit in Mail-Kontakt stehen, und mich mein Weg gen Glashütten ohnehin wahlweise über die Sauerlandlinie oder über den Kölner Ring führen würde, bot ich ihr einen Abstecher über Düsseldorf an, um sie am Freitag abzuholen und am Samstag zurück zum Bahnhof zu bringen. Ich durfte also als Chauffeur eines Ehrengastes fungieren - eine Ehre, auf die ich mich schon sehr freute. Natürlich auch darauf, endlich mal Britta Neigel kennenzulernen, die wie ich Inas kommenden Roman Greetja testgelesen hatte, und die bestimmt auch ein paar schöne Geschichten von früher zu erzählen hatte. Und zu guter Letzt ist es auch immer eine Erlebnis, dem legendären Werner Fuchs beim Plaudern aus dem Nähkästchen zuhören zu können.

Aber all die Vorfreude war leider für die Katz, kamen doch leider einige tückische Nanopartikel dazwischen: Aufgrund der sich rasant ausbreitenden Corona-Pandemie und den auch in Deutschland erschreckend steigenden Fallzahlen, wuchs langsam aber stetig die Angst, dass der Kaiser-Raul-Konvent vielleicht abgesagt werden könnte. Immerhin war es eine Karnevalssitzung in Heinsberg, bei der am 15. Februar ein infiziertes Ehepaar für einen großen lokalen Ausbruch der Epidemie gesorgt hatte, und nun, vier Wochen später, war der Gedanke, mit über 120 Teilnehmern in einem Saal zu sitzen und der Keynote zu lauschen, durchaus mit einem mulmigen Gefühl verbunden.

Natürlich war sich auch Ulisses als Veranstalter dieser unsichtbaren Bedrohung bewusst, und so ging bereits am 02. März eine Mail an alle Teilnehmer heraus, dass der Kaiser-Raul-Konvent zwar wie geplant stattfinden würde, man aber in Anbetracht der Ansteckungsgefahr darum bittet, die verschärften Hygieneanforderungen einzuhalten (Nies-Etikette, Hand-Desinfektion, Verzichtung auf Umarmungen). Ja, auch wenn es schwerfällt, das heute zu glauben: Damals war tatsächlich von Mundschutz, 2-Meter-Abstandsregeln, Lockdown und Social Distancing noch kaum die Rede. Immerhin gab es zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 240 bestätigte Infektionen in ganz Deutschland, in Hessen, wo der KRK stattfinden sollte, insgesamt 12. Eigentlich kaum der Rede wert, oder? Wie schnell sich unser Leben im Verlauf eines Monats ändern würde, war Anfang März für die meisten noch kaum zu ahnen.



Je näher der KRK-Termin rückte, desto mehr überschlugen sich die Ereignisse: Am 08. März sprach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Empfehlung aus, alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorläufig abzusagen. Das Land Hessen folgte dieser Empfehlung am Donnerstag, dem 12. März - einen Tag vor dem KRK-Beginn! Auch bei Ulisses wurde man deutlich nervöser: So schrieb man per E-Mail am selben Tag die drei Ehrengäste an (von denen zumindest Ina und Werner durch ihr fortgeschrittenes Alter zur Risiko-Gruppe gehören) und empfahl ihnen ausdrücklich, sich die Teilnahme gründlich zu überlegen. Werner sagte daher auch leider ab, während Ina noch überlegte: Immerhin hatte sie versprochen zu kommen, hatte ihre treue Hündin Elfi bereits bei Bekannten untergebracht und schien generell keine große Sorge zu haben sich anzustecken. Solange Britta auch kommen würde, gab es also keinen Grund die Teilnahme abzusagen!

Diese Hoffnung hielt aber leider nur drei Stunden lang: Am Donnerstag Nachmittag sagte dann auch Britta ihre Teilnahme ab, und damit war auch Inas Teilnahme gestorben: Alleine wollte sie das Risiko dann doch nicht eingehen - so leid es ihr und mir auch tat! Und somit wurde der KRK 2020 leider auch zum ersten KRK, der ohne Ehrengäste auskommen musste.

Für uns normalsterbliche Teilnehmer und auch bei Ulisses war das Zittern aber noch nicht ausgestanden. Würde die Veranstaltung trotz aller Bedenken stattfinden können? Bis in die Nacht wurden die Möglichkeiten diskutiert, und so trudelte nachts um halb eins am Freitagmorgen, dem Tag der Kaiser-Raul-Konvent-Eröffnung, eine Mail bei allen Teilnehmern ein:

Ulisses stellte es allen Teilnehmern frei, ob sie an der Veranstaltung teilnehmen, oder in Anbetracht der Ansteckungsgefahr lieber zu Hause bleiben wollten. Kulanterweise sicherte man im Falle einer Absage die volle Rückerstattung der Ticketpreise zu - man kann sich ausrechnen, was für Kosten auf Ulisses zugekommen wären, wenn alle Teilnehmer von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hätten. Immerhin reden wir hier von 120 Teilnehmern à 399 € bis 549 €, insgesamt also durchaus ein bis zwei Jahresgehälter eines durchschnittlichen Ulisses-Mitarbeiters. Um den finanziellen Schmerz etwas abzumildern, bot man stattdessen auch eine Gutschein-Lösung an, mit der man für den Ticketpreis plus 100 € im F-Shop einkaufen könnte. Für Ulisses sicherlich die bessere Variante - aber ob jemand dieses Angebot wahrnehmen würde?



So kam es, dass wenige Stunden vor dem Beginn des Kaiser-Raul-Konvents 2020 niemand genau wusste, wie viele Leute kommen würde, ob alle Workshops und Event stattfinden würden, und ob die Veranstaltung nicht vielleicht doch noch in letzter Sekunde abgesagt werden könnte.

Und ich? Sollte ich wirklich in diesen Zeiten am KRK teilnehmen? Das war für mich nicht einen Moment eine Frage. Wie schon bei der letzten Spielemesse und der 35-Jahre-DSA-Party in Essen galt es, die tatsächliche Gefahr der Ansteckung mit der Freude einer Con-Teilnahme abzuwägen. Damals ging es um Hand-Mund-Fuß-Krankheit (eine für Erwachsene meist wenig ansteckende und völlig ungefährliche Krankheit), diesmal um COVID-19. Wie schon beim letzten Mal entschied ich auch diesmal, dass die Chance einer Ansteckung zu gering war, um auf die Veranstaltung zu verzichten (wie gesagt: Es gab zu diesem Zeitpunkt erst 12 bekannte Infizierte in Hessen, einem Bundesland mit 6,2 Millionen Einwohnern!). Ich weiß, dass meine Teilnahme trotz Ansteckungsgefahr schon in Essen bei einigen Lesern für Unmut gesorgt hat, da ich angeblich mein "Fantum" über die Gesundheit meiner Mitmenschen stellen würde. Es ist jedem freigestellt, das so zu sehen. Ich jedenfalls habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und stehe zu ihr. Mit einem mulmigen Gefühl, aber fester Entschlossenheit, die Gefahr für drei Tage voller toller Rollenspielerlebnisse auf mich nehmen zu wollen, setzte ich also meine Reisevorbereitungen fort. 

Die Bücher

Neben dem Kuchen hatte ich auch noch etwas anderes vorbereitet, das ich in Glashütten auf die Besucher loslassen wollte: Gedruckte Ausgaben der beiden Kurzgeschichten Kann nicht lesen, kann nicht schreiben, aber will Baronin werden und Madame um Mitternacht, beide von Ina Kramer geschrieben. Da ich quasi die Entstehung der Geschichten miterlebt habe (Ina hatte mir immer wieder frühe Versionen der Geschichten und auch ihres hoffentlich kommenden Romans Greetja geschickt), wollte ich sie natürlich auch in gedruckter Form für mein Regal haben. Im letzten Jahr hatte ich bereits einmal eine Druckfassung der "Baronin" bei Markus Plötz auf dem KRK gepitcht, dieser hatte sie jedoch als schwer zu verkaufen abgelehnt.


Die 2019 gepitchte Buchversion von Ina Kramers Geschichte (links) und die 2020 verkaufte (rechts) 

Also wurde ich selbst aktiv, brachte die beiden Geschichten erst im Scriptorium Aventuris heraus und fragte dann bei der DSA-Redaktion an, ob es möglich wäre, einige Dutzend Exemplare der beiden Geschichte als gedruckte Bücher auf dem KRK zugunsten eines guten Zwecks zu verkaufen. Freundlicherweise gab Ulisses sofort die Erlaubnis, und so ging ich selbst in Vorkasse, ließ jeweils 50 Exemplare beider Geschichten bei epubli per Print-on-Demand drucken, und hoffte inständig, dass die gedruckten Werke noch vor dem KRK bei mir eintreffen würden.


So sehen 100 Ina Kramer Bücher in einem Karton aus

Tatsächlich klappte das ohne Probleme, und ich war schon ein wenig stolz, die formschönen Büchlein in Händen zu halten. Auch wenn es mir nicht gelungen war, eine "echte" Buchveröffentlichung im Ulisses-Verlagsprogramm zu platzieren, gab es nun doch wenigstens semi-offiziell ein paar limitierte Exemplare, die unter den eingefleischten Fans auf dem KRK in gute Hände kommen würden. Und nebenbei auch noch ein paar Euro für die Kinder-Hospize der Bärenherz-Stiftung einspielen würden, die die netten Leute von Ulisses seit vielen Jahren mit mancher Aktion auf verschiedenen Cons unterstützt haben.



Die beiden Bücher von vorne und von hinten

Allerdings spürte ich nun auch zum ersten Mal die Probleme eines Buch-Verlegers: Wie viele Exemplare würde ich wohl unter 120 Teilnehmern verkaufen können? An jeden zweiten Teilnehmer, oder jeden dritten? Würde man mir die Bücher aus den Fingern reissen, oder würde ich auf einem 430 € teuren Stapel Altpapier sitzen bleiben? Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ich mangels Interesse erst vor kurzem mehr als ein Dutzend Exemplare meiner vor 13 Jahren geschriebenen Doktorarbeit schweren Herzens ins Altpapier werfen musste, war die Festlegung der Druckauflage eine schwierige Entscheidung. Und ich war gespannt, wie meine zaghaften Schritte als Klein-Verleger ausgehen würden. 


Meine gedruckte Dissertation im Altpapier - kein schöner Anblick!

Die Anreise

Genug der Vorbereitungen: Der große Tag war gekommen! Am Freitag morgen, nachdem der Kuchen endlich halbwegs fertiggestellt war, holte ich den Mietwagen ab (meine Frau verbrachte das Wochenende mit beiden Kindern bei Schwiegermutter, und brauchte somit das Auto), sammelte mein Gepäck und meinen Kumpel und treuen KRK-Gefährten Christoph ein, und brauste Richtung Glashütten.


Unser treues Transportmittel nach Glashütten!

Halt, nein - erstmal ging es noch nach Düsseldorf-Gerresheim, hatte ich doch Ina Kramer versprochen, Ihr noch ein paar Exemplare ihrer Bücher vorbeizubringen. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Zwischenstopp werden, aber ehe wir uns versahen, saßen Christoph und ich in jenen ehrwürdigen Räumlichkeiten, wo damals von Ulli Kiesow die Zukunft Aventuriens geplant wurde, wo so manche legendäre Spielrunde stattgefunden hatte, und unzählige tolle Ina Kramer Illustrationen entstanden waren.

Wir quatschten über eine halbe Stunde, ließen uns von Ina noch eine Verpflegungstüte für unsere KRK-Spielrunden überreichen (Danke, Ina, es war sehr schmackhaft!), und machten uns erst 40 schöne Minuten später wieder auf den Weg nach Glashütten. Auch Christoph, der wie ich glaube eigentlich gar keine große Lust auf den Zwischenstopp hatte, hatte die Zeit bei Ina gefallen, und attestierte ihr, als wir wieder im Auto saßen, dass sie ziemlich cool und sympathisch sei. Schade, dass die anderen KRK-Teilnehmer nicht auch in den Genuss kamen, sie einmal kennenzulernen.

Die Ankunft

Gegen 17 Uhr - eine Stunde später als geplant - bogen wir endlich auf den riesigen Parkplatz der ebenso riesigen Hotelanlage ein. Das Collegium Glashütten kannten wir ja schon vom letzten Jahr, und allein die Vorfreude auf die schönen Zimmer, das tolle Abendessen und ein Wiedersehen mit all den netten Gesichtern vom letzten Jahr machte die dreistündige Autofahrt wieder wett. Vorher galt es aber, Gepäck und Gebäck ins Hotel zu schleppen, und es stellte sich raus, dass das Schleppen von ca. 6 kg Kuchen, 12,3 kg Kurzgeschichten-Bücher sowie dem Nötigsten an Bekleidung und Körperhygiene-Mittelchen auch den ausgeruhtesten Schelm ins Schwitzen bringen.

An der Rezeption traf ich auch schon Community-Manager Jens Ballerstädt, der gerade mit ernster Miene dem Hotelpersonal die Liste der Absagen vorlas. Fast 30 Personen sollen es gewesen sein, die angesichts der Corona-Krise oder anderer Gründe auf eine Teilnahme verzichtet hatten. Ganz schön viele (wenn ich denn die richtige Zahl aufgeschnappt habe). Andererseits hieß das aber auch, dass immerhin 90 Teilnehmer trotz aller Bedenken gekommen waren, und das versprach doch trotz allem eine geile Veranstaltung zu werden!

Der Check-In verlief, wie auch im letzen Jahr, wunderbar freundlich und effizient, und so war man wenige Minuten später schwitzend, aber glücklich in seinem Zimmer. Hier zeigte sich auch wieder, warum Luxus-Conventions einen großen Vorteil gegenüber dem Schlafen auf Luftmatrazen auf harten Stadthallen-Böden haben: Die Zimmer sind einfach wahnsinnig hell und modern, freundlich und gemütlich eingerichtet. Der Blick über den Hochtaunus ist grandios, und außer viel Natur gibt es nichts zu sehen, was einen dazu bringen könnte, das DSA-Konferenzhotel zugunsten der Außenwelt verlassen zu wollen.


Der Schelm und der Kuchen haben das Hotelzimmer sicher erreicht


Wie immer wurden schnell die KRK-Unterlagen durchgesehen, die jeder Teilnehmer beim Check-In erhält: Das Programmheft mit den Spielrunden-Beschreibungen, dem Hotelplan, dem Zeitplan und allen anderen wesentlichen Infos. Die Info-Zettel für die Spielrunden und Panels. Das exklusive Con-(Heldenwerk)-Abenteuer, das dieses Jahr auf den Namen Wandel im Chaos hört und von von den beiden Asboran-Maraskan-Kennern Thorsten Most und Josch K. Zahradnik geschrieben wurde. Und natürlich das obligatorische Namensschild. Nicht in der Tüte dabei waren die beiden Orden, die aber abends noch nachgereicht wurden: Ein blau-weißer KRK-Orden mit gekreuzten Schwertern sowie für alle Ulmenkabinett-Teilnehmer ein purpurner Greifenorden, beide wie immer von Godicon aus hochwertigem Metall gefertigt und äußerst schick anzuschauen.


Der Inhalt der diesjährigen Con-Tüte


Nachdem ich mich erstmal frisch gemacht hatte, ging es hinunter ins Getümmel, um all den Leuten Hallo zu sagen, die man seit der tollen Convention-Saison 2019 nicht mehr gesehen hatte. Größte Änderung: Statt Umarmungen und Handschlag gab es jetzt eher moderaten Abstand und hin und wieder das Zusammenstoßen von Ellenbogen. Es war schnell klar, dass grundsätzlich eine andere, vorsichtigere Stimmung in der Luft lag, die aber glücklicherweise gleichzeitig der allgemeinen Wiedersehensfreude und der Vorfreude auf drei tolle Tage keinen Abbruch taten.

Ich ließ den Kuchen wie schon im letzten Jahr im Speisesaal auf dem Nachtisch-Buffet-Tisch platzieren (auch wenn das Hotel darauf bestand, dass diese potentiell toxische und/oder virenverseuchte Backware nicht vom Hotel kam, man sie nicht offiziell dorthin stellen würde und man im Falle eines Falles leugnen würde irgendwas damit zu tun zu haben). Anschließend ging es zurück ins Getümmel: Überall gab es bekannte Gesichter, und es wäre müßig zu versuchen all die netten Begrüßungen, Gespräche, Begegnungen zu beschreiben, die den Beginn eines Kaiser-Raul-Konvents ausmachen. Stellt Euch einfach ein Klassentreffen vor, aber mit Leuten, die durch ein gemeinsames Hobby verbunden sind. Trotz aller Bedenken und Sorgen, die es durch die CoViD19-Bedrohung gab, war es schönes Wiedersehen mit Freunden. Und ehe man sich versah, hatte auch schon der Shop eröffnet...

Der Shop

Wie in jedem Jahr lief der Ulisses-Shop auch 2020 unter dem Namen Tempel von Handel und Wandel, und wie in jedem Jahr wurde er schon kurz nach der Eröffnung von zahlreichen kaufhungrigen DSA-Fanatikern gestürmt. Einziger Unterschied zu den letzten Jahren war, dass ich diesmal nicht zu den ersten Käufern gehörte, hatte ich doch dieses Jahr selbst eine Mission: Nämlich alle Ina Kramer Bücher unter's Volk zu bringen! Und so platzierte ich die beiden Buchstapel und eine eigens mitgebrachte Spardose auf einem Tisch neben der Kasse, und versuchte die ersten Exemplare an den Mann zu bringen. Diese wurden mir natürlich auch von den einschlägigen Sammlern aus der Hand gerissen (insbesondere die Macher des DSA-Sammlerarchivs wollten sich die beiden Büchlein auf keinen Fall entgehen lassen), und so war ich erstmal eine Zeitlang mit der Erklärung und dem Verkauf der Bücher beschäftigt, bevor auch ich mich selbst in die Stapel der offiziellen DSA-Publikationen stürzen konnte.

Wie in jedem Jahr gab es auch diesmal eine blaue Deluxe-Ausgabe des diesjährigen Heldenwerk-Archivs, das schon die Nummer 4 trägt, und erneut alle Heldenwerk-Abenteuer des letzten Jahres, einschließlich des exklusiven KRK-Abenteuers beinhaltet: Der Apfelwurm von Alriksfurt, Ein Fest für die Augen, Nachtschwarze See, Angbarer Bock, Dornenpfad, Das Mädchen und der Menschenfresser und Wandel im Chaos - schön viele Abenteuer im formschönen blauen Einband.



Für alle Fans von Besuchern aus anderen Sphären gab es das Aventurische Pandämonium 2 zu erwerben, was insofern bemerkenswert ist, weil der erste Band erst auf der RatCon Berlin im Juli letzten Jahres erschienen ist. Nachdem das Werk aber anscheinend gut angekommen ist und sich gut verkauft hat, wurde schleunigst ein Nachfolger herausgebracht, der schon durch sein Cover zu gefallen weiß. Nettes Detail am Rande: Unter den illusteren Autoren befindet sich mit Marcel Blex auch erstmals ein Spieler aus meiner DSA-Runde. Herzlichen Glückwunsch, Herr Autor!


Die KRK-Neuheiten 2020

Ein weiterer herzlicher Glückwunsch ist wohl auch für Reich der Toten, dem sechsten und letzten Band der großartigen epischen Romanreihe Das Blut der Castesier von Daniel Jödemann angebracht. Nachdem vor einem Jahr auf dem KRK 2019 der erste Band Blutnacht überraschend angekündigt und auch bereits verkauft wurde, haben Autor und Redaktion es tatsächlich geschafft, im püntlichen Zwei-Monats-Rhythmus die nachfolgenden Bände auf den Markt zu werfen. Eine echte logistische, literarische und redaktionelle Meisterleistung, und Balsam auf die arg geschundene Seele der von früheren abgebrochenen Buchrreihen traumatisierten DSA-Roman-Leser. Jetzt muss dieser zeitlich arg gestresste und noch immer im dritten Roman feststeckende Rezensent nur mal irgendwann die Zeit finden, die fehlenden Bücher zu lesen und hier zu bewerten...

Leider waren das auch schon wieder die wesentlichen Produkt-Neuheiten des Kaiser-Raul-Konvents: Weitere Publikationen gab es leider noch nicht zu erwerben. Während im letzten Jahr mit Aventurische Tiergefährten, dem Heldenwerk-Archiv 3, dem erwähnten Roman Blutnacht, dem Thorwal-Abenteuer Fauler Frühling, den beiden Gotongi- und Greifen-Plüschis und dem im Vorverkauf erhältlichen Splitterdämmerungs-Abschluss-Abenteuer Eiserne Flammen noch ein sehr ordentliches Aufgebot an DSA-Devotionalien gab, fand ich die Shop-Ausbeute 2020 leider etwas mau. Ich tröstete mich, indem ich noch die formschöne, diesmal in reinem Weiß mit blauem Aufdruck gehaltene KRK-Con-Tasse, drei Exemplare des KRK-Würfels und das Ulisses-Con-Tour-T-Shirt mit der im Stream von Nadine Schäkel geschaffenen Ulisses-Ratte Alea erwarb. 


Das Ulisses-Con-Tour-T-Shirt 2020

Letzteres ist ein bittersüßes Mitbringsel, erinnert es doch auf tragische Weise daran, welche tollen Veranstaltungen für das Jahr 2020 noch geplant waren, die nun leider wegen Corona ausfallen oder verschoben werden mussten. Umso mehr mag ich das T-Shirt sehr, und habe es auch am ersten Mai-Wochenende getragen, um zumindest in Gedanken bei der eigentlich für diesen Termin geplanten RatCon in München gewesen zu sein. Wollen wir hoffen, dass uns das Virus in diesem Jahr wenigstens noch ein paar Veranstaltungen mitmachen lässt.

Nachdem ich mein Geld im Shop gelassen und die Errungenschaften im Hotelzimmer verstaut hatte, war es auch schon Zeit für's Abendessen. Tatsächlich hatte sich schon eine moderat lange Schlange vor dem Buffet gebildet (wobei Schlange in diesem Fall heißt: Es standen etwa 5 Leute vor mir), und so reihte ich mich mit Tablett und Teller in die Reihe der Hungrigen ein. Nur um dort schon bald wieder von Jeanette Marsteller herausgefischt zu werden, da ich am Nachtisch-Buffet meinen Aventurien-Kuchen anzuschneiden hatte. Eine Ehre, die ich mir natürlich nicht entgehen ließ, und so durften schon bald einige hungrige Mäuler mit trockenem, 100% Maraskan-freien Kuchen gestopft worden sein.

Nun könnte ich natürlich noch schreiben, wie das Abendessen war, was es zu Essen gab, und welche geistreichen Gespräche während der Nahrungsaufnahme geführt wurden. Aber seien wir doch mal ehrlich: Erstens kann ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern (außer dass das Essen gut und reichlich und die Gespräche bestimmt unterhaltsam waren), und zweitens möchte doch ohnehin jeder nur erfahren, welche weltbewegenden Informationen auf dem nächsten langerwarteten Agenda-Punkt verkündet wurden. Es war endlich Zeit für...

Die Keynote

Die große Informationsveranstaltung in Kaiser Rauls Ratsaal ist jedes Jahr immer ein mit Spannung erwartetes Event, und so strömten auch diesmal die gesättigten Massen in Richtung des großen Konferenzsaals am anderen Ende des Gebäudes. Allerdings machte sich nicht jeder auf den Weg dorthin, denn in Anbetracht der Corona-Ansteckungsgefahr wurde es in diesem Jahr allen Teilnehmern freigestellt, ob sie sich mit all den anderen Teilnehmern in einen Saal zwängen wollen, oder die Keynote lieber aus den sicheren vier Wänden ihres Zimmers auf dem Fernseher verfolgen wollten. Einige pragmatische Teilnehmer sollen sich den Stream direkt an der Hotelbar angesehen haben, während zu Hause an ihrem Computer die daheimgebliebenen Teilnehmer den Live-Stream verfolgen konnten. Insgesamt eine tolle Lösung von Ulisses zur Verminderung der Ansteckungsgefahr, und selbst technisch soll es keine Probleme mit dem Stream gegeben haben. Aber so gut die Idee auch war: Im Endeffekt wollten natürlich die meisten Teilnehmer direkt am Ort des Geschehens sein.

Die größte Neuerung bei der Keynote erwartete die staunende Zuhörerschaft beim Betreten des großen Vortragssaals: Ein gewaltiger Fernseher (mit der Auflösung des Todes!) sorgte für offene Münder, und nicht wenige überlegten sich, wie sie das locker 8 Quadratmeter messende Gerät unauffällig abschrauben und in den Kofferraum packen könnten.

Seit Anbeginn der Zeiten ist es nach Sitte, dass eine Keynote von Markus Plötz mit der berüchtigten Frage nach der Durchdringung des DSA5-Publikationsprinzips beginnt. Zur Erleichterung aller erwies sich Markus als gnädig und übersprang diesen nervigen Teil mit erfreulich wenigen Worten. Überhaupt versprach er direkt zu Beginn, den berühmt-berüchtigten Rückblick auf das letzte Jahr kurz zu halten, was mit erleichtertem Applaus begrüßt wurde. Zwar war es gefühlt immer noch etwas lang - aber wir wollen für jeden Schritt in die richtige Richtung dankbar sein.

Eine Wiedergabe des Rückblicks erspare ich Euch und uns, hatte aber wie auch die letzten Jahre das Gefühl, dass die paar Männchen und Weibchen aus Waldems einen wirklich beeindruckenden Output an schönen Publikationen hatten. Pandämonium, Das Blut der Castesier, Das Dornenreich, Die Schwarze Katze, Schatten der Macht - eine Menge tolle Produkte haben den Weg in meine heimischen Regale gefunden, und ich war wie alle anderen gespannt, was wohl in den nächsten 12 Monaten dazukommen würde.


DSA-Chefredakteur Niko Hoch und die neue Werkzeuge des Meisters Box

Den Anfang machte die neue Werkzeuge des Meisters Box, deren Crowdfunding zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen erst in der folgenden Woche beginnen würde (und mittlerweile längst höchst erfolgreich abgeschlossen wurde). Markus und Niko gingen sehr detailliert auf die einzelnen Bestandteile ein: Die mehr als 600 Acryl-Blips in drei verschiedenen Boxen (die jeweils das Grundregelwerk und den Almanach sowie das Aventurische Bestiarium 1 und 2 umfassen). Die zahlreichen Bodenpläne in sehr viel größeren Formaten als aus der DSA5-Einsteigerbox bekannt. Ein neues goldenes Schicksalspunkte-Set für den Meister, mit dem er endlich auch seine Lieblingsschurken aus brenzligen Situationen retten kann. Das Buch Aventurische Meisterschaft, das jede Menge Tipps und neue Regeln zum Spielleiten bereithält, und dabei sogar vor dem Schlachten heiliger Kühe wie der aktiven Parade und der 3W20-Probe nicht zurückschreckt. Das Generierungskartenset, mit dem angeblich in fünf Minuten ein komplett neuer DSA5-Held generiert werden kann. Das bereits auf der letztjährigen RatCon in Limburg angeteaserte neue Inrah-Kartenset aus der begnadeten Feder von Tokala. Der Abenteuer-Anthologieband Hinterhalt & Sturmangriff, an dem unter anderem mein geschätzter Nuntiovolo-Kumpel Christian Nehling mitschreibt. Und noch so manche Neuheit mehr, die während des Crowdfundings freigeschaltet wurde. Dazu eine riesige Sammelbox, in der alle Blips halbwegs geordnet und wiederauffindbar untergebracht werden können.


Die Produktflöte des Werkzeuge des Meisters Crowdfundings

Insgesamt ein sehr umfangreiches Gesamtprodukt, in dem sicherlich viel Arbeit steckt - das mich aber als eher weniger großer Fan von Acryl-Blips und alternativen Regeln nicht so richtig abholen konnte. Nichtsdestotrotz wurde natürlich wieder unvernünftig viel Geld auf das Crowdfunding geworfen, sodass auch ich bald stolzer Besitzer von einer riesigen Flut von Acryl-Chips sein werde.

Zur anscheinend recht erfolgreichen Einsteigerbox Das Geheimnis des Drachenritters wird bald auch eine Erweiterungsbox erscheinen. Die Hexe vom Schattenwasser wird sie heißen und weitere Abenteuer, Helden und diverses Zubehör enthalten.

Für alle Fans von Grünpfanzen dürfte das Aventurische Herbarium 2, der Nachfolger des erst in diesem Jahr erschienenen ersten Herbariums, für viel Freude sorgen, bringt es doch noch mehr schöne Pflanzen und zugehörige Regeln mit. Wann genau und mit welchem konkreten Inhalten das Buch erscheinen soll, vermag ich aber leider nicht zu sagen.


Das Aventurische Herbarium 2 wird auch in einer blauen Sammlerausgabe daherkommen

Während die Sternenträger-Kampagne momentan leider etwas schwächelt und Teil 3 Der Abgesang Ometheons momentan noch immer nicht erschienen ist (aktuell angepeilter Veröffentlichungstermin ist Ende August), steht bereits die nächste sechsteilige Kampagne in den Startlöchern: Die lang erwartete und schon öfter angekündigte Al'Anfa-Kampagne Rabenkrieg wird voraussichtlich ebenfalls im Juli mit der Veröffentlichung von Die Zähne des Kaimans ihren Anfang nehmen und dann wie gewohnt im dreimonatigen Abstand fortgesetzt werden. Wollen wir hoffen, dass dieses kleine Wunder eher wie den Castesier als wie bei den Sternenträgern gelingt.


Die Zähne des Kaimans heißt der erste Teil der Al'Anfa-Kampagne Rabenkrieg


Zu den beiden kommenden Regionalspielhilfen Dampfende Dschungel und Die Gestade des Gottwals sowie zum Stand des Cthulhu DSA Mythos wurde relativ wenig Neues gesagt, und die wichtigste Information, die ich aus diesem Teil der Keynote mitgenommen habe, ist der Titel des für die Südmeer-RSH vorgesehenen Regional-Abenteuers, das Jadegrün & Kobaltblau heißen wird.

Gegen Ende der Keynote wurde dann noch einmal ein Knaller aus dem Ärmel geschüttelt, und dieser wurde sogleich stilvoll mit einem neugierig machenden Teaser eingeleitet - ja, genau dem Teaser, der vor einigen Wochen so viele Diskussion in der Online-Community hervorgerufen hat. Ich hatte auf dem KRK den Eindruck, dass das Video sehr wohlwollend und euphorisch empfangen wurde. Aber wir hatten auch einen entscheidenen Vorteil: Der vollständige, frisch fertiggestellte Trailer wurde uns direkt im Anschluss gezeigt, sodass wir ohne große Spekulationen erahnen konnten, worum es gehen dürfte.




Wir dürfen uns also auch in diesem Jahr auf einen epischen und dicken Abenteuerband freuen, der auf den Namen Banner der Treue hören wird und aus der Feder von Bernd Ochs stammen wird. Unter dem Motto "Wem wirst Du die Treue halten?" verspricht das Abenteuer einen Showdown zwischen einem Mitglied des zwölfgöttlichen Pantheons (Roaaar!) und einer konkurrierenden Wesenheit (Bzzzz...), und wird uns u.a. in die unterirdischen Ruinen des gefallenen Bosparans führen. Außerdem wurde mittlerweile auch schon bekannt, dass das Abenteuer mit einigen Extras erscheinen wird, die so bisher für kein anderes Abenteuer gab. Wir dürfen also gespannt sein und uns endlich mal wieder auf metaplot-technische Epik freuen, was ich auch naturgemäß als Fan epischer DSA-Kampagnen pflichtbewusst tue. Banner der Treue war sicherlich mein persönliches Highlight-Produkt des diesjährigen Kaiser-Raul-Konvents!




Damit endete die Keynote auch schon wieder. Und auch wenn der Jahresrückblick wieder einige Längen hatte und die Anzahl echter, noch nie zuvor angekündigter DSA-Neuheiten sehr überschaubar war, ging ich doch sehr gut gelaunt aus der Veranstaltung. Denn das macht für mich einen Großteil der Freude am Rollenspiel aus: Auf kommende Produkte zu warten und sie irgendwann endlich in Händen halten, oder gar am Spieltisch einsetzen zu können.

Das Ulmenkabinett

Eigentlich hatte ich ja gar nicht mehr am Ulmenkabinett teilnehmen wollen: Immerhin hatte ich diese denkwürdige Erfahrung bereits beim letztjährigen KRK gemacht, und hatte mir - in Anbetracht unseres damals bevorstehenden Hauskaufs - auch geschworen, meine Ausgaben ein wenig herunterzufahren. Dies hatte ich auf der letztjährigen DreieichCon auch Jens Ballerstädt, dem Ulisses-Marketing-Chef und Organisator des KRKs, erzählt, der mir daraufhin wenige Tage später die Nachricht schickte, dass im Ulmenkabinett noch ein Platz frei geworden wäre, und ob ich noch Interesse hätte. Grrrr, verdammt, Jens - Du kennst mich schon zu gut! Natürlich schaffte ich es nicht, der Versuchung zu widerstehen (immerhin gab es nur zwölf der begehrten Plätze), und so machte ich mich nach der Keynote, gespannt wie ein Flitzebogen und mit dem frisch entgegen genommenen Ulmenkabinett-Orden behangen, auf, um meine Platz in der illusteren Runde einzunehmen.

Wie in jedem Jahr ist die Teilnahme am Ulmenkabinett mit der Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung verbunden, und so muss ich all jene, die sich Insider-Informationen erhofften, leider wieder einmal enttäuschen. What happens in Ulmenkabinett stays in Ulmenkabinett! Ich denke aber, dass niemand bei Ulisses etwas dagegen haben wird, wenn ich zumindest über den grundsätzlichen Ablauf ein paar Worte verliere.

Erste große Verbesserung gegenüber dem Vorjahr war die Örtlichkeit: Statt sich zu zwölft in den viel zu engen Kaminraum neben der Bar zu zwängen und bei tropischen Temperaturen im eigenen Saft zu schmoren, wurden wir diesmal in den außer uns menschenleeren Speisesaal geführt, wo wir noch vor drei Stunden köstlich diniert hatten. Platz, Atemluft und Sitzgelegenheiten hatten wir also genug, und so nahmen wir alle gespannt in einer lockeren Runde Platz. Moderiert wurde wieder von DSA-Chefredakteur Niko Hoch, der etwas später noch Unterstützung in Form von seinem Chef Markus Plötz bekam. Da aus bekannten Gründen leider keine der angekündigten drei Ehrengäste (Werner, Ina und Britta) dabei sein konnten, war spontan ein Ersatz-Gast, der DSA-Autor Bernd Ochs, acquiriert worden, der etwas über sein kommendes Abenteuer Banner der Treue erzählen sollte.

Doch dazu sollte es erstmal nicht kommen, hatte Niko doch wie im Vorjahr eine Themenliste zusammengestellt, die es vorher abzuarbeiten galt. Was genau sich auf dieser Liste befand, darf ich natürlich unter keinen Umständen verraten - es sei aber gesagt, dass es oftmals nur Details zu den bereits von der Keynote oder anderen Vorabankündigungen bekannten Neuheiten waren. So durften wir beispielsweise vorab staunend durch das Solo-Heldenwerk-Abenteuer Madas blaue Augen zum kommenden (und mittlerweile längst erschienenen) 200er-Jubiläums-Boten blättern oder weitere Infos zu den Produkten des laufenden Crowdfundings hören. Ehrlich gesagt nichts, was mich sonderlich aus dem Hocker gehauen hätte, aber dennoch schöne Produkte, auf die ich mich sehr freue.

Als etwas anstrengend empfand ich, wie schon im letzten Jahr, dass mit viel zu vielen Detailfragen zu den besprochenen Produkten so viel Zeit aufgewendet wurde, dass für die sehr interessanten weiter hinten auf der Liste liegenden Produkte kaum noch Zeit blieb. Niko ist ein toller Erzähler und könnte sicherlich viele Stunden lang über seine aktuellen Projekte schwadronieren - aber leider gerieten wir dadurch immer mehr in Verzug. Auch dass der liebe Mr. Turkelton (schöne Grüße - wann kommt mal wieder eine neue Podcast-Folge?) und andere meiner Mit-Ulmenkabinettler immer wieder zu organisatorischen Themen wie dem ominösen und immer noch in den Sternen stehenden Collectors' Club Fragen stellten, mag zwar verständlich sein - letztendlich empfand ich diese Themen aber eher für die Keynote als für das Ulmenkabinett interessant.

Schließlich war es schon weit nach Mitternacht, und wir hatten mittlerweile den Speisesaal bereits verlassen und uns doch wieder ins viel zu warme Kaminzimmer zurückziehen müssen, wo wir dann aber endlich zu den für mich spannenden Themen kamen. Insbesondere das, was der sehr sympathische Bernd über sein Herzensprojekt berichten konnte, weckte bei mir die Lust auf mehr. Ich bin sicher, dass uns mit dem Banner der Treue etwas ganz Großes bevorsteht. Freut Euch drauf!

Irgendwann nach zwei Uhr schleppte ich mich, total erschöpft und gerädert, geflutet mit neuen DSA-Infos und voll mit schönen Erlebnissen, zurück in mein Zimmer, schaffte es noch in letzter Sekunde mich der Kleidung zu entledigen und stürzte ins Bett.

Der erste Tag des KRK 2020 war geschafft. Und er war toll. Tag 2 konnte gerne kommen!

Der Morgen

Wer keine kleinen Kinder hat, wird niemals den unermesslichen Luxus verstehen können, den ein Einzelzimmer auf einer Rollenspiel-Convention irgendwo im Taunus bieten kann: Nämlich die Chance, einmal am Wochenende länger als bis sechs Uhr ausschlafen zu können, ohne von nachtaktiven Quälgeistern aus dem Schlaf gerissen zu werden! Doch ach und weh, welchen Streich spielte mein von vier Jahren Vater-Sein geschundener Geist meinem armen, nach Schlaf darbenden Körper? Statt bis in die Puppen in der Poofe zu verbleiben (Poofe=Ruhrgebietsdeutsch für die eigene Schlafstätte), wurde ich schon kurz vor sieben von den ersten fröhlich ins Zimmer kommenden Sonnenstrahlen auf's Übelste geweckt - der Herre Praios kann manchmal soooo grausam sein!

Sei's drum - schlafen kann man immer noch genug wenn man tot ist (lasst das keinen Boroni hören)! Also wurden noch schnell vor dem Frühstück ein paar Notizen für diesen Con-Bericht gemacht, mein Alter Ego für die heutige Spielrunde herausgesucht, und eine heiße Dusche zum Wachwerden genossen. Ein kurzes, aber schmackhaftes Frühstück im Speisesaal und einen kurzen Abstecher zum Tempel von Handel und Wandel später (wo sich die mitgebrachten Ina Kramer Bücher bereits gut, aber noch nicht gut genug verkauft hatten), war es schließlich Zeit, sich auf den Weg zur Spielrunde zu machen. Aber - wo sollte die eigentlich stattfinden?

Keine ganz blöde Frage, denn durch die zahlreichen Corona-Absagen (auch von einigen Spielleitern), war der gesamte Spielrunden-Plan durcheinander gewürfelt worden, und so musste der Plan vom Organisationsgenie und Ober-Panthergardisten Thorsten Most fleißig umhergeschoben werden. Anstatt also einfach der Ortsangabe auf dem ausgehändigten Spielrundenzettel vertrauen zu können, mussten sich um kurz nach neun erstmal alle Spieler und Meister im Forum versammeln, um von Niko Hoch und Thorsten die Raumverteilung vorgelesen zu bekommen. Und dann ging es endlich los: Ab in...

Das Abenteuer

Kalt war es, als wir uns mit unserem Ochsenkarren durch das verschneite Tobrien ratterten. Was hatte uns nur geritten, uns mitten im Winter in jene götterverlassene Gegend aufzumachen, nur um irgendeinem winzigen Weiler Werkzeuge, Nahrung und den Glauben in die zwölfgöttliche Ordnung zu bringen? Waren 15 Dukaten es wirklich wert, unser Leben derartig in die Waagschale zu werfen? War doch bis vor der Befreiung durch ihre kaiserliche Majestät Rohaja von Gareth diese Gegend von jenem Paktierer-Pack durchsetzt, dessen Ausrottung ich so lange mein Leben gewidmet hatte. Und nun kehrte ich wieder zurück in das Land jener schmerzlichsten Erinnerungen, die ich zu verdrängen versucht hatte? Wir mussten verrückt sein!

Wer "wir" sind, fragt Ihr? Verzeiht, ich vergaß meine Mitstreiter und mich vorzustellen. Zu fünft waren wir aufgebrochen, um diese Wagenladung tief in die Provinz zu bringen. Vornan schritt Irina, eine Peraine-Geweihte, die recht streng, aber auch stark in ihrem Glauben zu sein schien - etwas das wir auf dieser Reise brauchen konnten. Dahinter kam, nicht minder erhobenen Hauptes, ein spitzohriger Geselle aus dem Volk der Auelfen, der auf den Namen Albion hörte. An seiner Seite lief eine Frau, die sich Johanna nannte. Welcher Profession sie angehörte, schien sie vergessen haben zu erwähnen - aber es war mir gleich klar, dass ich meine Geldkatze in ihrer Anwesenheit nicht unbeaufsichtigt lassen würde.

Neben dem Ochsenkarren ritt, auf einem eigenen kuriosen Reittier, das wohl an ein kleines Pferd oder so etwas ähnliches gemahnen wollte, ein Vertreter des kleinen Volkes, der auf der Anrede Duglim, Sohn des Durin bestand, und mir noch merkwürdiger erschien als all die anderen Zwerge, die ich auf meinen langen Reisen durch die Schwarzen Lande und die Länder der zwölfgöttlichen Ordnung in all den Jahren getroffen hatte.

Ich heiße Delo Finsterkamm, weil ich einst in jenem Gebirge das Licht der Welt erblickt haben soll. Zumindest wurde mir das erzählt. Tatsächlich wuchs ich nämlich bei netten, aber oft strengen Zieheltern in Havena auf, nachdem meine echten Eltern Opfer des Ogerzuges geworden waren. Seitdem verdingte ich mich als Tagelöhner, mit Botengängen und anderen niederen Tätigkeiten, erst in Havena und Gareth, später in den Schwarzen Landen. Wenn Ihr versprecht, es niemandem weiterzuerzählen (und ich meine: niemandem!), dann will ich Euch aber verraten, dass ich in Wirklichkeit als Agent der Kaiserlich-Garethischen Informations-Agentur unterwegs war, um die Pläne und Truppenstärken des Feindes in Erfahrung zu bringen und tragische "Unfälle" einiger wirklich gefährlicher Dämonenanbeter zu verursachen.

Ich hatte also schon viel Exkrement in all den Jahren gesehen, wenn Ihr meine derbe Sprache verzeiht, und so war ich, wie man sicher verstehen kann, sehr auf der Hut, als wir, nicht lange vor dem vermuteten Ziel unserer Reise, plötzlich seltsame Spuren im Schnee abseits des holprigen Karrenwegs entdeckten. Mitten im knietiefen Neuschnee lag, mit seltsam verzerrten Gliedmaßen, eine arme junge Frau, ihr toter Blick schreckverzerrt in den dunklen Himmel gerichtet. Aber warum sie hier lag, und welche dämonische Macht sie dermaßen grotesk verunstaltet hatte, war nicht zu erkennen. Das Schlimmste war, dass keine Spuren zu finden waren: Während sich praktisch kein Neuschnee auf dem erstarrten Leib finden ließ, war der umgegebene Schnee sicherlich zwei bis drei Spann hoch und unberührt. War ihr Angreifer aus der Luft gekommen? Hatte er sie hier fallen lassen? War sie hier her gezaubert worden? Mein Blick schweifte schnell über den nahe liegenden dunklen Waldrand. Ich begann wieder Geräusche zu hören, Rascheln, wackelnde Blätter zu sehen. War da nicht was? Oder dort? Das war genau wie damals vor Eslamsbrück, als... wir mussten hier weg!

Und so nahm jene surreale Schreckgeschichte ihren Anfang, und gerne würde ich Euch die Details unseres furchtbaren Abenteuers berichten. Wie wir jenes Dorf, das Ziel unserer Reise war, erreichten und niemand den Tod der jungen Frau interessierte. Wie wir jenen Boroni suchten, der auf einem Friedhof mit leeren Gräbern wohnte, und bei dem drei Kinder wohnen sollten. Gerne würde ich Euch berichten, wie die Dorfbewohner plötzliche Wandlungen vollzogen, oder wie wir in jener Höhle ein seltsames Ritual störrten. Ich würde Euch all das wirklich berichten... aber ich vermag es nicht, bei Bishdariel! Alles war so unwirklich... und so schrecklich! Was passierte wirklich mit uns, und was war nur ein Konstrukt unserer Fantasie? Wachten wir wirklich, als wir all jene schrecklichen Dinge erlebten, oder waren wir in einem nicht enden wollenden Albtraum gefangen?

Nadine Schäkel geht in ihrer Rolle als Nirraven erschreckend gut auf


Noch heute frage ich mich, wie es uns gelingen konnte dieser widernatürlichen Hölle zu entkommen. Es ist alles so verschwommen! Wir mussten uns rätselhaften Aufgaben stellen, mussten unseren Weg finden, obwohl keine Naturgesetze zu gelten schienen. Und dann war da dieses.... Ding! Dieses schreckliche, fürchterliche Etwas, das nach unseren Seelen griff! Ich weiß nicht, was es war, oder woher es kam. Unsere Peraine-Geweihte nannte es später "den Nirraven", aber was immer sein Name war, es war die boshafteste Entität, der ich mich im wachen und schlafenden Zustand je stellen musste. Die Erinnerung an jene grinsende Fratze, die uns einem Rabenschädel gleich anschrie, wird mich bis in Borons Hallen verfolgen. Und wir alle wären verloren gewesen, wären auf ewig im Albtraum jener Kreatur gefangen gewesen, wenn nicht... ja, wenn nicht Duglim, Sond des Durin gewesen wäre. Als es darauf ankam, und wir uns gerade in einen ausweglosen Kampf mit diesem Etwas stürzen wollten, nein, mussten, da griff er zu seiner Armbrust und sandte ihm einen Bolzen entgegen. Alles schien still zu stehen: Der Bolzen. Die Rabenschädel-Fratze. Das grausame Gekreische. Dann: Eine ohrenbetäubende Explosion von Stille, von Dunkelheit und Vergessen. Ich weiß nicht, was alles geschah. Und ich werde es nie verstehen. Aber ich hoffe, nein, ich bete inständig zum Herre Praios und all seinen göttlichen Geschwistern, dass ich erwacht bin aus jenem Albtraum, dass er nie wiederkommen wird, der grinsende Rabenschädel. Bitte, lasst dies die Realität sein. Denn wenn sie es nicht ist....

Viele Wochen ist all dies nun schon her. Oder Monate? Was ändert das schon. Aber noch immer liege ich nachts wache, versuche nicht einzuschlafen, nicht den Griff um die Realität zu verlieren. Und wenn ich dann doch vergeblich kämpfe, und meine Augen zufallen, und ich hoffe, dass es Boron ist, der mich nun in die Arme nimmt, dann höre ich oft dieses Lied. Das mir seitdem nicht wieder aus dem Kopf gehen will. Und ich weiß, dass ich es selbst am Tag meines Todes auf dem Sterbebett hören werde. Jenes Lied. Das Lied von den drei Raben. Die Rabenballade!


Als Dankeschön für alle Überlebenden der Spielrunde: Die Rabenballade

Die Spielrunde

Wer nach der Lektüre des vorherigen Abschnitts mit einem großen verstörten Fragezeichen über dem Kopf daherkommt, hat eine ganz gute Vorstellung davon, wie es mir nach eben jener, knapp vierstündigen Spielrunde ging. Unsere Spielleiterin Nadine Schäkel (ihres Zeichens Art Directorin von Ulisses und bekannt aus diversen Art-Streams) hat es nicht nur geschafft uns souverän und immersiv durch das Abenteuer zu leiten, sondern gleichzeitig den Schrecken, die Unsicherheit und die Surrealität der Schwarzen Lande so gut rübergebracht, dass nicht nur mein Held am Ende des Abenteuers mit seinem Nervenkostüm am Ende war.

Unsere Spielrunde war sehr sympathisch, und auch wenn ich mir natürlich keinen Namen meiner Mitspieler merken konnte, haben wir gut und reibungsfrei zusammengearbeitet, um den mysteriösen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Highlight war für mich der Spieler von Duglim, der nicht nur seinen Charakter sehr sympathisch und verschroben spielte, sondern auch schon mehrfach mit Nadine auf irgendwelchen Cons gespielt hatte und daher besonders gut mit ihr harmonierte. Erst später erfuhr ich, dass es sich bei diesem sehr netten Mitspieler um den Dicken Preußen handelte, also einem Blogger- bzw. Podcaster-Kollegen, der sich vornehmlich im BattleTech Universum herumtreibt, aber offensichtlich auch in Aventurien sehr heimisch ist. Die DSA-Szene ist echt ein Dorf! Und ein sehr sympathisches Dorf noch dazu!

Übrigens wurden während der Spielrunde auch die DSA-Schokoladen-Würfel verspeist, die ich ein paar Wochen zuvor in unserer heimischen Bochumer Schokoladen-Manufaktur hatte fertigen lassen. Sogar die selbst gefertigten Würfel mit der ausgeflockten und falsch temperierten Schokolade soll recht schmackhaft gewesen sein, wie mir meine Mitspieler nur bedingt glaubhaft versicherten.


Nadine hatte offensichtlich auch Spaß mit der Rabenballade


Habe ich eigentlich schon unsere Spielleiterin genug gelobt? Nein, noch lange nicht! Was Nadine für diese kleine Spielrunde vorbereitet hat, war echt toll und beeindruckend. Neben der atmosphärischen Geschichte gab es tolle Rätsel, die viel Gebrauch von UV-Stiften und geheimen Zeichen machte, die es nach und nach zu entdecken galt. Als Nadine dann plötzlich in ihr Nirraven-Kostüm schlüpfte, wurde es völlig surreal und genial. Und als sie uns dann, nach erfolgreich bestandenem Endkampf, noch unsere Urkunden überreichte und die Rabenballade mit ihrer tollen Stimme intonierte, hatte ich wirklich eine Gänsehaut. Auch wenn es bestimmt Dinge gibt, die Nadine Schäkel nicht beherrscht, kann ich nach diesem Vormittag ruhigen Gewissens sagen, dass Zeichnen, Meistern, Schauspielern, Basteln und Singen definitiv nicht dazu gehören! Vielen Dank, liebe Nadine!

Der Nachmittag

Glücklich und aufgewühlt nach der tollen Spielrunde ging es in die Mittagspause, und wieder gab es überall fröhliche, aufgedrehte und zufriedene Gesichter zu sehen, die offensichtlich alle viel Spaß an ihren jeweiligen Spielrunden hatten. Überall wurde berichtet und gefachsimpelt, und so mancher verschwand relativ schnell wieder in der zweiten Hälfte seiner langen Spielrunde.

Ich blieb etwas hin- und hergerissen zurück, war ich doch für den Nachmittag für keine weitere Runde angemeldet. Was sehr schade war, denn eigentlich hätte ich unheimlich gerne an dem von Rafael Knop und Jeanette Marsteller geleiteten Dual-Parallelen-Abenteuer teilgenommen. Das ging aber aus einem einfachen Grund nicht: Eigentlich war ja für den Nachmittag vorgesehen, dass ich Ina Kramer und Britta Neigel zum Bahnhof bringen sollte, und dafür hatte ich auf meinen Nachmittags-Spielrunden-Slot verzichtet. Da nun wegen Corona niemand weggebracht werden musste, musste ich mir eine andere Beschäftigung suchen.

So hatte ich Gelegenheit, mich einmal entspannt mit meinem Rechner in die Hotellobby zu setzen und etwas zu schreiben. Zwischendurch wurde auch mit Alex und Tobi von Godicon geplaudert, und natürlich auch noch etwas erworben: Ich entschied mich für den formschönen DSA5-Logo-Anstecker, der mit 6 cm Breite etwas besser zu sehen ist als die alten DSA-Pins, die sich schon in meiner Sammlung befanden. Besonderes Highlight: Der Anstecker wird nicht wirklich angesteckt, sondern mit einem starken Magneten an der Hemdtasche befestigt. Sehr chic. Natürlich wurde er direkt ausprobiert und anbehalten.

Der DSA5-Logo-Pin mit dem seeehr starken Magneten


Ansonsten gab es wenig zu tun, da die meisten Teilnehmer in ihren Spielrunden beschäftigt waren. Entsprechend leer war es auch im Tempel von Handel und Wandel, wo noch immer fast die Hälfte meiner Ina-Kramer-Bücher auf einen Käufer warteten. Zu kaufen gab es für mich auch nichts Interessantes mehr, nachdem ich entgegen meiner ursprünglichen Absichten bereits Besitzer einer Con-Tasse und des Ulisses Con-T-Shirts (das ich übrigens seitdem sehr gerne trage) war.

Irgendwann ging ich aus purer Langeweile zurück zu meinem Hotelzimmer, um den Laptop wegzubringen. Ich nahm die Zimmerkarte aus meiner Hemdtasche, hielt sie vor den Sensor - und nichts passierte. Irritiert starrte ich auf meine Zimmernummer. War das hier wirklich mein Zimmer? Ja, müsste eigentlich - aber sicher war ich mir nicht. Ich hielt die Karte noch einmal vor den Sensor. Nein, keine Reaktion. Ich ging hinunter zur Rezeption, verzweifelt darüber nachgrübelnd, ob ich vielleicht doch eine andere Zimmernummer hatte. An der Rezeption wurde das Rätsel um die sich nicht öffnende Tür sehr schnell gelüftet, und ich bin mir sicher, auch Du, lieber Leser, hast sehr viel schneller als ich verstanden, warum die Zimmerkarte nicht funktionierte. Die nur mühsam ihr Grinsen zurückhaltende Hotelfachkraft fragte mich, ob ich vielleicht etwas Magnetisches in die Nähe der Zimmerkarte gehalten hätte, und so zog ich zerknirscht und vermutlich etwas errötend den toll aussehenden, aber für Zimmerkarten absolut tödlichen DSA5-Logo-Pin mit dem tollen neuen magnetischen Verschluss ab...

Die Aventuria-Runde

Irgendwann in einer Pause begegnete mir der liebe Grolm (auch bekannt als Alex, der sympathische Wahnsinnige hinter dem DSA-Museum). Er berichtete, dass er gerade im Aventuria-Workshop sitzt und eine neue Erweiterung für das Kartenspiel probespielt, und da ich nichts Besseres zu tun hatte, und Aventuria eigentlich immer sehr gerne gespielt habe, schloss ich mich ihm spontan als Zuschauer an. Gespielt wurde das Szenario Diebe in Khezzara, das im Rahmen des Nedime & Borbarad Crowdfundings finanziert worden war, und das zusammen mit dem Namenlosen Geweihten in einer Heldenset-Box verkauft werden wird.

Die Runde war schon weit vorangeschritten, und so konnte ich gerade noch miterleben, wie die Heldengruppe (zusammen mit besagtem Anhänger des Güldenen) ihre Einbruchsvorbereitungen abschlossen und sich an den eigentlichen Einbruch in die Schatzkammer des Aikar Brazoragh machten. Schnell wurde klar, wie wichtig die Vorbereitungen gewesen waren, wären doch ohne gewisse Informationen die Helden bestimmt schon im ersten Raum ausgelöscht worden. So aber gelang das Meisterstück und ich konnte miterleben, wie die Helden ihre erfolgreiche Flucht feiern konnten. Ein sehr spannendes Szenario, dass weitaus interessanter und komplexer als die gängigen zwei- oder dreiaktigen Aventuria-Abenteuer früherer Erweiterungen schien. Ich freue mich darauf, es irgendwann im Spätsommer selbst in Händen halten zu können.

Sehr sympathisch war, dass nur eine Handvoll Teilnehmer in dieser Runde saßen, und Markus Plötz persönlich das Testspiel leitete. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit, Aufwand und Liebe er und seine getreue Schar von Aventuria-Fans (allen voran natürlich der Grolm) in dieses wirklich feine Kartenspiel stecken. Man merkt Markus wirklich an, dass Aventuria sein "Baby" ist und ihm das Tüfteln und Schrauben an den Karten wirklich Freude bereitet. Ich selbst konnte nicht viel zu Aventuria beitragen, nutzte aber die Zeit, um meine Schnappsidee von einem C64-DSA-Computerspiel vorzuführen, dass ich eigentlich letztes Jahr zum 35. DSA-Jubiläum programmieren wollte, und das leider bisher noch nie über den ersten Level (Silvanas Befreiung) hinausgekommen war. Von Markus wurde der Prototyp mit einem Lachen, einem Kopfschütteln und der Bewertung, dass ich irre sei, quittiert. Ich kann ihm da nichtmal widersprechen...

Das Kneipen-Quiz

Und so nahte der Samstag Abend, und mit ihm traditionell der gesellige Teil der Veranstaltung. Die letzten Jahre wurde ein Interaktionsspiel angeboten, das im ersten Jahr in meinen Augen sehr gut geklappt hat, im zweiten Jahr aber schon etwas müde wirkte. Vermutlich aus diesem Grund waren in diesem Jahr gleich drei mögliche Programmpunkte angekündigt worden: Neben dem Interaktionsspiel sollte es noch ein aventurisches Kneipenquiz und einen Tanz-Workshop, moderiert von Thomas Michalski, dem Chef-Layouter von Ulisses und einer Hälfte des von mir sehr gerne gehörten DORPCast, geben.

Da ich eigentlich kein Fan des Kneipenquiz-Konzepts bin, und mir das Interaktionsspiel im dritten Aufguss auch etwas zu langweilig erschien, hatte ich mich für den Tanz-Workshop anmelden wollen. Nicht dass ich ein großer Tänzer wäre oder werden wollte, aber ich hatte vor nunmehr 18 Jahren mal das Vergnügen, bei einem Besuch im schottischen Glasgow einem waschechten Ceilidh (einer Art schottischem Square-Dance) beizuwohnen, und hatte dabei gegen jede Erwartung so viel Spaß gehabt, dass ich dem Tanz-Workshop eine Chance geben wollte.

Bekanntermaßen machte aber der Corona-Virus allen Programmpunkten mit Körperkontakt einen klaren Strich durch die Rechnung, und da auch das Interaktionsspiel aufgrund geringem Interesses abgesagt worden war, wurde ich auf einmal doch Kneipen-Quiz-Teilnehmer. Moderiert wurde auf gewohnt launige und souveräne Art von Jens Ballerstädt (der als ehemaliger LARP-Herold auch über die benötigte Stimm-Lautstärke verfügte). Gespielt werden sollte in Fünfer-Teams, die in mehreren thematischen Blöcken zu jeweils fünf vorgelesenen Fragen die Antworten aufschreiben sollten. Ausgedacht hatte sich die Fragen die gute Jasmin Neitzel auf der Zugfahrt von Bielefeld nach Glashütten. Mein Unwohlsein stieg beständig an, denn nun würde der Zeitpunkt kommen, wo herauskommen wird, das ich, der Schelm, der immer so altklug tut, eigentlich keinerlei Plan von DSA habe, da ich die meisten DSA-Produkte nur kaufe, aber viel zu selten lese oder gar studiere.

Rettung nahte aber in Gestalt der Ruhrgebiets-Panthergardisten-Truppe um Marcel Blex und Dennis Jantoss, die mich spontan in ihre Gruppe beriefen. Zusammen mit Florian (den ich u.a. seit den RatCons in Limburg kannte) und dem Grolm war unsere Truppe schnell komplett, und strotzte zu meiner Erleichterung vor DSA-Fachwissen. Ein Name war auch schnell gefunden: "Vier Helden und ein Schelm" sollten wir heißen. Ein passender Name, wussten doch alle vier Mitspieler mehr über DSA als ich. Vielleicht würde es ja doch nicht so peinlich werden wie befürchtet.

Doch diese Hoffnung war verfrüht: Kaum wurde die erste Frage vorgelesen, schon machte sich in unserer Runde allgemeine Ratlosigkeit breit. Es ging um das Thema "aventurische Geographie", was in zweierlei Hinsicht verwirrend war, da es zum einen Derograhie hätte heißen müssen, und es zum anderen um den Namen eines mir unbekannten Hügels in Myranor ging. Auch meine Mitspieler hatten keine Ahnung, und so ging es auch bei den weiteren Fragen weiter. Zwar kam auf eine weitere derographische Frage von Mitspieler Marcel die spontane und höchst überzeugend wirkende Antwort "Teremon", was mich sehr beruhigte. Als er jedoch zugab, dass er keine Ahnung habe und ihm dieser Ort als erstes in den Sinn gekommen wäre, verschwand meine Hoffnung auf zumindest eine richtige Antwort direkt wieder.

Die einzige Frage, die ich sofort und ohne Zweifel richtig beantworten konnte, war die nach dem Standort einer horasischen Corsettagen-Manufaktur, woraufhin es mir, der ich damals das schöne Abenteuer Findet das Schwert der Göttin! geleitet hatte, sofort laut die Antwort Neetha entschlüpfte. Ich finde, es spricht Bände, dass ich außer Informationen zu Damen-Unterwäsche nicht viel mehr DSA-Wissen beisteuern konnte...

Als die Rubrik "DSA-Publikationen" kam, lag unsere ganze Hoffnung auf dem Grolm, der vermutlich über das breiteste Wissen auf diesem Gebiet verfügen sollte, da er fast alles, wo DSA draufsteht, sein Eigen nennt. Leider war diese eine Frage dann doch so speziell, dass sie uns alle und den Grolm im Besonderen zum verzweifelten Grübeln brachte: "Welches war das letzte Abenteuer, dass mit einem halbdurchsichtigen DSA-Logo auf dem Coverbild herausgebracht wurde?" Es wurde diskutiert, hin und her überlegt. Jeder hatte dieses vermalledeite Auge vor Augen, und doch vermochte keiner zu sagen, ab wann es nicht mehr auftauchte.

Wir einigten uns schließlich auf Verschollen in Al'Anfa, und waren damit auch gar nicht so weit von der richtigen Antwort entfernt, denn nur noch zwei weitere Abenteuer hatten jenes Overlay auf dem Titelbild. Die richtige Antwort wäre Die Fahrt der Korisande gewesen. Warum das Auge danach verschwunden ist? Vermutlich weil es ansonsten den namensgebenden Wolf von Winhall auf dem genialen Titelbild von Ugurcan Yüce verdeckt hätte. Wie dem auch sei: Wir wussten die richtige Antwort nicht, und es war dem Grolm Alexander anzusehen, dass ihn dieses Scheitern sehr wurmte und grämte. Wer übrigens wissen will, von welchem Auge hier die Rede war, sollte sich die Abenteuer-Übersicht auf Wiki-Aventurica zu Gemüte führen.

Die letzten DSA-Abenteuer mit (links) und ersten ohne (rechts) überlagertem DSA-Logo


So ging es weiter, Frage um Frage, und mit jedem Mal wurde unser Unwissen deutlicher. Ich hoffte irgendwann nur noch, dass es bald vorbei wäre, und ging recht niedergeschlagen aus der Veranstaltung, als sich die Organisatoren zur Auswertung der Antworten zurückzogen. Ich war gerade dabei, im Kaminzimmer nach Gesprächspartnern zu suchen, mit denen ich meinen Unmut über unser schlechtes Abschneiden teilen konnte, als mir plötzlich ein namentlich nicht näher genannter DSA-Redakteur (nennen wir ihn einfach Kohannes Jaub) ins Ohr flüsterte, dass er bei der Auswertung über die Schulter gespickt habe und unsere Gruppe besser abgeschnitten habe als die Redaktionsgruppe!

Ich war baff und konnte nicht glauben was ich hörte: Unsere Versagertruppe sollte besser sein als Niko Hoch, Thorsten Most, Alex Spohr und Konsorten? Das musste ein Fehler sein, und ich überlegte kurz, ob man mich mit dieser Falschinformation noch zusätzlich demütigen wollte...

Aber dann kam die Auswertung, und zu unserer eigenen Überraschung hatten wir doch einige richtige Antworten zu Papier gebracht. Und nicht nur das: Tatsächlich schienen viele der anderen Gruppen beim Verlesen der Antworten deutlich seltener zu jubeln als wir. Lediglich eine andere Truppe schien noch häufiger ihre Arme in die Luft zu reißen, und als dann am Ende die Sieger verlesen wurden, stellte sich heraus das eben jene Truppe (ich glaube es waren die Münchner rund um DSA-Autor Julian Härtl) die meisten richtigen Antworten geliefert hatte. Allerdings dicht gefolgt von... uns!!!

Worte vermögen nicht zu beschreiben wie euphorisch, großartig, geil unser zweiter Platz war, und wäre ich in jenem Moment an einem Herzinfarkt verstorben, hätten die Ärzte viele Stunden gebraucht, um das Lächeln von meinem Gesicht zu entfernen. Nie hätte ich vermutet, dass man mit unserem gepflegten Halbwissen die DSA-Redaktion hätte schlagen können, und dies machte den Triumph nur umso größer. Ich hoffe, Markus hat ihnen ihr Abschneiden beim Quiz nicht vom Gehalt abgezogen...


Die großartige Silbermedaille für den zweiten Platz im Kneipen-Quiz


So ging ein schöner KRK-Tag für uns großartig zu Ende, und während die anderen noch weiter tranken und quatschten (mein Mitreisender Christoph hatte noch bis in die frühen Morgenstunden mit Chef-Redakteur Niko und einigen anderen an der Bar gestanden), machte sich bei mir eine glückselige Müdigkeit breit. So verabschiedete ich mich von allen, die ich sah (besonders von Jasmin für die tollen Quiz-Fragen), und fiel irgendwann zwischen ein und zwei Uhr mit einem Grinsen ins Bett. Was für ein toller zweiter KRK-Tag! Und morgen würde noch ein weiterer toller Tag folgen...

So dachten wir zumindest!

Der nächste Morgen

Als ich morgens vor dem Frühstück meinen Koffer packte und zur Rezeption ging, um schon einmal mein Zimmer zu räumen und die Koffer ins Auto zu räumen, sah ich schon an den ernsten und traurigen Gesichtern von Markus Plötz und Jens Ballerstädt, dass irgendetwas nicht stimmte. Beim Frühstück gingen auch schon die Gerüchte um, die es schon die beiden vorherigen Tage gegeben hatte, aber die nun konkret geworden waren: Die hessische Landesregierung habe alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern untersagt, der KRK müsse beendet werden. Immer mehr machte dieses Gerücht die Runde, und irgendwann kam dann auch die Durchsage, dass sich alle Teilnehmer (nach Nachnamen unterteilt) um kurz vor zehn in einem der beiden großen Versammlungsräume einfinden sollten.

Wir nutzten noch vorher die Gelegenheit, um uns im Tempel von Handel und Wandel unsere Silbermedaillen für das bestandene Kneipen-Quiz abzuholen, und das war wohl auch eine gute Entscheidung, denn eigentlich war man bereits mit dem Abbau beschäftigt und wenige Minuten später wäre der Shop zu gewesen. So konnte ich mir wenigstens noch meine Medaille umhängen - aber für echten Stolz war ich leider nicht mehr in Stimmung.

Natürlich wurden in der öffentlichen Ansage unsere Befürchtungen bestätigt: Ja, der KRK muss leider als Großveranstaltung unverzüglich beendet werden, womit man dem Beschluss der hessischen Landesregierung Folge leistete. Alle offiziellen Programmpunkte, d.h. auch alle Workshops, Panels, Spielrunden und die traditionelle Zusammenkunft mit dem kleinen einstudierten Theaterstück, waren somit abgesagt. Von nun an waren wir nur noch Gäste des Hotels, und als solche als Privatpersonen hier. Es war uns also freigestellt, in Eigenregie noch Spielrunden zu organisieren. Die Mitarbeiter von Ulisses aber verabschiedeten sich schleunigst, um jeden Vorwurf, man hätte die Veranstaltung trotz Verbot fortgesetzt, entgegen zu wirken.

Das Ende

So war also die von vielen befürchtete und nun doch noch eingetretene Absage des Konvents eingetreten, und für uns hieß das Zeit für den Abschied. Natürlich hätten wir uns noch mit anderen zu einer privaten Spielrunde zusammentun können, und wir waren auch wirklich versucht. Insbesondere als Rafael und Jeanette uns anboten, ihren Thorwal-Workshop noch in kleiner Runde abzuhalten. Letztendlich machte sich dann aber doch der Großteil der Teilnehmer ziemlich schnell auf den Weg nach Hause.

Überall verabschiedete man sich, verprach sich schon bald auf kommenden Conventions wiederzusehen oder vielleicht mal eine Spielrunde zu organisieren... im Endeffekt lag aber eine bittersüße, bedrückte Stimmung über diesen letzten Minuten in Glashütten. Schließlich ahnten wir alle grob, dass die kommenden Wochen große Änderungen bringen würden, dass Corona uns nun wirklich erreicht und im Griff hatte. Ob wir damals schon ahnten, dass nahezu alle Veranstaltungen für 2020 abgesagt werden würden? Dass  dies vielleicht das letzte Zusammentreffen in diesem Jahr sein würde? Ich weiß es nicht mehr. Aber eine gewisse Zukunftsangst lag durchaus in der Luft...

So fuhren wir also bereits Sonntag Mittag wieder zurück ins Ruhrgebiet. Redet über das Erlebte. Hörten ein Hörspiel. Versuchten die Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten. Und waren nach zwei langen, tollen Tagen im Collegium Glashütten auch ziemlich erschöpft und fertig. Dass wir insgeheim eigentlich ganz froh waren, nicht noch einen Tag in schönen, aber manchmal auch anstrengenden Panels zu sitzen, würden wir natürlich nie öffentlich zugeben.

Die Bärenherz-Spende

Bevor ich aber diesen wieder viel zu langen Bericht mit einem zusammenfassenden Fazit beende, sei noch kurz erwähnt, was aus den Ina-Kramer-Büchern geworden ist. Insgesamt hatte ich wie erwähnt 100 Bücher mitgenommen. Etwa zehn davon hatte ich schon vorab an Ina, Freunde und mich verteilt. Etwa 50 Bücher wurden im Tempel von Handel und Wandel verkauft. Für die jedes Jahr stattfindende Verkaufsaktion der KRK-Kinder (also derjenigen Kinder, die während des KRKs von Mama Plötz betreut wurden), die selbstgemachte DSA-Devotionalien verkauften, stiftete ich etwa 20 Bücher, die sie für jeweils fünf Euro verkaufen sollten. Was genau aus diesen Büchern wurde, ob sie alle verkauft wurden und wie viel sie eingebracht haben, habe ich leider nicht mehr mitbekommen.

Von den verbleibenden, wieder mit nach Hause genommenen Büchern habe ich noch so manches Exemplar unter meinen Lesern verkaufen können, und dabei auch manchmal deutlich höhere Spenden zu Gunsten der Bärenherz-Stiftung entgegen nehmen können. Vielen Dank dafür an alle, die so großzügig für einen guten Zweck gespendet haben!


Ein Dankeschön-Video der Bärenherz-Stiftung


Insgesamt sind durch die Buchaktion (abzüglich eines Teils der Druckkosten und der Bücher, die ich für die Kinderaktion gestiftet habe) 430 € zusammengekommen, die soeben per Lastschriftverfahren der Bärenherz-Stiftung überwiesen wurden. Im Namen von Ina Kramer, dem Team von Ulisses und natürlich dem Bärenherz-Team und den von ihnen betreuten kranken Kindern bedanke ich mich herzlich bei allen, die diese großartige Spende möglich gemacht haben. Und danke natürlich Markus und Jens, dass sie mir den halboffiziellen Verkauf der Bücher gestattet haben, und nicht zuletzt natürlich der lieben Ina, dass ich ihre beiden tollen Geschichte für einen guten Zweck unter's Volk bringen durfte.

Das Fazit

Tja, das war er also, der sicherlich ausgesprochen ungewöhnliche Kaiser-Raul-Konvent 2020. Viele Monate hatte man sich auf dieses Event gefreut, hatte wochenlang gezittert, ob die Veranstaltung trotz der COVID-19-Gefahr überhaupt stattfinden würde. Hatte gegrübelt, ob man überhaupt verantworten könne, sich trotz der Ansteckungsgefahr dorthin zu begeben. Und dann war das KRK-Wochenende endlich da, und es wurde großartig!

Sicher, vieles war anders als beim letzten Mal. Die Begrüßungen und Verabschiedungen fielen deutlich verhaltener aus, statt fröhlicher Umarmungen gab es vorsichtiges Abstand-Halten. Aber trotz all der Widrigkeiten muss man dem Ulisses-Team mal wieder den vollsten Respekt aussprechen: Sie haben den Spagat zwischen entspanntem Eskapismus und Social Distancing so gut es ging geschafft, und uns trotz aller Ängste ein schönes und doch sicheres Wochenende beschert. Das gefährliche Thema Corona wurde sehr erwachsen und wohlüberlegt angegangen, und so wusste jeder Teilnehmer des Konvents, auf welche potentielle Gefahr er oder sie sich einlassen würde. Sicher, im Vergleich zu den gültigen Anordnungen der letzten Wochen waren wir geradezu naiv fahrlässig: Es gab keine überwachten Mindestabstände, keine Mundschutzpflicht. Aber basierend auf dem Wissen und den gängigen Experten-Einschätzungen, die im März galten, wurde die Veranstaltung sehr vorsichtig angegangen. Danke dafür an Jens und sein gesamtes Orga-Team: Ihr habt uns so kurz vor dem Lockdown noch eine schöne Zeit beschert!

Die gute Nachricht ist, dass alles gut gegangen ist. Unseres Wissens nach hat sich auf dem KRK 2020 niemand mit dem Corona-Virus infiziert. Und das ist doch die Hauptsache: Alle Teilnehmer sind gesund geblieben. Und somit steht einem tollen Wiedersehen 2021 nichts im Wege!

Ich danke allen netten Leuten, die diesen KRK wieder zu einem Fest für mich gemacht haben. All den Mitarbeitern, Panthergardisten, Autoren, Spielern, mit denen man sein liebstes Hobby wieder rundum zelebrieren konnte. Bestimmt habe ich Dutzende nette Begegnungen, Gespräche und schräge Situation vergessen, die es noch Wert gewesen wären, in diesem Artikel Erwähnung zu finden. Aber sicherlich werdet Ihr mir zustimmen, dass dieser Con-Bericht nun schon lange genug auf eine Veröffentlichung gewartet hat!

Zu guter Letzt möchte ich mit einer kleinen Anekdote schließen, die für mich den KRK 2020 bittersüß zusammenfasst und die ich vermutlich nie in meinem Leben vergessen werde: Als die Stunde des Aufbruchs gekommen war und ich gerade zum Hotelausgang gehen wollte, entdeckte ich noch Chefredakteur Niko Hoch erschöpft und vielleicht niedergeschlagen (oder verkatert?) in einem Sessel sitzen, und ging noch kurz herüber, um mich zu verabschieden. Und plapperte noch irgendwas davon, dass es trotz allem eine tolle Veranstaltung war, blablabla. Niko sah mich nur müde an und sagte: "Ich bin gelernter Mikro-Biologe. Du musst aufhören Dir ins Gesicht fassen!"

In diesem Sinne. Bleibt gesund!


Kommentare

  1. Du hast es schon wieder getan ;) Don't call it Florian!

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    1. Sorry, Julian. Wenn man es sich einmal falsch gemerkt hat... Nichts für ungut! Ist korrigiert!

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    2. Jetzt lass mal den Karl in Ruhe, Florian!

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    3. Witzig, der Unknown da oben war ich nichtmal - aber es macht mich glücklich, dass irgendjemand weiß, dass ich nicht Florian heiß'.

      :D

      Liebe Grüße an dich, Kai!

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    4. Umso peinlicher! Ich habe bestimmt dreimal über den entsprechenden Abschnitt drüber gelesen, und es ist mir nicht aufgefallen. Ich brauche ein Lektorat! Und einen Collectors Club!

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  2. Wieder ein sehr schöner Bericht (kann es sein, dass es der bisher längste Beitrag hier ist?) und nachdem corvid und E-Book-shop anscheinend schon in den letzten Minuten korrigiert wurden, fällt mir auch keine weitere Kritik ein. Der Artikel lässt trotz seinem Humor die nötige Ernsthaftigkeit nicht vermissen - bei manchen Sätzen hatte ich gar Gänsehaut - und gibt einem wirklich schon fast das Gefühl dabeigewesen zu sein und die Personen selbst getroffen zu haben. Weiteres Positives zu "Banner der Treue" ist auch immer gern gesehen, da frühe ich mich schon sehr drauf.
    Auf ein weiteres schönes DSA-Jahr!

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    1. Danke für's Lesen, ich werde bei Gelegenheit mal die Wörter zählen. Ja, der Artikel ist mal wieder etwas länglich geraten. Für weitere Korrekturen bin ich immer dankbar, es sind noch genug Rächtschreipfeeler für alle da! Und ich bin mir sicher, dass es trotz Corona mit all den noch kommenden DSA-Produkten, Spielrunden und hoffentlich der ein oder anderen Con noch ein tolles DSA-Jahr werden wird!

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    2. Word sagt 10.941 Wörter :)
      43 DIN-A4-Seiten in Times New Roman, Schriftgröße 12 (inkl. Fotos)

      Word findet übrigens auch noch ein paar Schriebfühler. Ist eh mein Tipp, jeden Text nochmal durch Word zu jagen ;)

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    3. Lieber Schelm, danke für den Bericht, endlich Infos vom KRK.

      Horrido

      Sinwist
      PS: Mir war der Bericht nicht zu lang.

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  3. Es war wirklich schön euch alle nich einmal sehen zu können, ich vermisse euch ganz doll. Liebe grüsse Anna

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